Leopoldshöhe/Bielefeld. Behutsam legt Manfred Burkamp die Klarsichthülle auf den Arbeitstisch. Darin gesammelt: vergilbte Zeitungsausschnitte, amtliche Schreiben und Informationsmaterial zu einem Grenzstein, der eigentlich unbeweglich sein sollte, aber bereits mehrfach versetzt wurde. Einst markierte er die Grenze zwischen Lippe und Preußen, heute steht er kaum sichtbar an einem ungeeigneten Ort – und sorgt weiter für Ärger. Burkamp setzt sich schon lange für das historische Denkmal ein. Früher als Ortsvorsitzender in Asemissen und stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Leopoldshöhe, heute als Privatmann. Weil ihm das Hin und Her zwischen den Behörden zu lange dauert, wandte er sich direkt an den nordrhein-westfälischen Landtag – mit Erfolg. Am 4. Februar wird er sein Anliegen vor dem Petitionsausschuss vortragen. Der Grund für sein Engagement liegt nur wenige Kilometer von seinem Wohnhaus in Asemissen entfernt: Der Grenzstein steht heute zwischen einer Schallschutzwand und dem Zaun einer Trinkwassergewinnungsanlage an der B66n. Sichtbar ist er kaum noch. „Der Grenzstein verfehlt an diesem Standort seine Berechtigung als Denkmal und ist dort deplatziert“, hatte ein Zeitungsleser bereits vor Jahren kritisiert. Burkamp teilt diese Ansicht. „Der Stein erinnert an die Geschichte des Königreichs Preußen und des Fürstentums Lippe. Diese Geschichte muss wieder sichtbar werden“, sagt er. Dabei blickt das Denkmal selbst auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach der Aufhebung der Zollgrenze im Jahr 1842 wurde die Straße zwischen 1844 und 1846 neu gebaut, der Grenzstein damals etwas weiter südlich aufgestellt. Mit dem Bau der Lageschen Straße Mitte der 1990er Jahre folgte eine weitere Versetzung. 2017 schließlich wurde der Stein im Zuge des Ausbaus der B66n per Autokran rund 40 Meter versetzt – vom Kreis Lippe auf Bielefelder Stadtgebiet. Der Grenzstein wechselte offiziell den Zuständigkeitsbereich: Er wurde aus der Denkmalliste der Gemeinde Leopoldshöhe gestrichen und in die der Stadt Bielefeld aufgenommen. Burkamp kritisierte das Vorgehen schon damals. „Die Gemeinde wurde nicht angehört, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt er. Seither bemüht er sich in Gesprächen mit Behörden – involviert sind die kommunalen Denkmalschutzbehörden, Straßen NRW, die Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und die Gemeinde Leopoldshöhe – auf beiden Seiten der Grenze um eine Rückversetzung des Steins. Unterstützung erhält er dabei aus der Politik. Ein entsprechender Antrag Burkamps fand im Sommer 2025 im Gemeinderat Leopoldshöhe breite Zustimmung. Allerdings seien für eine Versetzung mehrere Voraussetzungen zu erfüllen, erklärte Dirk Puchert-Blöbaum, Fachbereichsleiter Bauen, Planen, Ordnung, damals. Dazu zählten eine neue denkmalrechtliche Genehmigung der Bezirksregierung Detmold, eine Kostenschätzung durch einen zertifizierten Steinmetzbetrieb, eine Kostenübernahmeerklärung der Gemeinde sowie das schriftliche Einverständnis des Baulastträgers. Erst danach könne ein denkmalfachlicher Austausch erfolgen, unter Einbindung des LWL. Mit diesen Auflagen wollte sich Burkamp nicht zufriedengeben. Am 20. August 2025 wandte er sich in einem Schreiben an den Landtag. Darin schilderte er, dass die Stadt Bielefeld als untere Denkmalschutzbehörde einer Umsetzung zustimmen würde. Auch die Gemeinde Leopoldshöhe und Straßen NRW hätten sich laut Burkamp bereits auf einen neuen Standort verständigt: am Radweg zwischen Leopoldshöhe und Bielefeld auf Höhe des Hofes Hansing. Doch nach Burkamps Darstellung stellte die Bezirksregierung Detmold als Obere Denkmalschutzbehörde, die für die Genehmigungen zuständig ist, neue Forderungen. So solle vor der Umsetzung ein denkmalfachliches Gutachten erstellt werden – obwohl der Grenzstein bereits unter Denkmalschutz steht. Zudem werde ein zertifizierter Steinmetzbetrieb verlangt. „2017 wurde der Stein ebenfalls per Kran umgesetzt – ohne Spezialfirma“, gibt Burkamp zu bedenken. Auch die Finanzierung sorgt bei dem Rentner für Unverständnis: Die Gemeinde Leopoldshöhe solle die Kosten übernehmen, obwohl der Grenzstein dem Land NRW gehört. „Der Stein wurde aus Sicherheitsgründen von Straßen NRW versetzt. Dann muss auch der Verursacher für die Rückversetzung aufkommen“, sagt Burkamp. Umso erfreuter war er über die schnelle Reaktion aus Düsseldorf. Bereits einen Tag nach seinem Schreiben erhielt er eine Einladung, den Fall vor dem Petitionsausschuss zu schildern. Burkamp hofft nun auf „einen Kompromiss, der allen Seiten gerecht wird“. Parallel dazu lässt die Gemeinde Leopoldshöhe derzeit eine Kostenschätzung durch einen zertifizierten Steinmetz erstellen, erklärt Puchert-Blöbaum. Sollte all das dennoch nicht zum gewünschten Ergebnis führen, will Burkamp nicht aufgeben. Sein Ziel bleibt klar: Der Grenzstein soll endlich wieder einen Platz bekommen, der seiner historischen Bedeutung gerecht wird.