Nabu-Ortsgruppe Blomberg - Naturschutz vor der Haustür

Jan Ahlers

Hier wird aufgeräumt: Bernhard Brautlecht und Christiane Stolz von der NABU-Ortsgruppe in Blomberg zeigen, wo sie die üppigen Haselnusssträucher entfernt haben. - © Jan Ahlers
Hier wird aufgeräumt: Bernhard Brautlecht und Christiane Stolz von der NABU-Ortsgruppe in Blomberg zeigen, wo sie die üppigen Haselnusssträucher entfernt haben. (© Jan Ahlers)

Blomberg. Das Duddenloch liegt derart versteckt, dass auch längst nicht jeder Einheimische weiß, wo genau es zu finden ist. Am östlichen Stadtrand, kurz nachdem das riesige Areal des bedeutendsten lippischen Arbeitgebers Phoenix Contact abrupt endet und in sanfte, beweidete Hügel übergeht, liegt einen Feldweg weiter ein beachtliches Feuchtbiotop, das die Nabu-Gruppe Blomberg zum Großteil erworben hat und seitdem mit Hingabe pflegt.

Christiane Stolz und Bernhard Brautlecht führen durch das Gelände. Stolz hat im Vorjahr das Vorstandsamt von Brautlecht übernommen, der den Nabu in Ostlippe in den vergangenen Jahrzehnten mit viel Herzblut aufgebaut hat. Das Duddenloch sei schon immer ein kleiner Diamant gewesen, schwärmt Brautlecht. „Vor 40 bis 50 Jahren haben die Bewohner der Stadt ihre außerhalb liegenden Grundstücke noch mit Hecken abgegrenzt", sagt er und deutet auf eine Reihe linear angeordneter, meterhoher Bäume. „Und das passiert, wenn man diese nicht schneidet."

Tatsächlich bestand das Feuchtgebiet, in dem sich heute unter anderem Füchse, Wildschweine, Dachse und Fasane wohlfühlen, früher aus vielen Einzelparzellen. „Es gab sicher 20 verschiedene Besitzer", sagt Stolz, während sie eine der zahlreichen treppenartigen Ackerterrassen hinunter klettert. Das habe das Vorhaben des Nabu erschwert, die Flächen in den vergangenen Jahren systematisch in seinen Besitz zu bringen und einen Rückzugsort für heimische Tiere zu schaffen. Denn trotz Flurplan ist nicht mehr genau nachvollziehbar, wem welche der verbliebenen Natur-Parzellen gehört. „Manche Besitzer sind längst verstorben", sagt Stolz.

80 Prozent der Fläche gehörden schon dem Nabu

Etwa 80 Prozent der Gesamtfläche gehören nun dem Naturschutzbund und darauf wird kräftig gearbeitet. So wurden im Duddenloch erst vor einigen Wochen großflächig Haselnusssträucher entfernt, die dort im Laufe der Jahre expansiv gewuchert hatten. Und siehe da: Prompt haben sich interessierte Lebewesen die Fläche zu Eigen gemacht. „Hier waren Wildschweine unterwegs, eindeutig", ruft Brautlecht. Stolz ergänzt: „Das kann nur gut für uns sein, denn so wird die Erde kräftig umgepflügt und es werden neue Samen verteilt."

Für den Carolinen-Umweltpreis haben sich die Lipper nicht nur beworben, um auf ihr Naturprojekt aufmerksam zu machen. Natürlich hofft der Nabu aus Blomberg, jetzt unter die besten drei Projekte zu kommen und ein Preisgeld zu gewinnen. Worin das im Erfolgsfall investiert wird, ist offensichtlich: „Noch ist unser Besitz im Duddenloch etwas zerstückelt", sagt Stolz. „Wir würden gerne weitere Flächen kaufen." Zwar werden die Naturfreunde unter anderem von der Stadt und der Detmolder Adolf-Deppe-Stiftung, aber auch durch Spenden von Bürgern seit Jahren unterstützt, ein zusätzlicher Anschub würde jedoch helfen.

An einer weiteren natürlichen Terrasse ist Brautlecht entzückt. „Das ist ein toller Fund", sagt er und deutet auf einen Dachsbau mit gleich drei Ausgängen. Auch Füchse könnten sich in solchen Höhlen verkriechen. „Das muss ich demnächst fotografisch festhalten." Weil hier kaum ein Mensch vorbei komme und es Pfuhle und feuchte Böden gebe, fühlen sich Wildtiere pudelwohl. Doppelt ärgern tun sich die Naturschützer hingegen über Glasflaschen und anderen Unrat, der sich selbst hier auf dem Waldboden immer wieder findet.

Nabu-Gruppe würde sich über mehr engagierte Jugendliche freuen

12 bis 14 Leute trommelt die Blomberger Nabu-Gruppe, die aus 25 aktiven Mitgliedern besteht, dann für einen Arbeitseinsatz zusammen, um ihr Duddenloch aufzuräumen, zu verschönern und sauber zu halten. „Darunter sind viele engagierte Naturschützer", sagt Stolz zufrieden. Nur die jüngere Generation halte sich noch sehr zurück. „Da würden wir uns riesig über Engagement freuen."

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