Blomberg. Angekündigt war es als „audio-visuelles Live-Konzert", aber das, was sich am Samstagabend in der Blomberger Martin-Luther-Kirche abspielte, gleicht eher einem Happening: Ein künstlerisches Zusammentreffen, das sich in dieser Form niemals wiederholen wird. Denn was da Lichtkünstler Laurenz Theinert und die Musikerin Anja Kreysing in dem schlichten Kirchenraum entstehen ließen, ist sehr von ihrer Improvisation geprägt. Und es stieß auf großen Beifall bei den knapp 80 Gästen. Bereits bei der ersten Ausgabe des Lichtkunst-Spazierganges in Reelkirchen hatte Laurenz Theinert mit seiner Lichtmalerei in der historischen Reelkirchener Kirche für Furore gesorgt – nun bot ihm die lutherische Kirchengemeinde gemeinsam mit dem Verein Wasserschloss Reelkirchen eine etwas größere „Leinwand" – den Kirchenraum. Palette und Pinsel für die Malerei mit Licht stellen bei Laurenz Theinert ein eigens von ihm entwickeltes Gerät dar. Ein paar Klaviertasten, verbunden mit einem Mischpult, einem i-Pad und einem Computer samt Bildschirm arbeiten hier auf geheimnisvolle Weise miteinander. Und je nach Bewegung seiner Hände und Finger auf den Tasten, dem Bildschirm des i-Pad oder den Reglern entstehen farbige Gebilde. Fest programmierte Elemente wie Kugeln oder Quader zerfließen unter seinen Händen, und vier Beamer in allen Ecken des Kirchenraumes verwandeln die kahlen Wände in lebende Kunstwerke. Das Ganze ist abgestimmt auf diesen Raum, und dass die mächtige Erntekrone über den Stufen zum Altar steht, stört hier nicht. „Ganz im Gegenteil, das bringt noch einmal besondere, interessante Effekte", sagt der Künstler. All das wäre jedoch nur halb so faszinierend, wenn nicht Anja Kreysing an seiner Seite säße, das Akkordeon in den Armen. Aber hier ertönt eben nicht nur Akkordeonmusik: Die Künstlerin, deren Herz besonders für die Begleitung von Stummfilmen schlägt, hat ein Gespür für Lichtstimmungen. Ihr Instrument ist ebenfalls elektronisch verfremdet und mit einer Art Synthesizer verbunden. So produziert sie plötzlich Töne, die von einer Orgel zu stammen scheinen, lässt mal einen Walzer erklingen, während das Licht schwungvoll über die Wände wandert. „Ist mir gerade so eingefallen", sagt sie dazu. Ein kongeniales Duo, das dem Publikum eine Fantasiereise beschert hat. Dass das ganze eine Stunde dauerte, war gut so: Mehr hätten die Sinne nicht verkraftet.