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Detmold

Das „Mauseleum“ ist ein Weltrekord

Christa Behmenburg besitzt knapp 47.000 Mäuse und Ratten – in allen Variationen

Detmold. Wo andere Menschen Ekel empfinden, verspürt Christa Behmenburg große Sympathie. Seit 24 Jahren sammelt die gebürtige Berlinerin Nager in den unterschiedlichsten Variationen und hat dabei Geschichten aus aller Welt zusammengetragen.

24.000 Postkarten, 4000 Bücher, 10.565 Figuren - nur ein paar nackte Zahlen, die den gewaltigen Umfang des „Mauseleums“ skizzieren sollen. Die einzigartige Sammlung von mehr als 47.000 Artikeln steht mittlerweile sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Dabei gleicht das Einfamilienhaus in Hiddesen fast mehr einer Kultstätte als einem Wohnraum, und dennoch wirkt die liebevolle Inszenierung der pelzigen Wollknäule durchaus charmant. In jedem Zimmer kann der Mäusefreund Vitrinen mit Figuren, Abbildungen an den Wänden sowie skurrile Einzelstücke entdecken. Dass solch eine Metamorphose vom unscheinbaren Vorstadthaus zum bewohnten Museum stattfinden konnte, ist dabei dem Zufall geschuldet.

„Mein Mann hat mich mit der Sammelleidenschaft überhaupt erst angesteckt - und das war der größte Fehler seines Lebens“, erzählt Christa Behmenburg lachend. Günter Grundmann winkt jedoch sofort ab, er habe die Mäusejagd von Anfang an unterstützt und gehe gern mit auf Entdeckungsreise. Denn der pensionierte Geologe hat selbst passioniert Postkarten gesammelt, seiner Frau wurden die Bergbaumotive mit der Zeit jedoch zu langweilig. „Daher hab ich mir was eigenes gesucht. Mäuse haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Sowieso fühle ich mich eher zu den Kleinen hingezogen, auf denen oft herumgetrampelt wird“, erklärt die ehemalige Bibliothekarin.

Ganz getreu des langjährig ausgeübten Berufes ist jedes einzelne Stück der Weltrekordsammlung katalogisiert. „Sonst verliert man ja den Überblick“, bekennt Christa Behmenburg vor einer mit Karteikarten beladenen Schrankwand. Den Überblick hat die Sammlerin gewiss nicht verloren - im Gegenteil - zu nahezu jedem Einzelstück kann die Ex-Berlinerin einen geschichtlichen Zusammenhang herstellen. Darum geht es der Kunstliebhaberin auch, denn Nager haben in den unterschiedlichen Kulturen ihre ganz eigene Bedeutung. „In Indien gibt es einen Elefantengott, der paradoxerweise auf einer Ratte reitet. Und in Arizona besagt eine indianische Fabel, dass es eine Maus mit ihrer List geschafft hat, einen Habicht zu töten“, erzählt Christa Behmenburg. Unzählige Kostbarkeiten und Geschichten hat sie von ihren Reisen mitgebracht. Selbst ein zierlicher Spazierstock mit einem Knauf als Maus schmückt ihre Sammlung. Warum gerade der so erwähnenswert ist? Der Flanierstock soll einst dem bayrischen König Ludwig II gehört haben.

Wer die weltbekannte Micky Maus im „Mauseleum“ sucht, der muss sich dagegen arg anstrengen. „Die habe ich hier nur zu Dokumentationszwecken untergebracht“, bekennt die Sammlerin, denn das Kultobjekt sei ihr zu langweilig. Auch für Diddl-Mäuse hätte sie keine große Wertschätzung übrig, schließlich habe der Zeichner ursprünglich ein Känguru malen wollen. Mainstream ist halt nichts für Christa Behmenburg: Je verrückter der Bezug desto besser!

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