Städtepartnerschaft zwischen Detmold und Hasselt feiert 40-Jähriges

Zum Jubiläum eröffnen pünktlich zwei Ausstellungen in der lippischen Residenz

Jana Beckmann

  • 0
Aktuelle Ausstellung: Entlang der Bruchmauerstraße sind noch bis zum 16. Mai Bilder zu sehen, die von der Städtepartnerschaft zeugen. Dazu kommen einige Ansichten aus Hasselt. - © Jana Beckmann
Aktuelle Ausstellung: Entlang der Bruchmauerstraße sind noch bis zum 16. Mai Bilder zu sehen, die von der Städtepartnerschaft zeugen. Dazu kommen einige Ansichten aus Hasselt. (© Jana Beckmann)

Detmold. Den Grundstein legte die Kultur: Das Landestheater Detmold hatte seine Fühler nach Belgien ausgestreckt, 1973 das neu erbaute Kulturzentrum in Hasselt eröffnet und zugleich sein erstes Gastspiel dort gegeben. Daraus entwickelte sich mehr. Drei Jahre später traten die Städte Hasselt und Detmold vor den Traualtar.

Von einer „Liebesheirat" ist heute die Rede, obwohl anfangs nicht alle von einer Städtepartnerschaft angetan waren. „Die Annäherung vor 40 Jahren war keinesfalls selbstverständlich", sagt Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink. „Das Bild auf belgischer Seite war noch immer durch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs geprägt, als die deutsche Armee den neutralen Nachbarstaat überrollte und jeden Widerstand erbittert niederschlug." Deshalb habe es durchaus Vorbehalte gegeben. Diese sollten aber in kürzester Zeit überwunden werden.

Besiegelt wurde die Städtepartnerschaft am 6. Mai 1976 mit der Unterzeichnung der entsprechenden Urkunde durch die Bürgermeister Paul Meyers (Hasselt) und Hans-Werner Bömelburg (Detmold) im Rathaus der belgischen Stadt. Begleitet wurde Bömelburg von einer Delegation, zu der auch Friedrich Brakemeier gehörte. Damals war er jüngstes Ratsmitglied, später wurde er selbst Bürgermeister von Detmold und Ehrenbürger von Hasselt noch dazu.

35-Jähriges: Im August 2011 wird mit Bürgermeister Rainer Heller (rechts) das Borrelmaneke am Hasselter Platz enthüllt. - © Privat
35-Jähriges: Im August 2011 wird mit Bürgermeister Rainer Heller (rechts) das Borrelmaneke am Hasselter Platz enthüllt. (© Privat)

„Es war einer der heißesten Tage im Sommer 1976, als es ohne Klimaanlage gen Westen ging", erinnert er sich heute. Gerade noch rechtzeitig schaffte es die Gruppe, nachdem sie sich einmal ordentlich verfahren hatte, zum Festakt – völlig abgehetzt und verschwitzt. Später sei es aber noch ein fröhlicher Abend geworden. Wobei auch der Ausschank von Genever, der Spezialität aus Hasselt, eine gewisse Rolle gespielt haben soll. Wechselseitig, so Brakemeier, habe man plötzlich keine Sprachprobleme mehr gehabt.

Viele weitere Treffen folgen, die Partnerschaft wurde auf allerlei Ebenen mit Leben gefüllt. Genauso wie es die Initiatoren, darunter auch Piet Jaspaert, der Leiter des Hasselter Kulturzentrums, sowie Prof. Hans Otto Böhm und Otto Röhler als Intendanten des Landestheaters, einst ersonnen hatten. Es entstand zum Beispiel ein Austausch zwischen Vereinen, darunter Wanderfreunde, Luftsportler, Fußballer, und auch zwischen Institutionen wie der Polizei oder auch dem Felix-Fechenbach-Berufskolleg und der Hotelschule Hasselt.

1994 wurde der Partnerschaftsverein Detmold-Hasselt gegründet, der den Kontakt pflegte und dazu unter anderem Bürgerfahrten und Kulturveranstaltungen organisierte. „Es ist eine rege, freundschaftliche Partnerschaft", berichtet Vereinsvorsitzender Peter-Uwe Witt. Im Laufe der Jahre seien viele private Freundschaften entstanden. Und auch im Detmolder Stadtbild schlägt sich die Verbindung nieder – mit dem Hasselter Platz und dem Borrelmaneke, an dem an diesem Samstag ganz nach Hasselter Vorbild erneut ein Geneverfest gefeiert werden soll.

Damit aber nicht genug, weitere Entwicklungen sind bereits angelaufen. „Es geht weg vom reinen Kennenlernen und hin zum thematischen Arbeiten", erklärt Astrid Illers vom Team Städtepartnerschaften der Stadtverwaltung. Bei gemeinsamen Konferenzen könnten die Verwaltungen beziehungsweise einzelne Fachabteilungen voneinander profitieren. Außerdem gebe es Aktionen – etwa ein Mädchenprojekt –, die in beiden Städten liefen. Illers: „Wir wollen immer mal wieder neue Gruppen einbeziehen."

Zwei Orte mit vielen Gemeinsamkeiten

Rund 300 Kilometer Luftlinie trennen Detmold und Hasselt. Letzteres liegt nördlich von Lüttich, in der Provinz Limburg und bildet zudem deren Hauptstadt. Somit ist es seiner lippischen Partnerkommune durchaus ähnlich.

Detmold und Hasselt trennen rund 300 Kilometer Luftlinie. - © LZ
Detmold und Hasselt trennen rund 300 Kilometer Luftlinie. (© LZ)

„Die beiden Städte passen von der Größe und von dem, was gelebt wird, gut zusammen", erklärt Peter-Uwe Witt, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Detmold-Hasselt. Beide kommen auf etwa 75.000 Einwohner. Und auch von der kulturellen Bedeutung her sind sich die Städte durchaus ähnlich.

In Hasselt wird gerne und viel gefeiert. Die Spanne reicht vom Karnevalsumzug über Poesietage, Livemusik in den Gaststätten bis hin zu Konzerten, Theateraufführungen und Kunstausstellungen. „In der belgischen Partnerstadt ist immer etwas los", heißt es aus berufenen Kreisen.

Darüber hinaus ist Hasselt insbesondere für sein exklusives Modeangebot bekannt und deshalb häufig das Ziel von Einkaufstouristen. Außerdem kann es unter anderem ein Modemuseum aufweisen, wo neben Ausstellungsstücken aus den verschiedenen Jahrhunderten auch immer wieder wechselnde Schauen zu bestimmten Themen präsentiert werden.

Des Weiteren ist Hasselt Belgiens Genever-Hauptstadt. Das Genever-Museum zeichnet die Geschichte dieser Industrie nach – beginnend mit den Anfängen im 18. Jahrhundert bis hin zur Blütezeit im 19. Jahrhundert. Jedes Jahr im Oktober findet zudem ein großes Geneverfest mit Musik und einem großen Umzug statt. Heute ist die Stadt vor allem ein Handels- und Verwaltungszentrum. Darüber hinaus gibt es kleinere und mittlere produzierende Betriebe verschiedener Branchen.

Information

Veranstaltungen am 4. und 7. Mai

Einen historischen Rückblick auf die Beziehungen zwischen Belgien und Deutschland wirft Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink am heutigen Mittwoch ab 19 Uhr in der „Ressource", Allee 11. Der Eintritt kostet 20 Euro inklusive Abendessen. Anmeldungen bei Astrid Illers, Tel. 05231-977-454.

Impressionen aus 40 Jahren Detmold – Hasselt sind derzeit in einer Freiluft-Galerie an der Bruchmauerstraße zu sehen. Am Samstag, 7. Mai, wird zudem eine weitere Ausstellung im Rathaus am Markt eröffnet. Ab 12 Uhr erzählen Zeitzeugen über den gelebten europäischen Austausch und auch die ein oder andere Anekdote.

Zudem findet am Samstag – im Anschluss an den Europäischen Markt von 10 bis 14 Uhr an der Ecke Lange Straße/Rosental – das zweite Geneverfest statt. Dazu gibt es von 14 bis 17 Uhr am Hasselter Platz Musik von „De Stoopkes" aus Hasselt. Dazu wird Genever ausgeschenkt und es gibt eine Tombola.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!