Quer durch die USA: Detmolder radelt von New York nach San Francisco

Dabei legt Maximilian Droste knapp 6.500 Kilometer zurück

Janet König

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Von Ost nach West: Die Montage zeigt Abenteuerer Maximilian Droste mit seinem Rennrad am Start- und Zielpunkt seiner Reise. Links ist der 22-Jährige noch in New York, während er zweieinhalb Monate später San Francisco (rechts) erreicht hat. - © Montage: Privat
Von Ost nach West: Die Montage zeigt Abenteuerer Maximilian Droste mit seinem Rennrad am Start- und Zielpunkt seiner Reise. Links ist der 22-Jährige noch in New York, während er zweieinhalb Monate später San Francisco (rechts) erreicht hat. (© Montage: Privat)

Detmold/Berlin/USA. Mit dem Rennrad von New York nach San Francisco: knapp 6.500 Kilometer Abenteuer, gerissene Ketten, wechselnde Klimazonen und die stetige Suche nach einem Schlafplatz. Der Detmolder Maximilian Droste hat auf seinem Trip durch die USA viel erlebt. Was ihn bewegte, hielt der 22-Jährige in seinem Blog fest.

Sein erstes Rennrad hat Max Droste mit 16 Jahren im Tausch gegen ein Stück Pizza bekommen – dann packte ihn die Leidenschaft. Sechs Jahre später radelt der Medienkaufmann quer durch die USA: „Es fühlt sich an, als wäre man in der ganzen Welt zu Hause – und nicht nur in der eigenen Wohnung." Seit vier Jahren lebt der Detmolder, der sein Abi 2012 am Grabbe gemacht hat, in Berlin, hier will er im Herbst ein Studium beginnen. Um vorher noch Zeit für den USA-Trip zu haben, kündigte er seinen Job.

Information
Der Blog zur Amerikatour

Unter www.flowbiker.com gibt es das ganze Abenteuer von Maximiliam Droste zum Nachlesen. Der 22-Jährige betreibt den Blog zusammen mit seinem Freund Philipp, der ebenfalls begeisterter Rennradfahrer ist und aus Lippe stammt. Der Startschuss für das webbasierte Logbuch fiel 2010, als die beiden Rennradfahrer eine Tour von Detmold nach Cuxhaven und zurück in Angriff nahmen. Um Freunde und Familie an ihrer Tour teilhaben zu lassen, hielten sie den fünftägigen Trip in Texten und Bildern fest.

Nach zweieinhalb Monaten Roadtrip ist der Detmolder erschöpft und glücklich zurückgekehrt. Bis zu acht Stunden hat er täglich auf dem Rad gesessen – und durchschnittlich 130 Kilometer Strecke bezwungen. Mit gelegentlichen Ruhephasen: „Man kann vier bis fünf Tage durchfahren, dann schreit der Körper nach Pause." An die Belastung erinnert jetzt nur noch die Hornhaut an den Händen, ansonsten ist der Sportler ohne Blessuren davon gekommen.


Familie und Freunde hat Max Droste mit Blogbeiträgen auf dem Laufenden gehalten: „Das ist wie Tagebuch schreiben." Bis zu 120 Leser verfolgten seinen Trip im Internet, für den Blogger ein tolles Gefühl. Noch wichtiger sei, das Erlebte für sich selbst festzuhalten: „Es passiert so viel, man kann gar nicht alles behalten." Auch die eigene Persönlichkeit habe der Trip gestärkt: „Ich bin jetzt selbstbewusster und offener – gerade fremden Menschen gegenüber."

Kein Wunder. Fremde musste Max häufig ansprechen und um Hilfe bitten, sei es bei Pannen oder auf der Suche nach einem Platz für die Nacht. In Kansas strandete er einmal mitten im Nichts, platzte durch Zufall sogar in eine Familienfeier – und fand auf Anhieb neue Freunde: „Ich wollte eigentlich nur im Feuerwehrhaus fragen, wo ich campen kann. Und plötzlich saß ich mit am Buffet."

Gastfreundschaft werde in den USA groß geschrieben, so hat es der 22-Jährige immer wieder erlebt. Es sind gerade die menschlichen Begegnungen, die ihn geprägt haben: „Mir ist bewusst geworden, dass hinter jedem Menschen, den man zufällig im Supermarkt trifft, eine Geschichte steckt. Das hat mich sehr beeindruckt."

Daneben gab es kostenlose Schulungen im Bereich Krisenmanagement: „Oft ist man tagelang bis zur nächsten Stadt unterwegs. Wenn dir dann im Nirgendwo die Kette reißt oder die Speiche bricht, musst du improvisieren." Mitte Mai überraschte den Rennradfahrer ein Schneesturm in den Rocky Mountains: „Eben noch bestes Wetter, und dann fallen 20 Zentimeter Neuschnee." Also runter vom Rad und ab in den Skilift, der glücklicherweise schon für die Sommersaison radkompatibel präpariert worden war.

Mit einer Handvoll T-Shirts, drei Unterhosen und zwei Paar Socken im Gepäck hatte sich Max Droste im April auf den Weg gemacht: „Auf so einem Trip muss man minimalistisch packen. Man lernt den eigenen Kleiderschrank zu schätzen." Einsam habe er sich nie gefühlt, obwohl es genug atemberaubende Momente gab, die er gern geteilt hätte: „Aber dafür hatte ich ja den Blog."

Wer glaubt, dass der 22-Jährige nach 6500 Kilometern genug von sportlicher Betätigung hatte, irrt sich. Kaum in der Heimat angekommen, ging es wieder aufs Rennrad – und direkt durch die lippische Landschaft. Die hat im Vergleich zu Amerika Vorteile: „Man muss nicht tagelang fahren, um etwas Sehenswertes zu entdecken."

Auch der nächste Trip ist in Planung: Dieses Mal will Max Droste eine Tagestour von Berlin nach Detmold wagen. Bei knapp 400 Kilometern heißt das: Früh aufstehen und günstigen Rückenwind abwarten. „Ich werde mehr als zehn Stunden unterwegs sein. Aber ich freu mich drauf."

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