Lippe hat ein neues Krebs-Zentrum

Auszeichnung: Detmold ist in NRW der zweite Standort mit einer zertifizierten Viszeralonkologie. Ärzte arbeiten fachübergreifend bei der Behandlung von Tumoren in Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse

Astrid Sewing

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Leitet das frisch zertifizierte Viszeralonkologische Zentrum:
Prof. Dr. Wolfgang Hiller am Eingang zu einem OP, in dem gerade eine Operation beginnt. - © Bernhard Preuß
Leitet das frisch zertifizierte Viszeralonkologische Zentrum: Prof. Dr. Wolfgang Hiller am Eingang zu einem OP, in dem gerade eine Operation beginnt. (© Bernhard Preuß)

Kreis Lippe. Krebs – diese Diagnose bekommen jährlich 500.000 Menschen in Deutschland. Die Deutsche Krebsgesellschaft hat deshalb ein Zertifizierungssystem entwickelt, um die Betreuung der Patienten zu verbessern. Das Klinikum in Detmold erfüllt den höchsten Standard und ist deshalb jetzt ein Viszeralonkologisches Zentrum – in NRW gibt es nur ein weiteres.

Hinter der Auszeichnung stehen ein umfangreiches Verfahren und die Idee, dass Ärzte ganz unterschiedlicher Bereiche zusammenarbeiten. In Detmold ist alles zusammengefasst, was den Bauch betrifft. Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse liegen nicht nur beieinander.

Wenn es um die Krebstherapie oder um Operationen geht, sind die Grenzen fließend. „Es gibt Kliniken, die eine sehr gute Chirurgie haben, aber es hapert an der Abstimmung mit anderen Spezialisten, zum Beispiel, wenn es um die Strahlen- oder Chemotherapie geht", erklärt der Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums, Professor Dr. Wolfgang Hiller.

In Detmold hingegen läuft es anders. „Das Team arbeitet interdisziplinär. In der Tumorkonferenz sprechen Ärzte aller zugehörigen Fachbereiche über jeden einzelnen Patienten. Die Diagnose, aber auch die Therapie werden in einer ganzheitlichen Betrachtung festgelegt", erklärt Professor Hiller. Das Ganze müsse man sich wie ein Puzzle vorstellen. „Klar, es gibt Leitlinien für die Behandlung, aber jeder Fall ist anders gelagert. Es gibt immer individuelle Merkmale und oft auch Gründe, eben nicht nur strikt nach einer Leitlinie zu behandeln." Für den Patienten sei dies ein klarer Vorteil. „Er kann sicher sein, dass es nicht vom Zufall abhängt, was mit ihm passiert."

Dazu gehört, dass nur bestimmte Chirurgen die jeweiligen Krebsfälle operieren. „Das ist wichtig, denn es hängt viel von der Erfahrung ab, die die Operateure haben." Zu den Zertifizierungskriterien der Deutschen Krebsgesellschaft gehört deshalb auch die Fallzahl. Im Klinikum Detmold werden jährlich etwa 150 Patienten mit Darmkrebs, 40 bis 50 mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und 80 mit Magenkrebs behandelt.

Die Nachbehandlung, die Zahl der Komplikationen, die genetische Beratung, die Betreuung durch den Sozialdienst und auch die Sterblichkeit werden in einem Erhebungsbogen der Krebsgesellschaft aufgelistet und ausgewertet. Jedes Jahr besuchen Auditoren das Klinikum: Ärzte anderer Kliniken, die sich speziell fortgebildet haben, lassen sich einen Tag lang einzelne Dokumentationen und Fälle vorstellen.

Alle drei Jahre wird die Überprüfung für die Rezertifizierung noch intensiver wiederholt. Dabei gebe es auch durchaus Kritik. „Das ist nicht unfair, sondern immer an der Sache orientiert und deshalb für uns hilfreich, denn so können wir uns weiter verbessern. Letztlich dient es dem Wohl der Patienten – auch wenn der Aufwand, der dahinter steckt, für sie nicht so offensichtlich ist", sagt Professor Hiller.

Kommentar: "Zentren helfen der Forschung"

von Astrid Sewing

Die Heilungschancen für viele Krebsarten haben sich in den vergangenen 30 Jahren verbessert. Aber noch immer ist es so, dass laut Robert-Koch-Institut jeder vierte Mann und jede fünfte Frau in Deutschland nach einer Krebserkrankung verstirbt. Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es kein Heilmittel.

Die Vorsorge und die möglichst frühe Behandlung sind die wichtigsten Waffen im Kampf gegen die lebensbedrohliche Krankheit. Und da ist ein zertifiziertes Zentrum eine gute Adresse. Klar, auch hier kann etwas schief gehen, sicher ist auch hier nicht, dass der Patient länger lebt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist höher, denn mehrere Experten geben ihre Meinung ab und entscheiden bei der Therapie mit. So ist zumindest sichergestellt, dass es zweite oder dritte Meinungen gibt und spezialisierte Chirurgen operieren.

Für das Klinikum Lippe mag sich die Zertifizierung nicht direkt in barer Münze auszahlen. Ganz sicher ist es aber ein Pfund, mit dem sich werben lässt. Und das ist für die Region wichtig, denn der Wettbewerb unter den Kliniken verschärft sich. Die Patienten informieren sich längst über das Internet und Bewertungsportale und entscheiden danach, wem sie ihr Vertrauen schenken.

Gehen sie in ein Zentrum, hilft das der Wissenschaft, denn die Studien, die dort erstellt werden, helfen dabei, die Behandlungsmethoden zu verbessern. So setzt „Medizin made in Lippe" Standards.

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