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Gute Polizisten müssen Menschen mögen

Detmold. Im Alter von 14 Jahren hat Bernd Stienkemeier die Grundlage für seine spätere Polizeikarriere gelegt - während er als Jugendlicher Flugblätter eines Supermarktes in Löhne verteilte, wurde in unmittelbarer Nachbarschaft eine Bank überfallen. „Die Täter sind mit dem Auto geflüchtet, doch ich konnte mir das Kennzeichen merken", erinnert sich der 57-jährige Polizeidirektor und Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde in Detmold.

Er habe sich bei den Behörden gemeldet und aufgrund seiner Aussage seien die Täter kurze Zeit später verhaftet worden. „Als Belohnung gab es einen Brief und ein Buchgeschenk von der Polizei. Die Bank hat sich bis heute nicht bedankt", fügt der höchste Polizeibeamte Lippes hinzu. Dieses Erlebnis sei im Rückblick das Fundament seiner Karriere, die ihn 2016 als Polizeidirektor an die Spitze der Kreispolizeibehörde geführt hat.

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Vier Antworten
1. Ich bin derzeit sehr zufrieden, weil...
wir in Lippe sehr professionell arbeiten.

2. Gegenwärtig läuft es gut bei uns, weil...
alle an einem Strang ziehen.

3. Für die Zukunft wünsche ich, dass...
wir mehr Personal erhalten.

4. Meine Mittagspause verbringe ich...
im Gemeinschaftsraum mit Kollegen.

Der dreifache Familienvater ist in Löhne aufgewachsen. Sehr beschaulich, alles sehr übersichtlich, geordnet. Sein beruflicher Werdegang sei auch ein „Produkt der Neugierde gewesen", beschreibt er. Nach dem Abi bewirbt er sich bei der Polizei und wird genommen. 1978 beginnt in der Stadt Selm die Ausbildung.

Prägend für den Jungspund und angehenden Polizeibeamten werden seine Stationen in der ehemaligen Hauptstadt Bonn und im Polizeipräsidium Bielefeld samt Mordkommission und Sondereinsatzkommando. „In Bonn war es langweilig. Ich war zum Personen- und Objektschutz abgestellt", sagt Stienkemeier.

Doch in Bielefeld erlebt er die gesamte Palette der „Polizeiarbeit in einer Großstadt" wie er es nennt. Er trifft auf das Milieu eben dieser Großstadt mit einer Bandbreite von Verbrechen. Er erlebt die Konfrontation mit Tätern und Tatorten, mit Opfern. „Das sind Bilder, die man erst einmal verarbeiten musste", erinnert sich Stienkemeier. Sehr belastend sei es gewesen, aber auch eine Zeit hoher Zufriedenheit. „Es hat Spaß gemacht." Er lernt sein Handwerk gründlich. Er lernt, mit Leid und Erwartungen von Angehörigen umzugehen, und versteht, dass der Aufklärungserfolg zu deren Seelenfrieden beitragen kann.

„Man spürt die Verantwortung", sagt er und lässt seinen Blick durch sein 30 Quadratmeter Büro mit der hellbraunen Schrankwand und dem dunkelbraunen Teppichboden wandern. An den Wänden hängen Drucke von Joan Miró, Wassily Kandinsky und Franz Marc: „Die bringen hier etwas Farbe rein." Die Bilder sind neben den Orchideen die einzigen Farbtupfer im Büro. „Mehr brauche ich nicht", fügt er hinzu.

Der 57-Jährige, der gegenwärtig Verantwortung für 450 Mitarbeiter trägt, ist stolz, dass Lippe laut Statistik „der sicherste Kreis in ganz NRW ist" – das soll auch in Zukunft so bleiben. Dafür brauche die Kreispolizeibehörde jedoch mehr Personal. „Ich hoffe, dass bei Einstellungen nicht nur Ballungsräume in NRW berücksichtigt werden", sagt der Polizeidirektor, der sieben Jahre Spezialeinsatzkommandos leitete und die Ausbildung vieler junger Polizisten begleitet hat.

„Wir brauchen keine Rambos, sondern Jugendliche, die sich auch in Ausnahmesituationen Griff haben. Polizisten müssen Menschen mögen – dies ist das Erfolgsgeheimnis." Die Zukunft des Berufes beurteilt er positiv, allerdings werde es nicht einfacher. Die Respektlosigkeit gegenüber Polizisten nehme zu – nicht nur in den Großstädten, sondern auch in Lippe. Um so wichtiger sei es, Präsenz zu zeigen und die Probleme nicht auszublenden.

Und auch wenn die Führungsspitze in Detmold verankert sei, bleibe es bei der dezentralen Struktur, denn die Wachen in Lage, Bad Salzuflen, Lemgo, hätten sich bewährt. „Vor Ort müssen wir auf die Probleme eingehen und die Sorgen auch ernst nehmen", betont Stienkemeier. Der Erfolg bei der Verbrechensaufklärung hänge auch von der Mitarbeit der Bürger ab. „Deren Hinweise sind es, die wir oft wie ein Puzzle zusammensetzen, um einen Fall zu lösen", fügt der 57-Jährige hinzu.

Auch ohne den anfänglichen Karriereplan ist es für Stienkemeier, der bei der Gartenarbeit und beim Zweirad-Ausflug auf seinem Chopper entspannt, bei der Polizei beruflich stetig vorangegangen, Ausbildung und Stationen der praktischen Bewährung wechselten sich ab. „Ich habe das nicht durchexerziert, wohin die Reise geht."

Über verschiedene Führungspositionen mündete sie im vergangenen Jahr in einer Frage, „die man im Leben nur ein Mal gestellt kriegt", wie er kommentiert. Ob er als Polizeidirektor die Führung der lippischen Kreispolizeibehörde übernehme? „Ich habe da nicht lange überlegen müssen", sagt Stienkemeier. Und hier bleibe er auch – bis zur seinem Ruhestand in fünf Jahren.

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