Detmold. Jede Menge internationales Flair beim Auftakt der Detmolder Sommerbühne: Mit dem israelischen Synthezizer-Duo „Zenobia" und der Londoner Multi-Kulti-Band „The Turbans" ist das Musikfestival auf dem Marktplatz furios in seine 30. Saison gestartet. Tags darauf stand ein bunter Mix aus Jazz und elektronischer Musik auf dem Programm, dargeboten von dem regionalen Ensemble „Electric Ulmenwall" und „LBT" aus Bayern. Besonders am Freitag wurde der Marktplatz rund um die große Bühne von einer beeindruckenden Menschenmenge ausgefüllt. Einige Besucher kamen schon deutlich früher als zum eigentlichen Start, um sich die besten Plätze zu sichern. Das Duo „Zenobia" aus Haifa, mit Nasser Halahlih am Synthezizer und Isam Elias am Keyboard, machte den Anfang. Stilecht mit weißen Kufiyas gaben sie auf der Bühne arabische Pop-Melodien gepaart mit rhythmischen und groovigen Elektrosounds zum Besten. „Zenobia" lies auf dem Marktplatz klassische ägyptische Melodien oder etwa den traditionellen syrischen Dabke-Tanz in neuem, modernen Glanz erstrahlen. Es dauerte nicht lang, da strömten auch schon die ersten Zuhörer an den vorderen Rand der Bühne, um ihre Hüften zu den eindrücklichen Klängen zu schwingen. Und diese Tanzfreude der Besucher nahm mit dem folgenden Auftritt von „The Turbans" aus London noch weiter zu. Die sieben Musiker umfassende Gruppe mit Wurzeln im Balkan, der Türkei, Israel, Bulgarien, Spanien und Griechenland bot dem Publikum facettenreiche Weltmusik – lebhaft, spontan und nicht an Genres gebunden. „Unsere Band kommt von vielen verschiedenen Flecken der Erde. Wir wollen mit unserer Musik die Vorzüge der kulturellen Vielfalt in der Welt zum Ausdruck bringen", sagte Gitarrist Oshan Mahony. Mit ihrem authentischen Spiel, inspiriert von Melodien aus dem Nahen und Mittleren Osten, brachten die „Turbans" kurzerhand die Morgenland-Atmosphäre von Tausendundeine Nacht in die Residenzstadt. Vor allem der bulgarische E-Gitarrist Miroslav Morski begeisterte immer wieder mit packenden Riffs. Währenddessen brillierte Maxim Shchedrovitzki mit seiner Oud – einer orientalischen Kurzhalslaute – ganz besonders bei türkischen und armenischen Intonationen: „Wir wissen nicht, auf was für einem Instrument er da spielt und wieso er das so schnell kann, aber es gefällt uns", so Bandkollege Mahony. Während am Freitagabend zwei Bands der internationalen Musikszene auf der Sommerbühne das Publikum unterhielten, gaben am Samstag zwei deutsche Formationen den Ton bei dem Festival an. Zum Start stand das „Electric Ulmenwall"-Kollektiv auf der Bühne. Ein Bielefelder Projekt vom „Bunker Ulmenwall", bei dem bisher mehr als 30 Musiker frei von Genregrenzen ihrer Leidenschaft nachgehen. Für ihre Auftritte stellt sich die Formation immer wieder neu auf. Leon Brames am Schlagzeug, Keyboarder Nils Rabente, Gitarrist Alexander Lipan und Dominik Hummel an der Posaune sowie Elektronik-Bastler Joel Köhn, der seine Band bei Auftritten stets live sampelt, standen in Detmold auf der Bühne. „Electric Ulmenwall" unterhielt das Publikum mit experimentellen Improvisationen, jeder Menge Beats und Bässen. Nicht minder abwechslungsreich ging es zu bei den Darbietungen des „Leo Betzl Trios" (LBT) aus Bayern zu. Bandleader Leo Betzl am Piano, Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug und Maximilian Hirning am Kontrabass spielten spritzigen Jazz, gepaart mit behutsam gewählten elektronischen Einschüben. Der Auftritt der drei Jungs war geprägt von spielerischer Einfühlsamkeit, energiegeladenen Darbietungen und ganz viel Herz bei den Soli. „Früher waren wir mal ein ganz normales Jazz-Piano-Trio. Irgendwann hatten wir Lust auf Techno und haben das Ganze einfach miteinander verbunden", beschrieb Hirning die ungewohnte, aber wohlklingende Kombination. Der tollen Stimmung auf dem Marktplatz nach zu urteilen, hat der Sommerbühnen-Auftakt den Detmoldern großen Spaß gemacht. Weiter geht es unter dem Motto „umsonst & draußen" am kommenden Freitag, 10. August, ab 20.30 Uhr mit „Sea + Air" sowie Sarah Ferri. Am Samstag spielen „Jaune Toujours" und Rosario Smowing.