Detmold. Ursula Bauer traut ihren Augen nicht – sie erhält seit Wochen Bilder und Briefe von ihrem Patenkind aus Myanmar, das eine Hilfsorganisation für die Rentnerin ausgesucht hat. Das Problem: „Ich habe nie eine solche Patenschaft abgeschlossen", betont die 74-Jährige. "Ich wäre fast vom Hocker gefallen" Seit Mai dieses Jahres erhalte sie regelmäßig Briefe von einer Hamburger Hilfsorganisation, die Patenschaften für Kinder aus Entwicklungsländern organisiert. „Erst habe ich die Schreiben einfach in den Papiermüll geschmissen, weil ich von Werbung ausgegangen bin", erinnert sich die Detmolderin. Doch die Briefe hörten einfach nicht auf und dann habe sie den Umschlag geöffnet. „Ich wäre fast vom Hocker gefallen, die wollten knapp 170 Euro und haben mir einfach ein Patenkind aus Asien untergejubelt", schimpft Bauer. Sie habe immer noch an eine Verwechslung geglaubt – doch die Zahlungsaufforderungen hörten einfach nicht auf. Sie habe dort auch nicht angerufen, weil sie gedacht habe, dass die Organisation einen Anruf als Zustimmung interpretiere. Sie bittet um Hilfe. Auf LZ-Anfrage antwortet die Sprecherin der Hilfsorganisation: „Frau Bauer hat sich bei uns im April dieses Jahres über das Internet gemeldet und Interesse an einer Patenschaft bekundet. Sie bekam daraufhin eine Patenkind-Mappe mit einem Vorschlag für ein Kind in Myanmar." Auf den Hinweis, dass Ursula Bauer gar keinen Internetanschluss hat, bittet die Sprecherin um Geduld, um diese Angaben zu überprüfen. Nur 24 Stunden später kommt die Antwort: „Es tut uns leid, dass wir offenbar einer falschen Anmeldung aufgesessen sind und Ursula Bauer sich von unserer Post behelligt fühlte." Die Hilfsorganisation werde sich noch einmal direkt mit Frau Bauer in Verbindung setzen, um sie darüber zu informieren, dass sich offensichtlich jemand anderes mit ihren Daten angemeldet habe. „Und wir werden ihr versichern, dass die für sie reservierte Patenschaft bereits eingestellt wurde, ihr keine Kosten mehr entstehen und sie auch keine weitere Post mehr von uns erhält", erklärt die Sprecherin. Erleichterung bei Ursula Bauer. Sie sei froh, dass der Spuk endlich vorbei sei . „Ich spende gerne, aber ich will selber aussuchen, wem ich das Geld gebe", fügt sie hinzu. Sie habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, die Polizei einzuschalten – dank der LZ sei ihr dies erspart geblieben. Fälle sind der Verbraucherzentrale nicht fremd Fälle wie der von Ursula Bauer sind der NRW-Verbraucherzentrale nicht fremd: „Wer einmal gespendet hat, erhält oft wieder Post. Spendenorganisationen nutzen auch kommerzielle Adresshändler und beziehen Anschriften durch Preisausschreiben oder von Versandhändlern", so die Verbraucherschützer. Mit Hilfe von Angaben zu Alter, Beruf, Geschlecht würden unterschiedliche Zielgruppen vor allem in der Weihnachtszeit zu Spenden aufgerufen und angeschrieben. Auch den Gang zur Polizei sollten Betroffene nicht scheuen, da hinter einigen Anschreiben sogar „betrügerische Absichten" steckten. „Wenn bei uns eine Anzeige erstattet wird, ermitteln wir wegen Betrugs", sagt Polizeisprecher Uwe Bauer.