Detmold. Die Corona-Krise mit ihren Einschränkungen hat nach Auffassung der Detmolder Grünen in der Not auch einige Potenziale und kreative Ideen freigesetzt. Von denen könnte die Stadt auch weiterhin profitieren, zum Beispiel im Bereich von Verwaltung, Handel und Gastronomie. Der Arbeitskreis für Innenstadtmarketing arbeitet bereits daran. Der Marketing-Koordinator der Stadt, Hans Müller-Hisje: „Wir wollen den Schwung aus dem Corona-Shutdown mitnehmen und die Liefer- und Abholservices etablieren." Die Fraktion der Grünen hat ein Konzept erarbeitet, das ebenfalls darauf basiert. Die Grünen finden: „Telefonische oder Onlinebestellungen und ein gemeinsamer Lieferdienst oder Abholservice können die örtlichen Geschäfte gegenüber dem Internet- und Versandhandel konkurrenzfähig machen." Durch die Bündelung von Lieferfahrten werde gleichzeitig Straßenraum entlastet. Beim Einsatz von Fahrradkurieren und Lastenfahrrädern kämen auch im innerstädtischen Bereich alle Vorteile zum Tragen, die das Fahrrad hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz, Stadtverträglichkeit, Gesundheit und Sparsamkeit biete. Lieferangebote sollen bleiben „Seit Jahren sehen wir mit Sorge, wie die örtlichen Anbieter gegen die Konkurrenz des Internethandels ankämpfen", erklärt Grünen-Chef Walter Neuling. „Dem gegenüber propagieren wir seit je regionale Wirtschaftskreisläufe und das Einkaufen vor Ort." Deshalb hoffen die Grünen, dass die Lieferdienste, die während der Coronakrise der Not gehorchend und oft improvisiert geschaffen wurden, für die Zukunft in geplanter und systematischer Form beibehalten und ausgebaut werden: als gemeinsamer Service aller örtlichen Anbieter, was gegenüber zahlreichen Einzelanbietern Aufwand und Kosten sparen könne. Die Stadt Detmold könne und solle dabei eine initiierende und fördernde Rolle übernehmen. Dies gilt für ordnungsrechtliche Fragen, Unterstützung bei der Logistik oder durch die Initiierung einer Werbekampagne, die sich sowohl an die potenziell teilnehmenden Geschäfte als auch an die potenziellen Kunden richtet. „In vielen Großstädten sind Fahrradliefer- und Kurierdienste bereits erfolgreich. Für die Stadt Detmold entsteht die Chance, entsprechende Fördermittel für die erfolgreiche Einführung solcher Servicedienste auch in einer Mittelstadt einzuwerben", so die Grünen. Kunden könnten bequem von zu Hause aus bestellen und sich die Waren liefern lassen und die Vorteile des Bestellhandels mit denen eines örtlichen Lieferanten (Kundendienst, Reparaturservice) verbunden werden. Die Kommune profitiere außerdem davon, dass Umsätze in der Stadt bleiben und damit Gewerbesteuer, Arbeitsplätze und der kommunale Anteil an der Einkommenssteuer. Der Innenstadthandel behalte und steigere seine Attraktivität durch die Ausstattung mit vielfältigen Geschäften. Gleichzeitig werde Detmold durch Verringerung der Verkehrsströme entlastet, wenn Bestellungen zusammengefasst und gemeinsam ausgeliefert würden. 60 bis 70 Pakete täglich Und wie kommt das im Handel an? Liefer- und Abholservices halten Detmolder Buchhandlungen schon seit einiger Zeit vor. Stephan Jaenicke berichtet: „Auch vor Corona haben wir auf Wunsch Bücher geliefert, verschickt natürlich auch. Das waren 5 bis 6 Pakete täglich, in Corona-Zeiten waren es 60 bis 70 täglich, ich war teils bis 23 Uhr unterwegs zum Ausliefern. Wir haben dafür auch eine Aushilfe angestellt." Mittlerweile habe sich das Volumen wieder auf sechs bis zehn Pakete pro Tag eingependelt. Auch künftig werde das Buchgeschäft ausliefern. „Wäre das jedoch ein maßgeblicher Anteil, wäre das nicht durchzuhalten", so Jaenicke. 150 Einzelhändler und 50 Gastronomen hatten in Zeiten des Shutdowns in Detmold Liefer- und Abholservices angeboten. Das Volumen habe sich nun natürlich reduziert, sagt Marketing-Koordinator Hans Müller-Hisje. Aber auch weiterhin wollten viele das Angebot in Maßen aufrecht erhalten. Es werde zudem über eine Art Onlinehandel-Lokal nachgedacht: „Man kann bei Geschäften bis 14 Uhr etwas bestellen und ab 16 Uhr an einer zentralen Sammelstelle abholen", beschreibt er die Idee. Online-Auftritte werden immer wichtiger Hierzu sowie zu dem Grünen-Konzept hatte es jüngst im Fachausschuss für Stadtentwicklung geheißen: Der Neubau vom Parkhaus Lustgarten könne als solcher Ort künftig eine große Rolle spielen. Unabhängig davon würden in einem Arbeitskreis aus Stadt, Gastronomie und Handel die Erfahrungen zusammengebracht und überlegt, wie ein Bringdienst koordiniert werden könnte. „Der Trend ist", so Müller-Hisje, „dass viele das auch weiterhin machen wollen. Und wer im Shutdown keine Online-Angebote oder Homepages vorgehalten hat, hat spätestens zu diesem Zeitpunkt gemerkt, wie wichtig das für die Zukunft ist." Gut gelaufen ist auch das Angebot mit Kisten vom Wochenmarkt, die zu Kunden gebracht worden sind. Dörte Pieper, Leiterin des Fachbereichs Kultur und Tourismus: „Es hat sehr viele Anfragen gegeben. Mittlerweile sind es natürlich sehr viel weniger. Aber es wäre wünschenswert, wenn der Service auch weiter angeboten werden könnte." Natürlich sei der Bringdienst aus der Situation geboren worden, gefährdeten und älteren Menschen in Corona-Zeiten den Gang unter die Leute zu ersparen. Noch werde das Angebot auch aufrecht erhalten. Demnächst wolle die Stadt außerdem eine Kundenumfrage auf dem Wochenmarkt vornehmen und dabei sicherlich auch nach den Serviceangeboten fragen.