Detmold. Es gibt Kinder, die sind nicht einfach, sondern einfach anders: „Wenn man diesem Satz folgt, dann ist schon der erste Schritt zum besseren Verständnis getan“, sagt Diplomsozialpädagogin Birgit Wulfmeyer, Vorsitzende im Verein für Schulpsychologie Detmold. Besseres Verständnis für Kinder, die aus der scheinbar homogenen Masse herausstechen, Überaktive, ADHS-ler - Wulfmeyer, rät dazu, sich die positiven Eigenschaften dieser Kinder als „Türöffner“ vor Augen zu führen: „Meist sind sie gut begabt, richtige ,Stehaufmännchen’, nicht nachtragend und voller Fantasie.“ Nicht ohne Hilfe von außen Überaktive Kinder könnten Eltern und Pädagogen zur Verzweiflung bringen, weiß die Diplomsozialpädagogin. Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität, Bewegungsunruhe und häufig damit verbundene Wahrnehmungsstörungen stellten hohe Anforderungen an das Umfeld des Kindes. Sehr viel Verständnis, sehr viel Geduld und eine besonders durchdachte Erziehung seien nötig, um diesen Kindern dennoch eine halbwegs geglückte Entwicklung zu ermöglichen. Aber: „Oftmals geht es nicht ohne Hilfe von außen.“ Hat mein Kind ADHS? Die Frage stellen sich Eltern, wenn ein Kind über Tische und Bänke geht, keine Grenzen akzeptiert, immer und überall auffälliges Verhalten an den Tag legt: „Die Diagnose eindeutig zu stellen ist schwierig, da sich die ADHS-Symptome von anderen Störungsbildern nur schwer unterscheiden lassen“, beschreibt Schulpsychologe Dr. Josef Hanel, ebenfalls Vorsitzender des Vereins für Schulpsychologie Detmold, in einer Pressemitteilung. Die Grenze zwischen lebhaft und hyperaktiv sei fließend. Insbesondere Bewegungsunruhe, kurze Aufmerksamkeitsspanne, mangelnde Selbstregulation und Desorientiertheit seien für überaktive Kinder typisch. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen geht man laut Hanel davon aus, dass doppelt so viele Jungen von der Problematik betroffen sind wie Mädchen. Etwa drei bis fünf Prozent eines Kinderjahrganges litten unter diesen Symptomen. Hier das stille, übermäßig verträumte, vergessliche und vielleicht auch chaotisch agierende Mädchen mit der „langen Leitung“, dort der laute, hyperaktive, provozierende, motorisch ungeschickte und überall aneckende Junge und umgekehrt. Kinderärzte seien im Rahmen ihres Aufgabengebietes zuständig, wenn Medikamente notwendig würden. Allerdings seien zahlreiche pädagogische oder psychologische Maßnahmen sinnvoll, bevor eine Medikation einsetzen sollte. Aufmerksamkeit trainieren Hanel plädiert für ein Aufmerksamkeitstraining für impulsive und reflexive Kinder nach Lauth und Schlottke, um die Problematik einzugrenzen. Spezialisierte Kinderärzte könnten mit Beratung und Medikamenten (Ritalin, Medikinet etc) helfen. „Nach vorsichtiger Diagnosestellung inklusive einer ausführlichen Entwicklungsanamnese könnte eine Medikation etwa bei 80 % der Patienten helfen“, erklärt er. Der Verein Schulpsychologie Detmold bietet betroffenen Eltern und ebenso pädagogischen Fachkräften in Grundschulen und Kindergärten Informationen und erste Hilfen an bei Problemen, die überaktiven Kinder in Elternhaus und Schule das Leben und Mitlernen in der Schule erschweren. Die Broschüre „Vom Umgang mit dem überaktiven Kind“, die der Verein für Schulpsychologie seinerzeit herausgebracht hat, liegt sowohl im F.I.T. Familien.Info.Treff in der Schülerstraße 35, wie auch im Landeskirchenamt Leopoldstraße 27 und in der Regionalen Schulberatungsstelle in der Hofstraße zur kostenlosen Mitnahme aus. Außerdem erhalten die Kindertagesstätten, die als Familienzentren zertifiziert sind, ein Kontingent der Broschüre.