Detmold. Gleich zwei Detmolder haben beste Erinnerungen an die Ferienfreizeit, die das Jugendamt Detmold als „Stadtranderholung“ vor knapp sechs Jahrzehnten am Donoperteich veranstaltete. Nach Veröffentlichung unserer jüngsten historischen Aufnahme aus dem LZ-Archiv haben sie sich bei der Redaktion gemeldet. Hartmut Woke (63) war Teilnehmer des Zeltlagers, Dietmar Wieldt (75) Betreuer. „Ich gehörte zwischen 1966 und 1969 zum Betreuerteam. Es war für mich eine interessante Tätigkeit neben meinem Studium aufs Lehramt“, berichtet Wieldt, der später in Horn unterrichtet hat. „Als ich das Foto sah, dachte ich: Lang lang ist es her - ziemlich genau 60 Jahre.“ Urlaub bei Verwandten Einer der jungen Teilnehmer war damals Hartmut Woke, der mit seinen Eltern und den drei Schwestern auf der Kussel in Pivitsheide lebte: „Richtigen Urlaub konnte sich unsere Familie nicht leisten. Wir sind öfter zu unseren Verwandten in die DDR gefahren“, erinnert sich der städtische Mitarbeiter. Und einmal habe ihn seine Mutter bei jener Ferienfreizeit angemeldet, zusammen mit seinen beiden Klassenkameradinnen Iris und Elke. Wieldt berichtet, dass der Lagerplatz in der Nähe des Forsthauses, direkt links am Waldrand, gelegen habe. Hinter dem Hauptzelt führte der Weg hinunter zum Hasselbach, der andere Weg hinauf zum Kupferberg. „Aber obwohl es dort ein großes Essenszelt gab und mehrere Biwaks, durften wir dort nur einmal übernachten“, erinnert sich Woke an den Höhepunkt der Ferienfreizeit. Und der ehemalige Betreuer Wieldt weiß, dass das wohl haftungsrechtliche Gründe gehabt habe. Denn ausgebildete Pädagogen waren die meisten im Team nicht: „Ich denke, wer sich beworben hat, wurde auch genommen.“ Die Kinder wurden laut Wieldt morgens an verschiedenen Punkten in Detmold abgeholt und zum Zeltlager gebracht. In den einzelnen Gruppen habe es kleine sportliche Betätigungen, viele Möglichkeiten zu spielen, Wanderungen im Wald oder auch Schnitzeljagden gegeben. „So kamen die Kinder raus aus dem Stadtleben, hatten Abwechslung und den ganzen Tag über Bewegung an der frischen Luft.“ Schwimmen im Teich Daran erinnert sich auch Woke. „Damals konnte man noch um den Donoperteich herumlaufen. Wir waren im Teich schwimmen und sind die Sandberge hinuntergehüpft.“ Er sei damals in der zweiten oder dritten Klasse gewesen und habe auch nur einmal an der Freizeit teilgenommen; danach habe es wohl keine mehr gegeben: „Aber draußen waren wir sowieso immerzu: im Wald oder im Freibad.“ Es sei eben eine andere Zeit gewesen. Die Verpflegung wurde in Detmold gekocht und in Isolierbehältern mit einem VW-Bulli zum Zeltplatz gefahren. Der Fahrer war ein Herr Merten aus Pivitsheide: „Seine Tochter war mit meiner Schwester befreundet. Vielleicht hatte meine Mutter so von der Freizeit erfahren“, vermutet Hartmut Woke. Und auch Dietmar Wieldt hat „Herrn Merten“ in bester Erinnerung: „Er ist immer super mit den Kindern ausgekommen.“ Abschlussfest mit Vorführungen Das Foto, schätzt Wieldt, ist womöglich am letzten Tag der dreiwöchigen „Stadtranderholung“ entstanden: Dann habe es immer ein Abschlussfest gegeben, bei dem jede Gruppe etwas vorführte, wofür sie anstrengend geübt hatte. Das konnten Sketche sein, akrobatische Übungen oder andere Vorführungen.“ Der nächste, und an sich erste „echte“ Urlaub stand für Hartmut Woke übrigens erst Jahre später an: Mit 15 fuhr er mit zwei Freunden zum Zelten nach Wangerooge. Es war eben eine andere Zeit.