<p data-end="716" data-start="262">Detmold. Vor gut gefüllten Reihen der Detmolder Stadthalle steht Nikita Miller auf der Bühne und beginnt sein Programm mit einem Satz, der gleich Nähe schafft: „Ich hatte immer Angst vor meiner eigenen Solo-Show, denn was, wenn keiner kommt?“ Sein Auftritt trägt den Titel „Es war einmal im Nirgendwo“ – ein Name, der an ein Märchen erinnert, doch Miller erzählt keine erfundenen Geschichten, sondern Episoden aus seinem Leben.</p> <p data-end="1151" data-start="748">Der Comedian reflektiert über seine Jugend in einem kleinen deutschen Dorf und über das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen. „Ich weiß gar nicht, was ich bin“, sagt er. Deutschland und Kasachstan seien beide seine Heimatländer, sich auf eine Kultur zu beschränken, unmöglich. Schon auf dem Spielplatz habe er gemerkt, dass er sich seine eigene kulturelle Identität schaffen müsse, um dazuzugehören.</p> <p data-end="1626" data-start="1153">Auch über seine Schulzeit berichtet Miller offen: Auf dem Gymnasium habe er sich fehl am Platz gefühlt – „da fehlten nur noch ein Glas Wein und eine Eule auf der Schulter“, sagt er mit einem Augenzwinkern über die vermeintlich elitäre Atmosphäre. Nach dem Wechsel auf die Realschule sei es zunächst zu vielen Prügeleien gekommen, erzählt er, die ihm den Anschluss erschwerten. Dennoch habe er dort Freunde gefunden, die wie er das Gefühl kannten, nirgendwo hineinzupassen.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Laut, direkt, provokant</h2> <p data-end="2001" data-start="1661">Das Publikum zeigt sich an diesem Donnerstagabend zurückhaltend. Miller versucht, es mit seiner lauten Stimme, ausdrucksstarker Mimik und ausladender Gestik mitzureißen. In seinem Programm spricht er über negative Kommentare, die er regelmäßig erhält. „Dadurch, dass ich viel mit Vorurteilshumor arbeite, gibt es immer eine Gegenbewegung“, sagt er.</p> <p data-end="2278" data-start="2003">Tatsächlich stößt er mit mancher provokanten Pointe an Grenzen – etwa mit der Bemerkung: „Ich wollte zwei Asiaten für mein Laufrad im Keller.“ Einige Zuschauer reagieren darauf verhalten. Doch Miller bleibt seinem Stil treu: schwarzer, oft derber Humor, der bewusst aneckt.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Tabus mit schwarzem Humor</h2> <p data-end="2718" data-start="2315">In weiteren Anekdoten berichtet der Comedian aus seinem Alltag – etwa über seine Schwester und seinen Neffen: „Neulich habe ich meinem Neffen ein Trampolin geschenkt, und dieser undankbare Bastard saß nur im Rollstuhl und hat nichts gemacht.“ Seine Pointen sind oft bitterböse, aber pointiert gesetzt. Millers Humor ist nichts für empfindliche Ohren – doch hinter der Schärfe liegt eine klare Haltung.</p> <p data-end="3050" data-start="2720">So nimmt er auch gesellschaftliche Themen aufs Korn. Die Debatte ums Gendern kommentiert er mit einem Achselzucken: „Wenn Menschen langweilig ist, laufen sie eben im Kreis und gendern.“ Immer wieder streift er aktuelle Diskussionen und gesellschaftliche Spannungen – mit der Ansage, Dinge auszusprechen, „die sonst keiner sagt“.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Ein stilles Ende in den Bergen</h2> <p data-end="3394" data-start="3092">Gegen Ende des Abends wird Miller ruhiger. Er erzählt, dass er nicht mehr in Deutschland lebt, sondern nach Norwegen gezogen ist – gemeinsam mit seiner Frau und seinem Hund. Die Gedanken des Hundes spricht er im sächsischen Dialekt – endlich lacht auch das bis dahin zurückhaltende Publikum herzhaft.</p> <p data-end="3689" data-start="3396">Zum Abschluss verweist Miller auf seinen Roman „Kalasch“, den er augenzwinkernd empfiehlt: „Die KI hat gesagt, es ist genial.“ Danach verabschiedet er sich mit freundlichem Dank, lädt zu Fotos und Autogrammen ein – und bekommt am Ende doch noch das Lachen, das sich jeder Comedian wünscht.</p>