Detmold. Unter dem Titel „Schon rum?!“ hat der Kölner Politkabarettist Thilo Seibel rund 300 Gäste im ausverkauften Sitzungssaal in der Reihe „Kunst im Kreishaus“ mit einem scharfsinnigen Jahresrückblick begeistert. Gestern in Stuttgart – heute in Detmold- sei er mit der Bahn acht Stunden angereist. Heutzutage müsse man ja, egal zu welchem Ort, mindestens acht Stunden mit dem Zug einplanen, kommentierte er die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. Ein Rückblick auf das düstere Jahr 2025, so die ironische Grundthese des Abends, sei „eigentlich etwas für Masochisten“. Das Publikum charakterisierte die Grundstimmung des Jahres mit kollektivem Stöhnen. Bundestagswahl, Regierungsbildung, der Aufstieg autoritärer Tendenzen weltweit, der Krieg in der Ukraine und das nicht enden wollende Trump-Theater – Seibel hatte alles gesammelt, nicht chronologisch sortiert, aber humorvoll aufbereitet. Treffsichere Stimmenimitationen Detmold gelte ja als das „Brasilien Ostwestfalens“, gewann er die Besucher für sich. Zunächst ein Gedicht: „Unser Bundeskanzler war zweite Wahl und versprach ein sofortiges Ende der Ampelqual. Wir werden keine Windräder mehr bauen, den guten alten Verbrenner auftauen und die Förderung von Wärmepumpen abbauen.“ Merz sei der entschlossenste Bundeskanzler seit Olaf Scholz. „Die Wahl fand am 23. Februar nach Aschermittwoch statt- da ist Alkohol im Spiel gewesen.“ Als christliche Partei schütze die Union Menschen, die versagt haben und in Not geraten sind. Daher sei Jens Spahn Fraktionschef geworden. Der „Orangefarbene mit dem gelb gefärbten Frettchen auf dem Kopf“ im Weißen Haus und sein Vizepräsident „JD“ Vance bekamen ebenso ihr Fett weg. Vance sehe immer aus wie ein geschminkter Fernsehprediger, in dessen Gesicht ein Kajalstift explodiert sei. Mit ihrem besten Kumpel, dem russischen Folterknecht Putin, hätten sie das Weltproblem erkannt. Nicht Krieg, Hunger, Unterdrückung oder Folter seien Probleme der Menschheit, sondern die Demokratie mit ihrer Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Das müsse weg, damit es den Menschen beziehungsweise den nazistischen Raffzähnen besser gehe. Die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA ziele darauf, Europa durch rechte Parteien wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Daher sympathisieren Trump und Putin mit der AfD. Mit großer Spielfreude, präziser Mimik und treffsicheren Stimmenimitationen schlüpfte Seibel in der „Lanz-Runde“ in Rollen politischer Akteure. In der fiktiven Talkshow diskutierten Winfried Kretschmann, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder über Wirtschaft, Umwelt und Werte – stets hart am Rande der Zuversicht.