Kaiserhof-Kino schließt im März

Weiterer Betrieb lohnt sich wegen hoher Investitionen nicht mehr

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Kaiserhof-Kino schließt - © Detmold
Kaiserhof-Kino schließt (© Detmold)

Detmold. Das Kino "Kaiserhof" am Detmolder Bahnhof wird Ende März schließen. Für Inhaber Robert Henckel (74) lohnen notwendige Investitionen nicht mehr. Eine Nachfolge ist nicht in Sicht.

Ein wenig schwer geht es dem Kinomacher Henckel über die Lippen, wenn er erklärt: "Der letzte Film im ,Kaiserhof’ wird ,Big Mama’s House’ sein." Eine 08/15-US-Komödie. Popcornkino, das so schnell wieder vergessen ist wie eine Kaugummiblase zerplatzt. Dabei hätte es einen würdigeren Abgang verdient, das kleine Kino mit seinen 120 Sitzplätzen, das 1953 seinen Betrieb aufnahm. Im gleichen Jahr begann Robert Henckel dort als Lehrling. Rund 58 Jahre Kino, ein Leben für den Film, da fällt der letzte Vorhang schwer.

Robert Henckel (74) hat Anfang der 50er Jahre im "Kaiserhof" als Lehrling angefangen und macht das Kino bis heute. Er wirft jedoch das Handtuch, weil er zu viel in neue Technik investieren müsste. - ©
Robert Henckel (74) hat Anfang der 50er Jahre im "Kaiserhof" als Lehrling angefangen und macht das Kino bis heute. Er wirft jedoch das Handtuch, weil er zu viel in neue Technik investieren müsste. (© Foto: Preuss)

"Früher", beschreibt Henckel, "liefen alle großen Filme im ,Kaiserhof". Plakatmaler pinselten die Werbung von Hand. Wer am Bahnhof ankam, konnte schon von Weitem sehen, was auf dem Programm stand. "Eigentlich", sagt Henckel, "lief es bis zuletzt sehr gut." 2010 knickte das Geschäft jedoch massiv ein. Wer neue Filme zeigen wolle, der müsse auf Digitaltechnik umrüsten. "Für mich würde das heißen", so der Kinomacher, "100.000 Euro oder mehr zu investieren.

Das ist nicht mehr wirtschaftlich. Auf der anderen Seite ist es sehr teuer, Zelluloidware zu zeigen – und wegen der veralteten Technik kommen die Filme zu spät nach Detmold. Da hat sie jeder dann schon gesehen oder als Raubkopie in der Schublade", sagt Henckel. Ein Teufelskreis - und kein Wunder, dass derzeit ein altes Kino nach dem anderen schließe.

Es sei stets sein Ziel gewesen, sagt Henckel, gehaltvolle Filme zu zeigen. "Grüne Tomaten" und "Club der Toten Dichter", nennt er zwei seiner Lieblinge. Auch neue deutsche Produktionen wie "Goethe!" oder "Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika" - Filme, so Henckel, "die allerdings kein Mensch sehen wollte. Aber bei den Buddenbrooks kamen immerhin noch welche ins Kino." Sehr, sehr schwer sei ihm der Entschluss gefallen, den "Kaiserhof" aufzugeben. Noch hoffe er, dass sich eine Nachfolge finde. "Eine Anzeige habe ich geschaltet", erklärt Henckel, klingt aber fatalistisch, wenn er das sagt. Denn wer wolle schon ein Kino in Detmold übernehmen, das sich innerhalb kurzer Frist einem modernen Multiplex gegenüber sehe?

Für das Kino am Hasselter Platz liegen derzeit alle nötigen Gutachten vor - Grundstücks- und Kaufverträge ebenfalls, wie es zuletzt von der Verwaltung im Ausschuss für Stadtentwicklung hieß. Noch im Frühjahr soll der Bebauungsplan offen gelegt und parallel dazu das Projekt ausgeschrieben werden.

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