Journalistin Suzanne Bohn referiert vor Deutsch-Französischer Gesellschaft

Eine andere Art des Feminismus

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Erklärt Sichtweisen: Suzanne Bohn. - © Foto: privat
Erklärt Sichtweisen: Suzanne Bohn. (© Foto: privat)

Detmold. "Französinnen sind auf eine ganz andere Weise emanzipiert als deutsche Frauen", hat Suzanne Bohn, literarische Übersetzerin und Kulturjournalistin, in einem Vortrag zum französischen Feminismus ausgeführt. Die Referentin überraschte die zahlreichen Zuhörer auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) mit ihrer Sichtweise.

"Französische Frauen wollen nicht ,Mann‘ sein, sie zählen auf ihre erotische Ausstrahlung und meinen, auf diese Weise ihre Macht ausüben zu können", so Bohn. Beispielsweise habe es vor der französischen Revolution zahlreiche einflussreiche Kurtisanen und Maitressen am Hof gegeben, wohingegen die Gemahlinnen der Könige weniger bekannt gewesen seien.

Noch heute existiere dieses etwas frivole Miteinander von Frau und Mann. So sei auch keine Französin beleidigt, wenn ein Mann hinter ihr herpfeife, schreibt die DFG in einer Pressemitteilung. "Feminismus bedeutet in Frankreich das Gegenteil von Weiblichkeit und gilt dort vielerorts als Schimpfwort", referiert die Kulturjournalistin. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die in Frankreich durch Ganztagseinrichtungen gesichert sei, hat nach Ansicht von Bohn nichts mit Emanzipations- oder Selbstverwirklichungsbestrebungen zu tun.

Das staatliche Schulsystem sei von den Sozialisten ausgebaut worden, um den Familien der weniger privilegierten Schichten die doppelte Berufstätigkeit zu ermöglichen. "Ich hatte eine völlig andere Vorstellung vom französischen Feminismus, bevor ich Bohn kennenlernte," so DFG-Chefin Andrea Langhans.

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