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Detmold

Jörg Kalkreuter erläutert Gründe für Baumfällungen

"Bäume erhalten, solange es geht" - © Detmold
"Bäume erhalten, solange es geht" (© Detmold)

Detmold-Hiddesen. Exakt 14.003 Bäume besitzt die Stadt Detmold, und es kommt vor, dass davon einer gefällt werden muss. Das wird immer kritisch beäugt. Deshalb ist das "grüne Team" der Stadt jetzt in die Offensive gegangen.

Jörg Kalkreuter ist geprüfter Fachagrarwirt für Baumpflege bei der Stadt Detmold. Gemeinsam mit seinen Kollegen und Johann Bergmann, Leiter der städtischen Betriebe, und einigen Bürgern steht er im Schatten einer alten Rosskastanie an der Friedrich-Ebert-Straße in Hiddesen, Höhe Augustinum. In der Nachbarschaft wohnt Jutta von Spreckelsen, die mit einem hörbaren Seufzer der Traurigkeit an dem Baum empor blickt. Denn in dieser Woche naht für ihn das Ende durch die Motorsäge.

Ein Experte seines Fachs: Jörg Kalkreuter (links) erklärt die Krankheit der Kastanie. Unter anderem hören ihm Jutta von Spreckelsen, Margret Berchter und Alexander Pusch (rechts) zu. - © Foto: Engelhardt
Ein Experte seines Fachs: Jörg Kalkreuter (links) erklärt die Krankheit der Kastanie. Unter anderem hören ihm Jutta von Spreckelsen, Margret Berchter und Alexander Pusch (rechts) zu. (© Foto: Engelhardt)

Müssen städtische Bäume geschlagen werden, hagelt es oft Kritik. Den Vorwurf an die Stadt formuliert Kalkreuter: "Es heißt, die Bäume fallen ohne Sinn und Verstand, weil wir Räume schaffen wollen. Aber so ist das nicht", sagt er. Um das Gegenteil zu zeigen, die vielfältige Baumpflege, sind sie hier in Hiddesen, an der schwer kranken Rosskastanie, und erklären. Mit Stellwänden, mit Holzstücken, mit ihren Geräten und mit Kalkreuters unerschöpflichem Baumwissen.

Das Bakterium Pseudomonas syringae hat die Kastanien-Rinde befallen. Sie ist aufgerissen, Holz zersetzende Pilze haben den Baum angegriffen, das Holz wird spröde und kann bei Sturm brechen. In der Kastanie sind schon Seile verspannt, um das zu verhindern. Doch jetzt ist ein Stadium erreicht, in dem der Baum aus Sicherheitsgründen fallen müsse, sagt Kalkreuter. Ultima ratio.

Die 2002 erstmals beschriebene aggressive Bakterienkrankheit breitet sich in Mitteleuropa aus. 30 der 183 städtischen Rosskastanien sind betroffen, Heilungsmöglichkeiten gibt es nicht. Aber nicht alle Bäume müssen weg. "Solange keine deutlichen und schweren Krankheitssymptome auftreten, bleiben sie im jährlichen Kontroll- und Pflegerhythmus", sagt der Baumkundler Kalkreuter.

Man versuche, die städtischen Bäume solange es geht zu erhalten – mit hohem Aufwand, ergänzt Johann Bergmann. Das Ziel: Sie sollten verkehrssicher, gesund und schön sein.

Im Grünen Team von Reiner Heidenreich arbeiten fünf Mitarbeiter für die Bäume, ein Kontrolltag kostet rund 1.000 Euro, und alle 14.003 Bäume der Stadt würden einmal pro Jahr geprüft, sagt Kalkreuter. Zu 186, die schon auffällige Schäden haben, kommt der "Baumdoktor" zweimal pro Jahr. Alles, was er feststellt, wird im digitalen Baumkataster hinterlegt.

Dennoch bleibt ein Seufzer des Mitgefühls mit dem Baum in Hiddesen. Im Spätherbst soll an geeigneter Stelle ein neuer zum Ersatz gepflanzt werden.

"Bäume erhalten, solange es geht"
von Johann Bergmann
Klagende Worte:  Ein Unbekannter hat die Baumstümpfe von fünf Eichen, die an der Blomberger Straße gegenüber dem Ehrenfriedhof gefällt worden sind, mit kritischen Worten beschriftet. "Hier wurde ein Naturdenkmal – gesund, über fünf Meter Umfang – gefällt. Marktwert: Etliche 1.000 Euro, Wert für Natur und Mensch: Unschätzbar" steht dort zum Beispiel zu lesen.

Nach Angaben des Landesverbands Lippe, Eigentümer der Fläche, war die Aktion jedoch nötig. Hans-Ulrich Braun, Leiter der Forstabteilung, erklärte auf Nachfrage der LZ, dass die fünf Eichen morsch und somit verkehrsgefährdend gewesen seien. Das sei nach einer der regelmäßigen Kontrollen im Hinblick auf die Sicherheit von Anwohnern und der Verkehrsteilnehmer festgestellt worden.

Außerdem hätten die Eichen, die in diesem Gebiet stehen, im Krieg Geschosse abbekommen, die noch heute in ihren Stämmen zu finden sind und den Prozess des Absterbens beschleunigten, erklärte Braun. Der Rest des Waldstücks an der Blomberger Straße solle aus Naturschutzgründen nach Möglichkeit aber erhalten bleiben, ließ der Leiter der Landesverbandsforsten wissen.

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