Der Humfelder Wolfgang Busse bietet auch "Freiflieger Anton" aus Bayern ein neues Zuhause

99 Papageien leben im Paradies

Von Sylvia Frevert

Dörentruper bietet

Papageien ein Heim - © Dörentrup
Dörentruper bietet Papageien ein Heim (© Dörentrup)

Dörentrup-Humfeld. Wolfgang Busse hat ein ganz großes Herz für Tiere, vor allem für Papageien. 99 von ihnen haben in dem "Paradies", das der Dörentruper vor fünf Jahren geschaffen hat, eine neue Heimat gefunden.

1,5 Tonnen Bananen und vier Zentner Nüsse pro Jahr, dazu kistenweise Äpfel, Weintrauben, Birnen, Mandarinen, Papayas. Wenn der Kühlschrank geöffnet wird, duftet es nach Orangen. Stapelweise frisches Obst ist ständig vorrätig. So sieht das Paradies aus, oder? Richtig. Die Papageien von Wolfgang Busse aus Humfeld leben im Paradies, im "Papageienparadies Busse".

"Seit fünf Jahren steht unsere Halle für die Papageien", freut sich Wolfgang Busse und öffnet die Tür zum 500 Quadratmeter großen, klimatisierten Papageienhaus. Hier leben im überdachten, üppig bewachsenen früheren Hausgarten 99 Papageien. Gleich beim Eintritt wird der Besucher an der Sicherheitsschleuse begrüßt. Ein Blick nach oben … "Schau mir in die Augen Kleines", scheint der riesige rote Ara zu fordern, während er mit Schnabel und Krallen über das Drahtdach turnt, das dafür sorgt, dass die Schützlinge von Wolfgang Busse nicht zum Freiflug durch Humfeld ansetzen.

Wolfgang Busse und seine Papageien. - © Foto: Frevert
Wolfgang Busse und seine Papageien. (© Foto: Frevert)

Freiflug - das ist gleich das Thema einer der vielen, vielen Geschichten, die "Papageien-Vater" Busse über seine Tiere, die fast ausnahmslos als Abgabe-Tiere zu ihm kamen, erzählen kann. Busse: "Ich erhielt einen Anruf von einer Dame aus Bayern, die sehr traurig war, weil sie ihren Papagei ‚Anton‘ abgeben musste." Mit 99 Tieren plus "Rentnerbank" für die Vögel, die aufgrund ihres Alters oder einer Krankheit nicht mehr in der Halle ihre Kreise ziehen können, war das Papageienparadies eigentlich voll.

Die Dame ließ aber nicht locker und erklärte Wolfgang Busse, dass ihr "Anton" ein Freiflieger sei, der nur abends ein Dach über dem Kopf bräuchte. Angeblich flöge er nach dem gemeinsamen Frühstück frei durch das kleine Dorf und kehre erst zum Abendessen zurück. "Ich habe so was noch nie gehört und natürlich nicht geglaubt. So rief ich bei der örtlichen Polizei dort an", sagt Busse und muss lachen, wenn er sich an das erinnert, was er dort erfuhr.

Die Geschichte der Dame war absolut wahr - "aber sie hatte jetzt ein Problem", sagt Busse. Ihr Papagei hatte, als er beim Freiflug auf der Schulter eines ortfremden Radfahrers landete, diesen so erschreckt, dass er gestürzt war. Nach dem zweiten Vorfall dieser Art erhielt der Papagei polizeilich angeordneten Hausarrest. Das wollte die Besitzerin ihrem "Freigeist" aber nicht zumuten und so landete "Anton" doch bei Wolfgang Busse.

Eine weitere Geschichte und eine echte "Love Story" ist das Schicksal der beiden größten Vögel im "Papageien-Paradies" Busse. Von einem Lemgoer Zahnarzt erhielt Wolfgang Busse zwei Hyazinth-Aras, riesige blaue Vögel, ein Pärchen. Charly und Lady waren unzertrennlich, bis Lady im Dezember 2008 - mit 50 Jahren bereits betagt - einen Herzinfarkt erlitt und verstarb. "Da wollte Charly gleich hinterher gehen", sagt Wolfgang Busse. Der Ara fraß nicht mehr und zeigte typische Zeichen einer Depression.

Mit dem Wohnmobil fuhren Wolfgang und Monika Busse zur Tierklinik nach Hamburg. "Wir haben zwei Wochen vor der Klinik campiert, um Charly ein Stück zu Hause zwischen den Behandlungen zu geben", so Wolfgang Busse. Charly konnte mit Anti-Depressiva und Spezialfutter gerettet werden. Und wie bei einer echten "Love Story" gibt es auch hier ein Happy-End. In Artgenossin Lora, die ebenfalls vereinsamt war, fand Charly eine neue Liebe.

"Irgendwann schreibe ich mal ein Buch über das, was ich mit den Tieren erlebt habe", sagt Wolfgang Busse. Anton und Coco und Charly und Chaco und Lora - sie liefern jeden Tag neue Geschichten.  
Weitere Informationen gibt es unter www.papageienparadies-busse.de im Internet.

Wissenswertes über Papageien

Papageien sind vermutlich die intelligentesten Tiere überhaupt. Sie können nicht nur die menschliche Stimme nachahmen - besonders begabt darin ist der Graupapagei -, sondern lernen auch die Bedeutung einzelner Wörter und können sie zu sinnvollen Sätzen verknüpfen sowie Gegenstände nach Farben sortieren oder Werkzeuge benutzen.

Berühmte Papageien-Besitzer waren der englische König Heinrich VIII. und Winston Churchill. Letzterer war bekannt als großer Tierfreund und hielt mehrere Jahre lang einen Graupapagei namens "Polly". Der ihm zugeschriebene, angeblich mehr als 100 Jahre alt gewordene "Fuck the Nazis" und "Fuck Hitler" schimpfende Papagei "Charly" ist aber wohl nur eines: eine (Zeitungs)Ente. (sf)

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