Chefarzt der Oberbergklinik gibt Tipps zum Umgang mit Suchtkranken

Tobias Schneider

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Angehörige von Erkrankten entwickeln oft eine Co-Abhängigkeit. - © Symbolbild
Angehörige von Erkrankten entwickeln oft eine Co-Abhängigkeit. (© Symbolbild)

Extertal-Laßbruch. Den aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung nimmt der Extertaler Fachmann Christoph Middendorf zum Anlass, die Angehörigen von Suchtkranken in den Blick zu nehmen. Er beleuchtet ihre Situation und gibt Ratschläge, wie sie sich verhalten sollten.

„Wenn ein Mensch suchtkrank wird, leiden Angehörige und insbesondere Partner oft noch stärker als der Betroffene", erklärt der Chefarzt der Oberbergklinik Weserbergland Laßbruch in einer Pressemitteilung. Die Verhaltensmuster seien dabei häufig die gleichen: Um die Beziehung oder Familie zu schützen, deckt der gesunde Partner den kranken, entschuldigt ihn und übernimmt seine Aufgaben. Gleichzeitig entwickelt er einen zunehmenden Kontrollzwang und versucht – etwa durch das Verstecken des Suchtmittels – das Suchtverhalten des Betroffenen zu beeinflussen. „Zwar ist ein solches Verhalten menschlich verständlich", sagt Middendorf, „doch bleibt es in der Regel erfolglos und führt zu Frustration, Ärger und psychischer Belastung. Der Partner fühlt sich für die Abhängigkeit mitverantwortlich, schämt sich und vernachlässigt sein eigenes Leben. Er ist von der Sucht des anderen komplett eingenommen. Diesen Zustand nennt man Co-Abhängigkeit."

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Laut Bundesministerium für Gesundheit sind in Deutschland mehr als 1,8 Millionen Menschen alkoholabhängig, etwa 600.000 sind süchtig nach illegalen Drogen. Hinzu kommen etwa 2,3 Millionen Medikamentenabhängige. Allein die volkswirtschaftlichen Kosten durch Alkohol belaufen sich den Angaben nach auf 26,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Wie also reagieren, wenn die wichtigste Person im Leben plötzlich suchtkrank ist? „Botschaften à la ‚Du trinkst zu viel!’ sollte der gesunde Partner versuchen zu vermeiden", sagt Middendorf. Besser sei es, dem Betroffenen einen Spiegel vorzuhalten: „Mit Fragen und Hinweisen wie ‚Meinst du nicht auch, dass du zu viel trinkst?’ oder ‚Könnte es sein, dass du ein Problem hast?’, bringt man den Betroffenen in eine Position, in der er die Angelegenheit von sich aus thematisieren kann." Wichtig sei es außerdem, dem Partner klare Konsequenzen aufzuzeigen: „Der Betroffene muss zur Einsicht gelangen, dass es so nicht weitergehen kann." Zudem sei es wichtig, das eigene Leben nicht zu vernachlässigen.

Sollten Angehörige trotz aller Ratschläge das Gefühl haben, nicht alleine mit der Situation fertig zu werden, finden auch sie professionelle Hilfe. Christoph Middendorf: „Sich an Angehörigengruppen oder Suchtberatungsstellen zu wenden, kann nie der falsche Weg sein."

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