Die Landeseisenbahn Lippe bekommt den "Deutschen Mobilitätspreis"

Jens Rademacher

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So könnte es aussehen: Die Grafik zeigt, wie sich zwei Einschienen-Taxis begegnen. Die Idee für die eingleisige Bahnstrecke in Bega- und Extertal hat Thorsten Försterling für die Landeseisenbahn Lippe entwickelt. - © Grafik: Ilja Nowodworski
So könnte es aussehen: Die Grafik zeigt, wie sich zwei Einschienen-Taxis begegnen. Die Idee für die eingleisige Bahnstrecke in Bega- und Extertal hat Thorsten Försterling für die Landeseisenbahn Lippe entwickelt. (© Grafik: Ilja Nowodworski)

Extertal/Berlin. Erneute Auszeichnung für die Landeseisenbahn Lippe (LEL): Der Museumsbahn-Verein hat mit einer ungewöhnlichen Idee den „Deutschen Mobilitätspreis" gewonnen. Mit dem Vorschlag, auf der Museums-Bahnstrecke zwischen Lemgo und Extertal in Nordlippe Taxi-ähnliche Fahrzeuge auf nur einer Schiene fahren zu lassen, landete der Verein auf Platz eins des bundesweiten Wettbewerbs.

Persönlich ausgezeichnet wurde Vereinsmitglied Thorsten Försterling. Der Detmolder hatte die Idee für die „Monocabs" auf dem Schienenstrang, mit dem sich die Landeseisenbahn an dem Wettbewerb für den Nahverkehr der Zukunft beteiligte. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ehrte die Preisträger am Mittwoch in Berlin. Etwa 170 Bewerber hatten sich nach Angaben der Landeseisenbahn an dem Wettbewerb beteiligt. Dessen Motto lautet „Digital gedacht: Ihre Vision für den Nahverkehr". Organisatoren sind die Initiative „Deutschland – Land der Ideen", das Bundesverkehrsministerium und mehrere Unternehmen, unter ihnen die Deutsche Bahn und die Telekom. Die Auswahl der Preisträger hatte laut Mitteilung eine Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik getroffen. Die LEL erhält 3000 Euro.

LEL-Projektkoordinator Jochen Brunsiek, der den Preis mit Ideengeber Försterling entgegennahm, sah die Auszeichnung mit Blick auf die Museumsbahner als „Nachweis unserer Kreativität". Sich mit historischer Bahntechnik und zugleich mit Zukunftsfragen des Nahverkehrs zu befassen, sei kein Widerspruch. Brunsiek betonte, bei den „Einschienen-Monocabs" handle es sich um eine „Vision". Försterling und die LEL hatten bereits vor zwei Jahren den Kulturförderpreis der deutschen Wirtschaft bekommen.

Landeseisenbahn Lippe hofft auf weitere Forschung

Taxi-ähnliche Fahrzeuge, die auf nur einer einzigen Bahnschiene fahren und nicht umkippen? Das sei kein Hirngespinst, betont Jochen Brunsiek, Projektkoordinator der Landeseisenbahn Lippe, kurz LEL. Dass die „Vision" für die historische Bahnstrecke von Lemgo über Dörentrup und Barntrup nach Extertal nichts mit Science-Fiction zu tun hat, zeigt die Auszeichnung, die die Landeseisenbahn dafür am Mittwoch bekommen hat: den Deutschen Mobilitätspreis.

Mit dem ungewöhnlichen Projekt für die alte Bahnstrecke hatte sich der Extertaler Verein für den Wettbewerb beworben, dessen Schirmherr Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist. Unter 
170 Teilnehmern landete die Landeseisenbahn auf Platz eins. Die Preisträger, so der Minister laut Mitteilung, „sorgen mit ihren Ideen für Verbesserungen, die sofort wirken – indem sie die Chancen der Digitalisierung nutzen, um uneingeschränkte Mobilität zu ermöglichen".

Die Idee für die Bahnstrecke durch Bega- und Extertal kommt vom Detmolder Vereinsmitglied Thorsten Försterling. Der kreative Kopf hat bereits den Anstoß zu Projekten wie „Smart Railway" und das rollende Jugendzentrum geliefert. Für Letzteres erhielten er und die Museumsbahner vor zwei Jahren den Kulturförderpreis der deutschen Wirtschaft.

Nun hat er sich dem 
27 Kilometer langen Schienenstrang gewidmet, auf dem 1980 die letzten regulären Züge der Deutschen Bundesbahn fuhren und die derzeit der Verein mit seinen 200 Mitgliedern und 30 ehrenamtlich Aktiven in Ordnung hält und befährt. Darauf sollen fahrerlose „Monocabs" wie bei einem Paternoster in ständigem Umlauf unterwegs sein. Fahrgäste könnten dann wie bei einem Taxi ihr schienengebundenes „Cab" per App für die individuelle Fahrt ins Dorf oder in die Stadt buchen, heißt es in der Projektbeschreibung.

Besonderheit: Försterling will Begegnungsverkehr auf der eingleisigen Strecke möglich machen, indem er Schienenfahrzeuge entwickelt, die auf nur einem Gleis fahren und trotzdem nicht umkippen. „Das Prinzip ist vom Kreisel als Kinderspielzeug bekannt. Es kommt zum Beispiel in Segways zum Einsatz", erläutert Brunsiek die Idee der digital gesteuerten Einschienenbahn, auf der Cabs von Station zu Station fahren.

„Eine Vision", nennt Brunsiek die Idee. Für Försterling könnte solch ein Projekt ländliche Räume wie Nordlippe für Menschen attraktiver machen, die nicht täglich das Auto nutzen wollen. „Daher die Idee, ein neuartiges Verkehrsmittel zu konstruieren, das individuell ist und zugleich eine Bahn", erläutert der Ideengeber

Die Projektskizze könnte nun weiter erforscht werden, sofern jemand daran Interesse habe, sagt Brunsiek. „Es wäre toll, wenn das die Hochschule OWL wäre."
Grundsätzlich wolle der Verein zeigen, wie sich die vorhandene und betriebsbereite Bahnstrecke „für ein innovatives Verkehrsprojekt" nutzen lassen könne. Zwar sei das 
„Monocabs"-Projekt deutlich anders gelagert als die anderen Vereinsaktivitäten, etwa die Restaurierung der Dampflok „Lipperland" – aber die Extertaler Museumsbahner wollen die neue Idee und den Museumsbetrieb unter einen Hut bringen. Denn: „Unser Ziel ist es nach wie vor, auf der Strecke wieder Personenverkehr mit Zügen zu haben", sagt Brunsiek.

Durch den erneuten Gewinn eines bedeutenden bundesweiten Wettbewerbs spüren die Museumsbahner Rückenwind. Wobei Brunsiek die neuen Kontakte durch die Auszeichnung höher bewertet als das vergleichsweise bescheidene Preisgeld von 3000 Euro.

Die anderen Preisträger

Mit dem Deutschen Mobilitätspreis sind auch noch zwei weitere eingereichte Ideen ausgezeichnet worden. Auf dem zweiten Platz landete das Projekt „Freeze – den Nachtbus kurz stoppen" von Moritz Wühr aus Berlin. Platz drei belegt Barbara Schlindwein aus Neufarn mit der Idee „Mobile Footprint – Bonussystem für umweltbewusste Mobilität".

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