Neuapostolische Kirche will für Jesus Christus begeistern

Guntmar Wolff

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Haben einiges zu besprechen: Peter Johanning (links), Pressesprecher der Neuapostolischen Kirche, und Kurt Messmann, Leiter des Kirchenbezirks Detmold. - © Guntmar Wolff
Haben einiges zu besprechen: Peter Johanning (links), Pressesprecher der Neuapostolischen Kirche, und Kurt Messmann, Leiter des Kirchenbezirks Detmold. (© Guntmar Wolff)

Horn-Bad Meinberg. Das Oberhaupt der Neuapostolischen Kirche (NAK), Stammapostel Jean-Luc Schneider, besucht Anfang Juli Horn-Bad Meinberg, um im Kurhaus einen Gottesdienst zu halten, an dem mehr als 40.000 Mitglieder per Übertragung teilnehmen werden. Peter Johanning (61), hauptberuflicher Pressesprecher der Kirche, verrät vorab, was dabei zu erwarten ist.

Herr Johanning, warum gerade Horn Bad-Meinberg?

Peter Johanning: Der Stammapostel wählt den Ort nicht selber, das liegt in den Händen des jeweiligen Präsidenten der Landeskirche. Ich finde, dass wir hier ein fantastisches Kurhaus haben, das viel Ausstrahlung hat; aus meiner Sicht ein perfekter Ort für einen Gottesdienst für Entschlafene, der dreimal jährlich stattfindet.

Nun steht die NAK mit ihrem Gedenken an die Entschlafenen ja ein wenig alleine da...

Johanning: Ganz so ist das nicht. Vor allem mit den orthodoxen Kirchen haben wir in dieser Hinsicht sehr viele Gemeinsamkeiten. Auch diese Gemeinschaften haben ein sehr enges Verhältnis zwischen Diesseits und Jenseits.

Wohin wird der Gottesdienst übertragen?

Johanning: In die Kirchengemeinden der Landeskirche Westdeutschland. Dazu gehören große Teile Nordrhein-Westfalens, Teile des nordwestlichen Niedersachsens, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Damit werden knapp 40.000 Menschen am Gottesdienst teilnehmen.

Man hört, dass immer mehr Kirchen geschlossen werden: Wie sieht es mit Ihrer Glaubensgemeinschaft in Lippe aus?

Johanning: Man kann nie ausschließen, dass Gemeinden geschlossen werden. Wir unterliegen, wie andere Kirchen auch, dem demografischen Wandel. Wie die Zukunft in Lippe aussieht, haben wir bis zum Jahr 2030 festgelegt. Bis dahin werden wahrscheinlich keine weiteren Gemeinden geschlossen.

Wie hat sich die Kirche in den vergangenen Jahren verändert?

Johanning: Die Kirche hat sich gesellschaftlich verändert. Das jüngere Publikum ist schwerer in den Gottesdienst hineinzuführen. Diese Entwicklungen finden leider statt. Wenn wir es global betrachten, überholen uns in dieser Beziehung die Gesellschaften in Afrika.

Inwiefern?

Johanning: Dreiviertel unserer Mitglieder wohnen auf dem afrikanischen Kontinent.

Und womit genau hängt das zusammen?

Johanning: Dort gibt es größere Familien mit mehr Kindern. Aus diesem Grund wird dort auch mehr getauft. Gleichzeitig denken die Menschen dort „ursprünglicher"; sie haben einfach „Lust auf Gott".

Und in Europa?

Johanning: Hier bei uns und gerade im westlichen Europa sind wir über die Jahrzehnte satt geworden. Und dieses „Sattsein" ist der größte Glaubensfeind; nach dem Motto: Ich bin satt, also hör ich auf zu essen.

Übernehmen bald auch Frauen in Ihrer Kirche Ämter?

Johanning: Davon ist stark auszugehen. Wir sind allerdings eine Weltkirche. Da zum Beispiel in Russland, Asien und Afrika die Genderdiskussion noch anders geführt wird als hier bei uns in Europa, wollen wir zwar eine Vielfalt in Einheit, aber die Einheit muss auch gewährleistet sein.

Wie begegnen Sie der Kritik, dass sich die NAK Außenstehenden gegenüber verschließt?

Johanning: Wir sind viel offener als viele Menschen denken, die noch das Bild einer verschlossenen Gemeinschaft vor sich haben, was wir sicherlich auch früher waren. Heute ist es so, dass unsere Gottesdienste allen offen stehen. Wir missionieren nicht, sondern wir wollen für Jesus Christus begeistern.

Information

Gemeinschaft


Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine internationale christliche Glaubensgemeinschaft, der neun Millionen Menschen angehören. In Deutschland ist sie die drittgrößte Glaubensgemeinschaft. Der Bezirk Detmold zählt knapp 2000 Mitglieder in acht Gemeinden. Bezirksleiter Kurt Meßmann wird von 74 Diakonen und priesterlichen Amtsträgern unterstützt.

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