Horn-Bad Meinberg/Billerbeck. Post von der Stadt bekamen Ellen Siegismund-Kuhlmann und ihr Mann. Es ging um die Pflege der Grabstätte der Eltern von Ulrich Kuhlmann. Inhalt: Die Grabstätte müsse dringend gärtnerisch hergerichtet werden. Ellen Siegismund-Kuhlmann war so erstaunt darüber, dass sie erst mal zum Friedhof radelte und nachschaute, ob mit dem Beet irgendetwas passiert war. Doch es sah so aus, wie von ihr gewollt. Das zwei mal zwei Meter große Grab sei mit einem Rosenstämmchen und neun Stauden wie Frauenmantel, Storchschnabel und Katzenminze - ihr Schwiegervater habe seine Katze so gemocht - bepflanzt worden. Die Auswahl sei so getroffen, dass in den warmen Monaten immer etwas blühe. Beete mit Pflanzen schützen Über den Winter ziehen die Stauden Blätter und Stängel ein, bevor alles im nächsten Frühjahr wieder austreibt. So lange belässt Ellen Siegismund-Kuhlmann die Stauden auf dem Grab. Das hat gute Gründe. „Das Grün schützt den Boden vor Austrocknung und starkem Frost“, erläutert sie. Zudem könnten Insekten dort überwintern. Bei Raureif gäben die Stängel ein wunderschönes Bild ab. Seit neun Jahren pflegen die Eheleute das Grab bereits. Bei der Entscheidung für Stauden spielte auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle. Ellen Siegismund-Kuhlmann möchte nicht Jahr für Jahr wieder etliche Kunststoffbehälter für immer wieder neue Pflanzen verwenden. Sie selbst besitzt zu Hause einen Staudengarten und findet es schön, wie manche Stauden durch das Beet „wandern“ und sich an anderen Stellen von allein aussamen. Wieder andere verschwänden auch. Der Brief vom grünen Team der Stadt habe sie zuerst geärgert, gibt die Billerbeckerin zu. Zumal an sie die Frage herangetragen wurde, ob die Grabstätte aufgelöst werden soll. An sie erging die Bitte, die Grabstätte bis zum 6. Oktober herzurichten. Inzwischen sieht sie die Angelegenheit gelassen. Das Grab sei gepflegt und sogenannte „Unkräuter“, die sich nicht verbreiten sollen, habe sie entfernt. Sicher sähen andere Beete in der Nachbarschaft auf dem Friedhof inzwischen ganz anders aus, leerer und ohne Stiele und welkende Blätter. Gestaltung ist eben auch Geschmacks- und Ansichtssache. „Mir ist wichtig, dass nicht jedes Jahr etwas Neues gepflanzt werden muss“, sagt Ellen Siegismund-Kuhlmann. „Man kann ein Grab auch anders gestalten“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Im Frühjahr dauere es auf dem Grab der Schwiegereltern zwar immer etwas, bis die ersten Stauden nach dem Entfernen der alten Stiele blühten, aber dann bleibe das über den Sommer bis in den Herbst hinein so. Gestaltungsvorschriften Hintergrund für den Brief der Stadt sind Vorschriften zur gärtnerischen Gestaltung, die in der städtischen Friedhofssatzung stehen. Ein gepflegter Anblick soll der Würde der Friedhöfe dienen. Beispielsweise dürfen Kunststoffe und nicht verrottbare Werkstoffe nicht verwendet werden. „Die Grabstätten dürfen nur mit Pflanzen bepflanzt werden, die andere Grabstätten und die öffentlichen Anlagen und Wege nicht beeinträchtigen“, heißt es da. Grabstätten dürfen nicht vollständig mit mineralischen Stoffen wie Kies, Splitt und Asche bedeckt werden. „Verwelkte Kränze und Blumen sind unverzüglich zu entfernen“, steht dort ebenso. Auf Anfrage erklärte die Verwaltung zu ihrem Schreiben, dass gegen die Stauden an sich nichts einzuwenden sei. Allerdings ragten diese sichtlich über die Grabfläche hinaus und verblühte Stängel sollten geschnitten werden. Zudem müsse auch der Rand um das Grab herum gepflegt werden. Im Übrigen ständen bei Fragen zur Grabgestaltung die Mitarbeiterinnen der Friedhofsverwaltung gerne zur Verfügung. Stauden Stauden sind mehrjährige Pflanzen, deren oberirdische Teile sich im Herbst zurückziehen und im Frühjahr aus den unterirdischen Speicherorganen (Wurzeln, Rhizomen, Knollen) wieder austreiben. Im Gegensatz zu Sträuchern und Bäumen verholzen ihre Stängel und Zweige meist nicht. Sie sind langlebig, winterhart und bringen jedes Jahr wieder neue Blüten und Blätter hervor, die sich zu prächtigen Horsten entwickeln können. Auch winterharte Farne sowie Gräser, Zwiebel- und Wasserpflanzen zählen zu den Stauden.