Mario Hecker will das Bürgermeisteramt behalten

Jens Rademacher

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Bürgermeister Mario Hecker wird bei den Wahlen 2020 auch von der SPD unterstützt. - © Jens Rademacher
Bürgermeister Mario Hecker wird bei den Wahlen 2020 auch von der SPD unterstützt. (© Jens Rademacher)
Kalletal. Die Kalletaler SPD hat überraschend die Diskussion über die nächste Bürgermeisterwahl eröffnet: Die Sozialdemokraten wollen den parteilosen Amtsinhaber Mario Hecker bei der Wahl im September 2020 unterstützen, wie Fraktions- und Gemeindeverbandschef Manfred Rehse mitteilt – sofern Hecker die Absicht habe, „sich auch für die nächste Wahlperiode um dieses Amt zu bewerben". Die Nachfrage bei Hecker ergibt: Ja, er will wieder antreten.

Bislang hatte sich der Amtsinhaber noch nicht öffentlich zu der Frage geäußert. „Ich habe am Freitagabend von der Entscheidung der SPD erfahren und mich total gefreut", sagt Hecker zu dem SPD-Vorstoß. Er habe sich am Wochenende mit seiner Familie beraten, ob er wieder antreten werde. Ergebnis: „Ich würde gerne weitermachen. Aber darüber entscheidet der Bürger."

Das Amt mache ihm Spaß, im Rat gebe es ein gutes Miteinander. „Aber es geht um die Sache." Wichtig sei, dass Entscheidungen getroffen würden, die gut für Kalletal seien, statt miteinander zu streiten, sagt der 43-Jährige. „Das Wichtigste ist für mich, dass das auch außerhalb von Kalletal wahrgenommen wird."

Sozialdemokrat Manfred Rehse führt an, Hecker habe sich sehr engagiert, Rat und Verwaltung hätten gut gearbeitet. „Jetzt werden manche sagen: Die SPD hat keinen eigenen Kandidaten. Das kann ich bestätigen. Aber ich habe auch nicht gesucht", sagt Rehse schmunzelnd und fragt: „Weswegen sollten wir jemand ins Rennen schicken, wenn wir mit der Arbeit Heckers zufrieden sind und uns darin wiederfinden?"

Auf das Konto seiner Partei gingen viele Initiativen und Vorschläge in der aktuellen Legislaturperiode. Wichtige Themen seien unter anderem Mobilität und ärztliche Versorgung auf dem Land sowie Sanierung von Schulen und Turnhallen. Vieles von dem sei auf den Weg gebracht oder umgesetzt. Die Zusammenarbeit mit Hecker sei „unkompliziert, sachlich und lösungsorientiert". Die Mitarbeit und die Vorschläge der Fraktion seien auf Augenhöhe angegangen worden.

Hecker war 2015 erstmals angetreten und hatte eine deutliche Mehrheit gegen den SPD-Kandidaten Marc Schumacher und die Parteilose Elke Dalpke-Fohrmann geholt. Der damalige Bauamtsleiter Hecker war von CDU, „Freien Mandaten Kalletal" (FMK) und den Grünen unterstützt worden.

Hecker selbst kann die Frage nach weiteren Unterstützern noch nicht beantworten – „ich habe kein Gespräch geführt, auch nicht mit der SPD". Grünen-Fraktionschef Ulrich Kellmer zeigt sich überrascht von der Frage, ob seine Partei den Amtsinhaber wieder unterstützen werde. „Wir haben noch nicht darüber gesprochen." Er selbst könne sich eine zweite Amtszeit Heckers vorstellen. Klaus Hoffmann (FMK) kann zu einer erneuten Unterstützung Heckers nichts sagen. Grund: Die FMK würden als Fraktion nicht antreten. Ob die drei FMK-Ratsmitglieder bei der Wahl womöglich als Einzelkandidaten ins Rennen gehen, dazu will Hoffmann sich noch nicht äußern. Er selbst würde eine zweite Amtszeit Heckers jedenfalls unterstützen.

CDU-Fraktionschef Julian Gerber hält es eineinhalb Jahre vor der Wahl für „zu früh, um in den Wahlkampf einzutreten". Über die Bürgermeisterfrage entscheide bei der CDU die Mitgliederversammlung. „Ich kann dazu noch nicht mal eine Empfehlung abgeben", sagt Gerber. Ob es weitere Kandidaten geben wird, ist also noch offen.


Neue auf dem Hecker-Zug

Kurios: Die Kalletaler SPD entscheidet sich dafür, den parteilosen Bürgermeister Mario Hecker bei der nächsten Wahl zu unterstützen, obwohl der sich noch gar nicht geäußert hatte, ob er wieder antritt.

Alles andere als eine zweite Kandidatur wäre zwar eine Überraschung gewesen. Aber dass die Sozialdemokraten diesmal als erste auf den Hecker-Zug aufspringen, ist schon ungewöhnlich und ein kluger Wahl-Schachzug. Es zeigt: Hecker hat in den dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit eher noch Unterstützer hinzugewonnen durch seine Art, Brücken zu bauen und bei Entscheidungen möglichst viele Partner ins Boot zu holen.

Auf Konsens zu setzen, mit kühlem Kopf Mehrheiten zu suchen, ist längst nicht überall in Nordlippe selbstverständlich. Hecker-Kritiker gibt es, ihre Stimme hat im Rat aber zahlenmäßig kein Gewicht. Also keine Überraschung bei der Kalletaler K-Frage?

Das wird davon abhängen, ob es Hecker gelingt, seine Unterstützer von 2015 wieder hinter sich zu versammeln – vor allem die CDU. Es spricht aber viel dafür, dass die Unterstützer der vorigen Bürgermeisterwahl dem Amtsinhaber weiter die Treue halten.

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