Kalletal. Ausverkauft war das Bürgerbegegnungszentrum am Dienstagabend; und die Erwartung des Publikums an einen nett-unterhaltsamen Abend nach Art des WDR-Reisemagazins „Wunderschön!“ mit Moderatorin Tamina Kallert zu erleben, wurde bei Weitem übertroffen. Gerade war diese aus ihrer Heimat im Schwarzwald angereist, mit der Bahn natürlich, und natürlich mit derartigen Problemen, dass sie aus Herford abgeholt werden musste. Trotzdem fand sie sofort Verbindung zu Kalletal und ihrem Publikum, kam aus einem Schwarzwald mit wenig Schnee in ein Winterwunderland und hatte schon gehört, „dass die Holländer kommen, um Ski zu fahren.“ Die Zuhörer gehen mit auf Reise Mit der ersten Veranstaltung aus der kulturellen Veranstaltungsreihe „Kalletaler Reiseschätze“ in diesem Jahr hatte Rathausmitarbeiterin Corinna Will einen wahren Glücksgriff getan, denn Tamina Kallert beließ es nicht bei der Lesung aus ihrem neuen Buch mit dem Titel „Die Füße im Sand, und die Nase im Wind“. Im Jahr 2004 fand ihre erste Reise statt, nach Sylt, schöne Erinnerungen. Im Herbst 2025 Faro, Portugal, und da waren sie, die Füße im Sand. Das Gefühl von Loslassen, das Hier und Jetzt, „mein goldener Durchatemmoment.“ Danach Sevilla, was sie so intensiv und empathisch beschreibt, dass die Zuhörer mit auf die Reise gehen. „Überall, und das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Buch, ist die Sehnsucht nach Verbindung,“ schwärmt sie, „sich verbinden mit den Menschen, den Landschaften, mit sich selbst.“ Den Karneval in Venedig genießen, doch auch die Probleme des „Over-Tourism“ nicht übersehen. Ihr Buch vermittelt auch Zeit zum Innehalten, ist sehr persönlich geschrieben und kommt immer wieder auf das Thema „Verbindung“ zurück. Sich mit anderen Menschen zu verbinden, wie im Oman, wo Menschen sie berühren. Sie beobachtet scharf, empfindet Demut, wie groß die Natur ist „und ich ein Teil davon.“ Reisen befriedigt und bereichert, sie überwindet Hindernisse, nennt sie „Neopren-Momente“. Der Ekel vor einem feuchten Neoprenanzug – „wer den wohl schon getragen hat, und vielleicht auch reingepieselt“, den sie tragen soll, um durch einen kalten Gebirgsbach zu tauchen, Tauchen am Great Barrier Reef oder Schnorcheln auf den Lofoten, alles kostet Überwindung. Doch „Glück ist eine Kontrasterfahrung,“ weiß sie, „sich öffnen heißt verbinden“ und „nur das Echte ist ok“ sind ihre Erfahrungen, die sie mit teils berührenden Beispielen untermauert. Sie verband sich mit den Kalletalern, und die gingen beglückt und reisefreudig nach Hause.