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Kreis Lippe

Suedlink-Stromtrasse macht Bogen um OWL

Manuela Puls, Hannes Koch

Kreis Lippe/Höxter. Aufatmen in der Region: Die große Suedlink-Stromtrasse wird voraussichtlich nicht durch Ostwestfalen-Lippe gebaut. Die Kreise Höxter und Lippe sind von den aktuellen Erdkabel-Plänen nicht betroffen. Das hat Netzbetreiber Tennet in Berlin vor Bundestagsabgeordneten bekanntgegeben.

Die neuen Varianten der Strom-Autobahn. - © Karte: www.transnetbw.de; NW-js
Die neuen Varianten der Strom-Autobahn. (© Karte: www.transnetbw.de; NW-js)

Sämtliche von Tennet erarbeiteten Trassenvorschläge für die Höchstspannungsleitung verlaufen demnach weiter östlich – zwischen Weserbergland/Solling und Harz. NRW gehört nicht mehr zum Untersuchungsraum. Drei Jahre lang hatten mehrere Bürgerinitiativen in der Region und auch die Landräte von Höxter und Lippe für eine unterirdische Verlegung des Suedlinks gekämpft – mit Erfolg. Jetzt bleibt die Region sogar komplett verschont.

„Naturschutz steht jetzt bei der Planung an erster Stelle"

Der vorgeschlagene Verlauf ist bis lang noch recht unpräzise. Der Korridor hat eine Breite von mitunter 20 oder mehr Kilometern. Erst in späteren Planungsschritten wird festgelegt, wo die Kabel genau vergraben werden. Die Leitungen sind unter anderem nötig, um den Strom aus den Windkraftwerken im Norden zu den Industriegebieten in Bayern und Baden-Württemberg zu leiten.

Ursprünglich waren hängende Höchstspannungsleitungen an teilweise riesigen Masten geplant. Manche hätten eine Höhe von 70 Metern erreicht, was der Größe von Hochhäusern mit 16 Stockwerken entspricht. Nach heftigen Bürgerprotesten und politischen Turbulenzen entstand schließlich ein Gesetz, das Erdkabeln den Vorzug gibt.

Diese sieht man später kaum, dafür sind sie deutlich teurer als Überlandleitungen. Allein der Südlink wird gut vier Milliarden Euro teurer werden, heißt es bei Tennet – statt drei vermutlich über sieben Milliarden Euro.

Alte Suedlink-Trasse

Die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde rechnet damit, dass die Zusatzkosten für Erdkabel bundesweit etwa neun Milliarden Euro betragen. Die neuen Leitungen kosten dann nicht 20, sondern 29 Milliarden Euro. Allerdings muss man die Kosten auf eine Nutzungsdauer von 40 Jahren umrechnen, wodurch die Zusatzinvestitionen für Erdkabel mit etwa 200 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Diese Summen dürfen die Netzbetreiber auf die Stromrechnungen der Verbraucher umlegen.

Für Privathaushalte und Firmen fallen die Mehrkosten relativ wenig ins Gewicht. Sie bewegen sich in der Größenordnung von 0,1 bis 0,2 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Durchschnittshaushalt bedeutet dies Zusatzkosten durch Erdkabel im Vergleich zu Überlandleitungen von vier Euro im Jahr.

Die Erleichterung über die neue Trassenplanung beim Bundestagsabgeordneten Christian Haase (CDU) aus Beverungen ist groß: „Nur gemeinsam konnten wir den Druck so erhöhen, dass wir letztendlich in Berlin Gehör gefunden haben", so der Politiker in einer ersten Stellungnahme. Die Kreise Höxter und Lippe seien für Erdkabel ungeeignet. „Landschafts- und Naturschutz stehen bei den Planungen jetzt an erster Stelle", freut sich Haase.

Gefeiert wird auch bei den Bürgerinitiativen in Warburg, Dalhausen, Marienmünster, Bökendorf und Falkenhagen. „Das ist ein überwältigendes Gefühl", jubelt Jutta Fritzsche aus Marienmünster-Papenhöfen. Der Einsatz habe sich ausgezahlt: „Wir haben es zusammen geschafft, weil wir sachorientiert gekämpft haben."

In der Region war der Widerstand gegen die „Monstertrasse" mit gigantischen Freileitungs-Masten von Anfang an groß. Die betroffenen Bewohner der Kreise Höxter und Lippe fürchteten, dass der Suedlink die Landschaft zerstören und die Menschen krank machen könnte. Die Bürgerinitiativen in Niedersachsen und NRW machten rasch gemeinsame Sache und gründeten die Erdkabel-Offensive EOS. Auch 22 betroffene Landkreise (darunter Höxter und Lippe) schlossen sich zusammen und sorgten mit der „Hamelner Erklärung" bundesweit für Aufsehen.

In den betroffenen Städten in NRW können jetzt die Suedlink-Aktenordner wohl endgültig geschlossen werden. „Ich bin superglücklich", sagt Bürgermeister Michael Stickeln aus Warburg.

Information

Inbetriebnahme ist erst im Jahr 2025 geplant

  • Die beiden Firmen Tennet und TransnetBW, die Teile des deutschen Höchstspannungsnetzes betreiben, haben die Planungsunterlagen für die neuen Stromtrassen Suedlink und Suedostlink zu Beginn dieser Woche an die Politiker und Verwaltungen entlang der künftigen Kabelstrecken geschickt.
  • In den nächsten Monaten finden zahlreiche Infoveranstaltungen für die Bevölkerung entlang der Leitungsstrecken statt.
  • Das Raumordnungsverfahren beginnt schätzungsweise im nächsten Frühjahr – inklusive der formellen Bürgerbeteiligung. Die Korridore sind dann schon präziser definiert.
  • Daran schließt sich das Planfeststellungsverfahren an, das den exakten Verlauf der Kabel festlegt. In Betrieb gehen sollen die beiden neuen Leitungen 2025.

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