Eine Affäre wird einer jungen Frau 1964 zum Verhängnis

Freya Köhring

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Ein Verhältnis wurde einem Mädchen zum Verhängnis. - © Symbolbild Pixabay
Ein Verhältnis wurde einem Mädchen zum Verhängnis. (© Symbolbild Pixabay)

Kreis Lippe. Im Zug von Bielefeld nach Detmold trifft sie ihn. Beide verstehen sich auf Anhieb gut und die junge Frau fasst schnell Vertrauen. Der große Altersunterschied spielt zunächst keine Rolle, doch dann kommt alles ganz anders.

Die 19-jährige Anna W. (Namen von der Redaktion geändert) hat gerade ihre Verlobung gelöst. Sie ist noch etwas aufgewühlt. Da trifft sie den 53-jährigen Harald J. auf einer Zugfahrt. Beide kommen ins Gespräch und wollen sich wiedersehen. J. ist verheiratet und hat drei Kinder, lebt allerdings von seiner Frau getrennt.

Schon bald kommt es zwischen Anna und dem 34 Jahre älteren Mann zu einem intimen Verhältnis. "Anna hat sich an mich geklammert. Sie fand an mir, was sie in ihrem ganzen Leben vermisste: das Väterliche und das Mütterliche. Ich wollte sie sogar in meine Familie aufnehmen. Aber sie hat abgelehnt", wird er später vor Gericht aussagen.

Beide verstehen sich sehr gut und reisen oft zusammen ins Ausland. Der Vormund von Anna, die ohne Vater und Mutter aufgewachsen ist, missbilligt das Verhältnis, kann allerdings nichts dagegen unternehmen. Das Paar findet Gefallen an dem Laacher See in Rheinland-Pfalz und fährt fast jedes Wochenende an den Camping Platz.

Doch dann verändert sich Anna. Sie wird abweisender. Irgendwann habe sie J. gestanden, dass sie noch Verhältnisse mit anderen Männern unterhält. J. ist aufgebracht, will sich trennen und fordert seine Geschenke an sie zurück.

Er wollte an ihr Geld

Daraufhin sei Anna mit einem Kofferradio auf ihn losgegangen. J. habe sich gewehrt und ihr einen Faustschlag verpasst, an dem sie später angeblich verstorben sein soll. Doch wie und woran Anna letztlich starb, wird nie geklärt werden können. Denn J. versuchte, den Tod Annas zu vertuschen. Zwei Jahre gelang ihm das.

Information
  • Die Altersgrenze zur Volljährigkeit wurde in Deutschland im Jahr im März 1974 von 21 auf 18 Jahren heruntergesetzt.

  • Zuchthaus war ein Gefängnis mit strafverschärfenden Haftbedingungen, z.B. mit Zwang zu körperlicher Arbeit.

  • Ehrenrechte sind die Rechte auf das aktive und passive Wahlrecht sowie das Recht, ein öffentliches Amt ausüben zu dürfen.

Nachdem er Anna getötet hatte, macht sich J. auf den Weg zu ihrem Vormund. Im Gepäck eine Vollmacht, die es ihm angeblich erlaubt, an ihr Barvermögen - fast 40.000 Mark - zu gelangen. Der Vormund lehnt jedoch ab und bekommt vor Gericht Recht, auch weil Anna selbst nicht auffindbar ist. Laut J. soll sie in Frankreich bei einem Millionär leben und das Geld nicht mehr brauchen. Doch der Vormund glaubt das nicht. Er geht von einer Entführung aus.

Zwei Jahre später gelingt es den ermittelnden Beamten, J. ein Geständnis abzuringen. Zunächst spricht J. davon, Anna im Affekt erwürgt zu haben. Vor Gericht erzählt er dann die Geschichte von dem Faustschlag im Affekt. Was davon stimmt, kann nicht abschließend geklärt werden, da Annas Leiche nicht mehr vollständig ist.

Er verbrannte Anna in der Zentralheizung

Nach der Tat will J. die Leiche zunächst in eine Decke gewickelt haben. An der Autobahnauffahrt Soest habe er angehalten und die Leiche zunächst unter Steinen begraben. Später sei er zurückgekehrt und habe die Leiche mit nach Hause genommen. Er zerstückelte Annas Körper, einige Körperteile seien in der Zentralheizung verbrannt worden. Den Rest vergrub er im Garten. Er habe sich einfach nicht ganz von ihr trennen können, sagt er später vor Gericht.

Nach mehrstündigen Verhandlungstagen, an denen zahlreiche Zuschauer teilnahmen, verurteilt das Gericht J. zu lebenslangem Zuchthaus und Aberkennung der Bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. In seinem Abschlussplädoyer sagt der Oberstaatsanwalt über den Angeklagten: "J. ist ein Mensch voller Rohheit, wertlos und verdorben."

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