Mios größter Wunsch trägt den Namen Luzi

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Das erste Mal: Mio lebt mit dem Asperger-Syndrom. Dass er lächelt, liegt an Luzi. Für seine Familie war es eine Premiere. - © Archivbild: Meike Mozygemba
Das erste Mal: Mio lebt mit dem Asperger-Syndrom. Dass er lächelt, liegt an Luzi. Für seine Familie war es eine Premiere. (© Archivbild: Meike Mozygemba)

Lage-Hardissen. Das Christkind hat einen ganz besonderen Brief im Postkasten. Mio hat ihn mit Liebe gestaltet, weil er einen Herzenswunsch hat: Luzi, ein Australian Sheperd, soll ihm helfen, sich besser in der "normalen Welt" zurechtzufinden, denn der 8-Jährige lebt mit dem Asperger-Syndrom.

Die LZ hat im Oktober über Familie Höltke berichtet, danach gab es einige Spenden. Der TBV Lemgo stellte sich in den Dienst der guten Sache, legte bei Heimspielen die Flyer aus und stellte Spendendosen auf. Mio wurde gemeinsam mit seiner Schwester Rabea zu einem Spiel eingeladen. Kerstin Diekmann, Assistentin der Geschäftsleitung des TBV suchte spezielle Plätze aus, denn der Achtjährige hat sehr besondere Bedürfnisse. "Er brauchte Ohrschützer, und er saß oben, wo es etwas ruhiger ist", sagt seine Mutter Tanja Höltke.

Die 41-Jährige hat öffentlich Hilfe gesucht, weil ein Assistenzhund wie Luzi seinen Preis hat - 25.000 Euro kostet das speziell ausgebildete Tier. Im WZ-Hundezentrum Norddeutschland ist Trainer Ulrich Zander dafür verantwortlich. "Luzi soll Mio helfen, zur Ruhe zu kommen und der Familie zeigen, wann es dem Kind zuviel wird. Über eine spezielle Leine werden die beiden verbunden, damit wird das Weglaufen unterbunden", erklärt Zander.

Noch lernt Luzi im WZ-Hundezentrum Norddeutschland. - © Meike Mozygemba
Noch lernt Luzi im WZ-Hundezentrum Norddeutschland. (© Meike Mozygemba)

Das intensive Training für diese Aufgaben umfasse allein 380 Stunden, dazu kommen diverse medizinische Untersuchungen. "Das Tier muss topfit sein, damit es die Anforderungen erfüllen kann und Mio auch mit ihm aufwachsen kann", sagt Zander. Er hat die Familie mehrfach besucht - auch um den geeigneten Azubi für Mio zu finden.

"Er kam mit drei Hunden, bei Luzi war es Liebe auf den ersten Blick. Wir haben unser Kind Lachen gesehen - das war ein unglaublich schönes Gefühl. Das Foto schaue ich mir immer wieder an", sagt Tanja Höltke. Ihr Mann sei erst skeptisch gewesen, sei dann aber schnell umgeschwenkt. "Wir haben einen Spaziergang gemacht, Mio und Luzi waren verbunden, und zum ersten Mal war es entspannt, wir waren nicht immer auf dem Sprung, weil Mio weglaufen könnte", schildert die Lagenserin.

Auf den ersten Blick sieht man nichts

Ihr Sohn, der bei ungewohnten Situationen ausrastet, sei sehr viel ruhiger, wenn Luzi bei ihm ist. und er macht Dinge, die die Familie für unvorstellbar gehalten hätte. "Mio kann sich zum Beispiel nicht einfach ins Gras setzen. Er braucht immer einen geregelten Ablauf, eine gewohnte Umgebung, mag es nicht, angefasst zu werden, er kann Gefühle nicht ausdrücken - das alles macht den Alltag schwierig." Und es führt zu Missverständnissen, denn Mio sieht man die Behinderung nicht an. "Wenn er mal eine Schokolade bekommen hat, hat er sich nicht bedankt. Er hat andere Kinder geschlagen, wenn sie ihn angefasst haben, und wir wussten nicht, was los war. Erst im Alter von 6 Jahren hatten wir die Diagnose."

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  1. Flyer

Sofort suchte Tanja Höltke den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, so kam sie auf den Assistenzhund. "Allerdings haben wir festgestellt, dass auch da einige unterwegs sind, die für uns überhaupt nicht in Frage gekommen wären", sagt sie. Es gibt keine gesetzliche Regelung zur Ausbildung der Assistenzhunde. "Bei Blindenhunden ist das anders, da muss das Gespann eine Prüfung ablegen. Es wäre wünschenswert, wenn es auch für andere Assistenzhunde verbindliche Richtlinien geben würde", erklärt Ulrich Zander. Luzi sei für Mio reserviert und werde für ihn speziell trainiert. Klappt alles, dann soll die Übergabe in den Sommerferien über die Bühne gehen.

Bis dahin braucht es allerdings noch weitere Spenden. 5.000 Euro sind bis jetzt auf dem Konto, die Familie hat auch einen Eigenanteil übernommen. "Wir können uns die Anschaffung des Hundes nicht leisten. Ich kann nicht arbeiten gehen, denn Mio braucht viel Hilfe, ich muss immer abrufbereit sein. Ich habe es bei der Krankenkasse versucht, beim Kreis Lippe - keiner hat uns geholfen. Es ist immer davon die Rede, man wolle keine Präzedenzfälle schaffen. Das kann ich verstehen, aber ein Kind mit einem Asperger-Syndrom braucht spezielle Hilfe, um in seiner Welt zurecht zu kommen. Deshalb sind wir unendlich dankbar, dass uns der TBV und viele andere unterstützen", sagt Tanja Höltke.

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