Kreis Lippe. Die Nachwehen von Orkan „Friederike" machen sich allerorten bemerkbar. Das gilt auch für die Gastronomie. Der Felsenwirt an den Externsteinen hat normalerweise im Winter an den Wochenenden geöffnet. Doch im Moment kann davon keine Rede sein: „Solange die Waldsperrung nicht aufgehoben wird, hat das für uns gar keinen Sinn", sagt Gastwirt Rahmi Bilgi. Herbert Halbgebauer, Geschäftsführer der Waldgaststätte „Bienenschmidt", muss hingegen gegen die Verunsicherung wegen des Wald-Betretungsverbotes kämpfen. Es sei sehr wohl erlaubt, die Kalkreute zu befahren und die Waldgaststätte aufzusuchen.
Bis Ende März ist der „Bienenschmidt" erst ab 17 Uhr geöffnet, an den Wochenenden ab 11 Uhr, dienstags ist geschlossen. Einige „Bienenschmidt"-Gäste gehören anscheinend zu den Unerschrockenen: „Am Sturm-Abend waren zwei, drei Tische in unserem Restaurant besetzt. Dabei handelte es sich um Stammgäste, die schauen wollten, was so bei uns während eines solchen Ereignisses los ist", erinnert sich Halbgebauer. Die Gäste konnten allesamt unbeschadet den Heimweg antreten, auf das Traditionslokal war kein Baum gefallen, und auch die Kalkreute blieb einigermaßen passierbar.
„Hermann leuchtet" vom 15. bis 24. März ist nicht in Gefahr, versicherte Veranstalter Uwe Acker gestern. Gastwirt Guido Röcken vom Restaurant „AUF 386m" am Hermannsdenkmal hat, wie berichtet, bereits einige Veranstaltungen absagen müssen, außerdem kommen weder Busgruppen noch Wanderer. Neben den Konsequenzen des Betretungsverbotes hatte er anfangs auch mit technischen Problemen zu kämpfen. Denn unter anderem hat das Unwetter die Haupt-Stromleitung zerfetzt, diese ist nicht mehr zu reparieren. Die Kabel stammen aus den 30er Jahren und führen vom Maiweg aus den Berg hinauf zur Grotenburg.
„Offensichtlich haben die Wurzeln umstürzender Bäume die Leitungen an mehreren Stellen zerrissen", sagte der Technische Leiter der Stadtwerke Detmold, Andreas Schlichting. Genau sei der Schaden nicht zu orten, der Wald dürfe ja nicht betreten werden. Zurzeit versorge ein Dieselaggregat das WALK und die Gastronomie am Hermann mit Strom, der Tankwagen komme über die nunmehr offene Denkmalstraße.
Die Stadtwerke werden Mitte bis Ende Februar beginnen, eine neue Leitung zu verlegen. Die Ausschreibungen dafür laufen. Die Kabel sollen unter der Denkmalstraße her von Heiligenkirchen aus verlegt werden, dies werde mehrere Wochen dauern. Schlichting sagte, dass es zwei parallele Kabel geben wird, um mittelfristig einen Ringschluss herstellen zu können. „Wir erhöhen damit die Versorgungssicherheit am Hermann." Die Kosten werden teilweise von der Versicherung getragen – wie bei anderen Sturmschäden auch. Seitens des Landesverbandes hat dessen Immobilien-Chef Arne Brand gestern angeregt, dass im Zuge der Bauarbeiten auch Leerrohre für neue Datenleitungen verlegt werden sollten.
Das Areal rund ums Hermanns-Denkmal ist derzeit von Heiligenkirchen aus über die Denkmalstraße zu erreichen. Wie berichtet, gilt die Einbahnstraßen-Regelung zurzeit nicht – auf Anordnung von „Straßen.NRW". Dies hat sich offensichtlich noch nicht überall herumgesprochen. Bei der Tourist-Information in Detmold trudelt die eine oder andere Nachfrage über die Erreichbarkeit des Denkmals ein, meistens per Mail. „Aber vermutlich ist die Zahl der Leute größer, die einfach mit dem Auto losfahren und dann enttäuscht vor der Sperre stehen", heißt es hier.
Lipper und die Nachwirkungen des Sturms
- Das Betretungsverbot der Wälder belastet auch den leidenschaftlichen Läufer. So wird das Verbot im Südosten aufgenommen.
- Auch Reiter sind eingeschränkt: Für Islandpferde vom Reiterhof Voßheide geht es derzeit nicht ins Gelände.
- Der Bad Salzuflen-Marathon ist ein Renner, steht aber auf der Kippe. 1300 Anmeldungen liegen vor. Ein Antrag auf Befreiung könnte helfen.
- Wie geht es eigentlich den Tieren im Wald nach dem Sturm? Wir haben mit Michael Protte vom Naturschutzbund (Nabu) Extertal gesprochen.
- Auch Wanderer müssen jetzt in Lippe neue Wege gehen. Lesen Sie hier, wie Vereine reagieren.