Starkes Unwetter hält lippische Einsatzkräfte am Abend in Atem

Nadine Uphoff, Jens Rademacher und Marlen Grote

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Besonders schlimm hat es unter anderem Dörentrup erwischt. - © Marlen Groote
Besonders schlimm hat es unter anderem Dörentrup erwischt. (© Marlen Groote)

Kreis Lippe. Ab etwa 17.30 Uhr hat es Montag an vielen Orten in Lippe „Land unter" geheißen. Feuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz, nachdem ein heftiges Gewitter mit starken Regenfällen über Lippe gezogen war. Etwa 150 Einsätze meldete die Feuerwehr-Leitstelle am frühen Montagabend allein aus Nordlippe. „Wir sind noch voll im Einsatzgeschehen", sagte Dienstgruppenleiter Falco Schneider. Erst für den späten Abend wurde mit Entspannung gerechnet.

Bislang gab es im Kreis ingesamt 350 Einsätze. Jede Kommune war oder ist von dem Unwetter betroffen. Die Einsatzkräfte sind auch am Dienstagmorgen noch in Lippe unterwegs und mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Viele Straßen sind derzeit noch gesperrt. Darunter die B66 und die Mittelstraße in Dörentrup, die Extertalstraße in Barntrup, die Blomberger Straße und die Hauptstraße in Schieder-Schwalenberg, die Pagenhelle und die Regenstorstraße in Lemgo.

Dörentrup, Extertal und Kalletal besonders stark getroffen

Die „massive Unwetterlage" traf die nordlippischen Gemeinde Dörentrup, Extertal und Kalletal besonders stark. Die Einsatzkräfte wurden zu zahlreichen vollgelaufenen Kellern und überspülten Straßen gerufen. Bäume stürzten um, Straßen waren unpassierbar. In Hillentrup schlug ein Blitz in das Dach eines Wohnhauses ein und setzte die Styropor-Dämmung im Dachstuhl in Brand. Die Dörentruper Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Hauptstraße wurde für die Löscharbeiten gesperrt, verletzt wurde niemand.

„Wir waren schnell hier, weil wir wegen des Unwetters sowieso alle unterwegs waren", sagte der Dörentruper Feuerwehrsprecher Thomas Lalk. Das Unwetter hatte unter anderem in Humfeld und Farmbeck Straßen und Wege mit Wasser und Schlamm überflutet. Die Bundesstraße 66 wurde gegen 22 Uhr zwischen Dörentrup-Zentrum und Humfeld gesperrt, weil erneuter Starkregen Schlamm auf die Fahrbahn schwemmte.

Überschwemmungen und hochgedrückte Gullydeckel

Auch zwischen Detmold und Lemgo war auf der B 238 zeitweise kein Durchkommen. „Zwischen Klüt und Loßbruch ist viel Geröll auf die Straße gerutscht", sagte Michael Hose von der Polizei-Leitstelle. Zu 25 Einsätzen wurde die Detmolder Wehr am Abend gerufen. Wegen eines Autofahrers, der die Wasserfläche falsch einschätzte und stecken blieb, wurde die Abbiegespur der Ernst-Hilker-Straße in Fahrtrichtung Lemgo gesperrt.

Vielerorts wurden zudem Gullydeckel hochgedrückt. In Kalletal-Lüdenhausen floss Schlamm von einem Feld ins Erdgeschoss eines Seniorenheims.

Einsätze wurden aus nahezu allen lippischen Kommunen gemeldet. „Kaum eine Gemeinde oder Stadt im Kreis ist verschont geblieben, ein Großteil der Feuerwehren ist im Einsatz", sagte Falco Schneider von der Leitstelle. Nur in Augustdorf und Schlangen richtete das Unwetter offenbar weniger Schäden an.

Anders in Lemgo, wo beispielsweise an der Südstraße im Stucken zahlreiche Keller vollliefen. Der Regen hatte den Schlamm eines angrenzenden Felds über die Grundstücke in die Keller gespült. Die Lemgoer Feuerwehr war im Einsatz, genauso wie etwa am Entruper Weg, wo ein Baum umgestürzt war. Betroffen waren unter anderem auch Oerlinghausen, Leopoldshöhe, Heiligenkirchen, Pivitsheide, Heidenoldendorf, die Detmolder Innenstadt und Bad Salzuflen, wo im Gewerbegebiet Holzhausen Wasser in eine der Werkshallen eingetreten war.

Vermutlich spielte das Unwetter auch eine Rolle bei einem Unfall in Lage-Müssen: Dort überschlug sich der Fahrer eines Seat auf der Breitenheider Straße und wurde in seinem Wagen eingeklemmt. Er kam schwer verletzt ins Klinikum.

Warnung gilt weiter

Auch am Dienstagmorgen ist die lippische Feuerwehr weiter im Einsatz. "Wir hoffen, dass wir heute nur mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind und keine neuen Einsätze dazukommen", sagt ein Sprecher der Polizeileitstelle. Viele Straßen seien in Lippe gänzlich gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar, da Dreck und Schlamm die Fahrbahnen bedecken.

Schwerpunkt ist Dörentrup, aber auch das östliche Lippe von Oberschönhagen über Schieder bis Blomberg hat Tief "Alex" am Montagabend schwer getroffen. Neben der B66 in Dörentrup seien keine weiteren Bundesstraßen von den Straßensperrungen am Dienstagmorgen betroffen.

Für den Kreis Lippe gilt auch am Dienstagmorgen noch eine Unwetterwarnung. Der Deutsche Wetterdienst warnt bis zum Nachmittag vor Starkregen. Für den Süden Deutschlands gilt sogar die Warnstufe Rot. Tief "Alex" hat am Montag bereits in ganz Deutschland gewüstet, Keller überflutet und Flüsse über die Ufer treten lassen.

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