Er steckt hinter Localista: Lipper kaufen vor allem die "Statue of Lipperty"

Seda Hagemann

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Simon Allroggen ist der Unternehmer hinter Localista. - © Seda Hagemann
Simon Allroggen ist der Unternehmer hinter Localista. (© Seda Hagemann)

Kreis Lippe. In Zeiten der Krise sind Onlinehandel und Homeoffice gefragter denn je. Simon Allroggen hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, allerdings schon vor der Coronazeit. Mit seiner Firma "Localista" vertreibt er Tassen, T-Shirts und andere Textilien mit regionalen Motiven - von zu Hause aus. Der Kassenschlager ist - wie sollte es auch anders sein - das Hermannsdenkmal.

Simon Allroggen, 21, unterscheidet sich ein wenig von seinen Altersgenossen. Nicht optisch, sondern eher durch seine Ambitionen. Mit 16 meldete er bereits ein Gewerbe an und verlieh seine teure Musikanlage für Veranstaltungen - das gab ein ordentliches Taschengeld für den Teenager. "Das war zugegeben gut verdientes Geld", sagt er. Er hat einen Geschäftssinn und den Mut, Dinge zu probieren. Sein Studium in Iserlohn ist ein Zwitter aus Betriebswirtschaft und Medienkommunikation. Nun steht die Bachelorarbeit an. Und genau dafür hatte er seinen Onlinehandel "Localista" ursprünglich aufgezogen. Um an einem Projekt seine Thesen zu überprüfen.

"Ich mag was Handfestes, nicht bloße Theorie", sagt er. Regionale Produkte via Internet an den Mann und die Frau bringen - gibt es dafür in Deutschland und spezieller in Ostwestfalen-Lippe einen Markt? "Meine Dozentin war von der Fragestellung angetan und ich habe mich ans Werk gemacht. Dann habe ich gedacht, dass könnte man doch auch wirklich ausprobieren", sagt der 21-Jährige. Gesagt, getan.

Er fand auf Online-Plattformen alles, um seine Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Eine Druckerei aus Köln hat die Textilien und übernimmt auch das Drucken in Kleinstmengen. Einem Designer, ein Freelancer, schickte er seine Motivideen und schon bald gab es ein Portfolio. Die Webseite baute er selbst. Seit Februar liefert er aus. Seine Werbung läuft auf Facebook rauf und runter. Die Resonanz ist da - fast 250 Produkte hat er mittlerweile an den Mann und die Frau gebracht. Die Reaktionen stimmen ihn zuversichtlich. Die Vielzahl seiner Kunden lobt auch öffentlich im Netz die Qualität seiner Waren.

Termin am Hermann

Der Hermann ist das zurzeit beliebteste Motiv. - © Shop Localista
Der Hermann ist das zurzeit beliebteste Motiv. (© Shop Localista)

Der Ort für den allerersten Pressetermin mit der LZ ist passend zu seinen Erfolgsprodukten gewählt - direkt am Hermann. "Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt hier war. Vielleicht als Kind", sagt er leichthin und muss lachen, als er das entsetzte Aufkeuchen der Redakteurin hört. "Ich bin ja eigentlich aus Altenbeken", gibt er zu. "Ich habe aber viele Freunde in Lippe und bin eigentlich ein Grenzgänger", sagt Allroggen schnell und grinst.

Ok, er kommt also aus Altenbeken, kein Lipper. So kann er also nur noch ein Beute-Lipper werden, "ausgeschlossen ist das nicht", sagt er und lächelt. Dass ein junger Mann aus Altenbeken einen Kassenschlager mit seinen Lippe-Produkten landet - eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Dazu sei aber gesagt: Seine Idee ist nicht neu.

Vielerorts gibt es bereits Produkte mit dem Hermann als Motiv zu kaufen - in vielen Tourist-Infos zum Beispiel. Nichtsdestotrotz. Simon Allroggen hat ebenfalls den Hermann für sich und sein Business entdeckt. Den Spruch "Statue of Lipperty" hat er irgendwann, irgendwo gehört und fand die Kombination gut. Nach und nach erweiterte er seine Palette, auch in Richtung Paderborn und Bielefeld. "Aber der Hermann bleibt das beliebteste Motiv - in ganz OWL übrigens", erzählt er. Der Erfolg stützt seine These, dass man genau recherchieren muss, um ein Objekt, einen Ort oder eine Sehenswürdigkeit zu finden, mit der sich nicht nur ein Ort, sondern eine ganze Region identifizieren kann.

Designs für Schwaben

Aktuell hat er auch Designs fürs Schwabenland entwickelt, mit Bier - für Lippe gibt es auch Tassen mit einem Pickert-Männchen. "Mal sehen, für was alles ein Markt besteht", sagt der junge Geschäftsmann und erzählt, dass er tage-, wochenlang im Netz nach weiteren regionalen Besonderheiten Ausschau hält. Eine der ersten Antworten darauf war das Hermannsdenkmal.

Wohin geht die Reise für den 21-Jährigen? "Nun, nach meinem Bachelor will ich meinen Master machen. Am liebsten in Köln", erzählt er. "Wäre schön, wenn die Erlöse das ermöglichen würden." Danach will er eine zeitlang im Ausland leben und arbeiten - wie ein digitaler Nomade. Seine Plattform, eine One-Man-Show, und die gesamte Dienstleistung laufen schließlich digital im Netz.

"Das ließe sich auch von Barcelona oder Prag aus machen. So könnte ich dort arbeiten und einige Städte entdecken", sagt er. Am ehesten zieht es ihn nach Osteuropa. "Da sind die Mieten und Lebenshaltungskosten sehr niedrig. Es lässt sich dort günstig leben und arbeiten", verrät Simon Allroggen. Na also, am Ende steckt ja doch ein waschechter Lipper in ihm...

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