Detmold. Ist Kultur mehr als nur ein seriöser Zeitvertreib? Sicherlich. Es geht fraglos darum, neben Wissen auch Kreativität oder Einschätzungen zur Bewertung von Ästhetik zu fördern. Soll kulturelle Bildung gar zu kritischem Denken anregen? Der Landesverband Lippe nutzte seinen Neujahrsempfang im Landestheater, um sich thematisch mit den Aufgaben der Kultur auseinanderzusetzen. Beitragen durfte dazu während einer Podiumsdiskussion gleich ein ganzes Quartett - Kirsten Uttendorf, Intendantin des Landestheaters, Stefan Dörr aus der Geschäftsführung sowie Josef Köhler und Stefan Wolf aus der Spitze der Peter Gläsel Stiftung. Letztere betreibt beispielsweise Schulen betreibt, die die Kultur stärker in den Mittelpunkt stellt statt ihr als Randnotiz einen Platz in den hinteren Reihen der Aufmerksamkeit zuzuweisen. „Über uns und den Tag nachdenken“ Zudem steuerte Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling in Abwesenheit von Ministerin Ina Brandes - ihr Zug fuhr wetterbedingt nicht nach Detmold - ihre Sicht auf die Aufgaben kultureller Bildung bei. Bölling vorab: „Kultur ist gerade in diesen komplexen Zeiten mehr als nur Unterhaltung. Sie zwingt uns, über uns und den Tag nachzudenken.“ Während Uttendorf, seit der Spielzeit 2024/25 Intendantin und künstlerische Geschäftsführerin am Landestheater, und Dörr ein Heimspiel hatten, leisteten Stefan Wolf und Josef Köhler von der Peter Gläsel Stiftung vor rund 80 Gästen im Theater erst mal kurze Aufklärung über die Stiftung, die neben Schulen auch eine Kindertageseinrichtung betreibt. Wolf, früher Pastor in Berlebeck: „Wir als Stiftung wünschen uns eine Gesellschaft, in der sich Menschen gegenseitig unterstützen und ihr kreatives Gestaltungspotenzial nutzen. Eine solche Gesellschaft entsteht, wenn Menschen von Anfang an, in Kita und Schule aktiv beteiligt werden und Gelegenheiten haben, sich in ihrem Umfeld einzubringen.“ Kinder sind einfach kreativer Wolf hatte gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit auf seiner Seite, als er eine Büroklammer aus der Hosentasche zog und an ihr beispielhaft erklärte, dass Kinder aus sich selbst heraus kreativ sind, wenn man sie lässt. Wolf: „Wir haben diese Büroklammer einer Gruppe von Kindern gegeben und sie gebeten, alternative Nutzungsmöglichkeiten herauszufinden. Sie kamen auf 120. Eine Gruppe von Erwachsenen brachte es auf 26 Ideen.“ Köhler ergänzte noch, dass man zwischen-menschliche Beziehungen eben auch durch die Kultur entwickeln könne. Erzählen und provozieren Derweil gingen Stefan Dörr und Kirsten Uttendorf auf die theater-pädagogischen Ansätze in Detmold ein. Letztere merkte an, dass ein Theater fraglos in erster Linie „Geschichten erzählen muss, aber darüber hinaus immer auch die Aufgabe hat, zu provozieren.“ Dörr ergänzte: „Und eben auch Jung und Alt zusammen zu bringen.“ Der Neujahrjahrsempfang im Foyer endete natürlich mit einem Buffet und der Chance, sich weiter zu vernetzen. Auch ohne Ministerin Brandes, die immerhin eine Videobotschaft übermittelte, waren in Detmold mit Vertretern aus der Wirtschaft, einigen Bürgermeistern, Landtagsabgeordneten und den früheren Landräten Friedel Heuwinkel und Dr. Axel Lehmann genügend lokale Promis vor Ort. Für die Musik sorgte das Theater selbst: Gerdie Broeksma (Harfe) und Franziska Pfalzgraf (Mezzosopran) gaben gelungene Kostproben klassischer Musik.