Das digitale Erbe muss geregelt sein

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Mittlerweile ist es wichtig, auch an die eigenen digitalen Hinterlassenschaften zu denken. - © Marianne Schwarzer
Mittlerweile ist es wichtig, auch an die eigenen digitalen Hinterlassenschaften zu denken. (© Marianne Schwarzer)

Kreis Lippe. Unser Leben findet zunehmend im digitalen Raum statt. Auch nach dem Tod existiert die digitale Identität eines Menschen weiter. Doch was passiert damit? Hierzu gibt die Verbraucherzentrale Tipps. „Die Erben übernehmen grundsätzlich alle Rechte und Pflichten, die sich aus dem digitalen Nachlass ergeben", erklärt Carl Christoph Möller, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. „Wurde der digitale Nachlass nicht geregelt, beginnt für die Angehörigen oft eine komplizierte Suche nach Zugangsdaten, um zum Beispiel kostenpflichtige Dienste zu kündigen."

Überblick verschaffen

Bereits zu Lebzeiten sollte eine Übersicht über alle bestehenden Online-Accounts mit Benutzernamen und Kennworten gepflegt werden. Dazu gehören E-Mail-Konten, Bezahldienste, Streamingdienste, soziale Netzwerke und vieles mehr. Die Liste sollte auch eindeutige Hinweise enthalten, was mit Daten, Konten und Endgeräten (PC, Smartphone) passieren soll, wenn diese beispielsweise durch Krankheit oder Tod nicht mehr selbst verwaltet werden können. Eine Musterliste der Verbraucherzentrale NRW bietet hierfür eine erste Orientierung. Die Liste kann ausgedruckt oder auf einem USB-Stick gespeichert werden und sollte nur an einem sicheren Ort, wie einem Tresor oder Bankschließfach, verwahrt werden.

Vollmacht erstellen

Für die Verwaltung des digitalen Erbes sollte eine Vertrauensperson bestimmt werden. Dies wird in einer Vollmacht festgehalten, die persönlich unterschrieben und mit Datum versehen sein muss. Unabdingbar ist außerdem der Hinweis, dass sie „über den Tod hinaus" gilt. Die Vollmacht muss an die Vertrauensperson übergeben werden. Es gibt auch Firmen, die eine kommerzielle Verwaltung des digitalen Nachlasses anbieten, deren Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit lasse sich allerdings nur schwer beurteilen. Ein Augenmerk sollte zudem auf der Frage liegen, was mit dem Nachlass geschieht, wenn der Dienst vom Markt verschwindet (beispielsweise durch Insolvenz), bevor der Erbfall eingetreten ist. Passwörter sollten einem Unternehmen niemals anvertraut werden.

Anspruch auf Zugang

Sollten den Erben die Zugangsinformationen für einen Online-Dienst doch einmal fehlen, haben sie prinzipiell einen Anspruch darauf, vom Anbieter den Zugang zum Konto der verstorbenen Person zu erhalten. Das hat der Bundesgerichtshof ausdrücklich für Facebook entschieden. Der Zugang setzt jedoch eine entsprechende Identifikation als Erben gegenüber dem Anbieter voraus und kann großen Aufwand bedeuten. Besser sei es daher, vorzusorgen.

Muster, etwa für eine Vollmacht oder eine Liste der digitalen Konten sowie eine Checkliste über Online-Anbieter zu digitalen Nachlassen finden sich auf www.verbraucherzentrale.nrw.

Fragen beantworten auch die Verbraucherzentrale in Detmold, Tel. (05231) 70159-01 oder detmold@verbraucherzentrale.nrw per Mail.

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