Kreis Lippe. Der Krieg in der Ukraine und andere aufwühlende Bilder in Fernsehen und den sozialen Medien sowie Begegnungen mit geflüchteten Menschen können Kinder sehr belasten, beunruhigen und Fragen aufwerfen. Damit umzugehen, auf Probleme einzugehen, sie ernst zu nehmen und Fragen zu beantworten, bereitet sowohl Eltern als auch anderen Erwachsenen oft selbst Probleme. Das Innovationszentrum Dörentrup gab in Kooperation mit der Familienberatung und Schulpsychologie des Kreises Lippe Hilfestellung in Form eines Online-Seminars. Dezidierte Informationen trugen sowohl Diplom-Psychologin Irmgard Weishaupt, Leiterin der Familienberatung und Schulpsychologie des Kreises Lippe, und Georg Kurek, Sozialarbeiter und systemischer Familientherapeut, vor und gaben Hinweise, wie man rücksichtsvoll und behutsam mit Kindern umgehen und über das Thema Krieg sprechen kann. Dabei spielten Vulnerabilität, also die genetisch oder/und biografisch erworbene Verletzlichkeit, die zu Depressionen, Selbstschädigungstendenzen, Süchten, aber auch Bravheit und Selbstmitleid führen kann sowie Stress und Resilienz, die Anpassungsfähigkeit, mit der Menschen auf Probleme und Veränderungen reagieren, eine große Rolle. Stress am Beispiel einer Regentonne Wie sich Stress durch alltägliche Belastung aufbaut und damit das psychische Fassungsvermögen auffüllt, erklärte Georg Kurek am Beispiel einer Regentonne, die sich bei kontinuierlicher Belastung allmählich bis zum Überlaufen füllt. Das betreffe nicht nur Kinder, sondern auch Eltern und Lehrkräfte. Doch nicht alle Regentonnen füllten sich gleichermaßen schnell, unterschiedliche Risikofaktoren wie Herkunft, Bildungsgrad, fehlende Familie oder Unterstützung führten zu ebenso unterschiedlichen Auswirkungen. Zudem führe die Resilienz als Schutzfaktor dazu, dass sich manche Tonnen weniger schnell füllten. Irmgard Weishaupt zeigte die Möglichkeit auf, diesen unterschiedlichen Einwirkungen bei Kindern zu begegnen, ihre Resilienz zu erhöhen und ihren Stress abzubauen. Man müsse die Kinder beobachten und herausfinden, was sie in welchem Kontext in welchen Medien gesehen hätten, vielleicht sogar gegen den Willen der Eltern und entgegen Absprachen, und welche Reaktion sie zeigten. Darauf könne man behutsam reagieren, indem man den Kindern Sicherheit und Geborgenheit in der familiären Situation vermittele und beispielsweise das Thema Krieg ernst nehme und vorsichtig mit offenen Fragen wie „Was denkst du darüber?" umgehe. Da Kinder im Grundschulalter Gewalt nicht einordnen und in unterschiedlichem Alter gleiche Inhalte unterschiedlich wahrnähmen, sollten Eltern sie ihre Bedrängnis malen oder Situationen spielen lassen. Ebenfalls könne man ihnen Mut machen, indem sie aktiv etwas Hilfreiches tun, wie etwa an Sponsorenläufen teilzunehmen oder mit anderen Schülern Waffeln „für den guten Zweck" zu backen. Neben konkreten Tipps verwies Irmgard Weishaupt auf mehrere Beratungsangebote, die im Kreis Lippe zur Verfügung stehen. Weitere Informationen: www.beratung-lippe.de und www.schulpsychologie-lippe.de