Kreis Lippe. Viele Menschen wünschen sich, etwas Bedeutendes zu tun oder zu schaffen, an das sich noch viele erinnern – lange, nachdem man bereits im Jenseits weilt. Einer, der es auf jeden Fall geschafft hat, ist Ernst von Bandel. Denn seine große Leistung ist in der Tat gewaltig und von Weitem zu sehen, wenn man durch das schöne Lippe fährt. Wenn das kein Vermächtnis ist? Dabei hat von Bandel noch so viel mehr gemacht, als den Hermann auf die Grotenburg zu packen. Erst einmal musste er überhaupt nach Lippe kommen, was am Anfang seines Lebens gar nicht so wahrscheinlich wirkte. Denn geboren wurde Joseph Ernst Bandel – so der volle Name – am 17. Mai 1800 in Ansbach. Das „von“ kam erst 1813 durch die Erhebung des Vaters Georg Carl in den Adelsstand durch den bayerischen König Maximilian I. hinzu. Fortan führte auch Ernst den Adelszusatz. Der hatte zu diesem Zeitpunkt fast schon seine Schulausbildung in Ansbach und Nürnberg absolviert. Mit 16 Jahren begann er seine künstlerische Ausbildung in München an der Akademie der Bildenden Künste. Als 1818 der Vater starb, musste er fortan selbst das Geld für sein Studium aufbringen, was ihn aber nicht aufhielt. Bandel ließ sich von einer patriotischen Stimmung anstecken Da Bandel in politisch bewegten Zeiten aufwuchs (französische Besatzung, Befreiungskriege), verwundert es kaum, dass er von der damals patriotischen Stimmung angesteckt und überzeugt wurde. Denn erstmals war der Gedanke eines geeinten Deutschlands während der Befreiungskriege zu einer Idee geworden, die große Teile der Menschen damals begeisterte. Da auch die Geschichte um Arminius oder Hermann (wie er seit dem 16. Jahrhundert genannt wurde) spätestens seit der Renaissance bekannt war, verwundert es kaum, warum gerade in jener Zeit die Geschehnisse der Varusschlacht Bandel und vielen mehr in den Sinn kam: Arminius hat mit den vereinten Germanen die fremden Römer vertrieben. Die Deutschen haben vereint Napoleon vertrieben. Die Einigkeit ist also nötig, um sich zu behaupten und eine Nation zu werden. Zwar unterlag von Bandel damit der damals verbreiteten, jedoch aus heutiger Sicht irrigen Annahme einer direkten Kontinuität zwischen Germanen und Deutschen. Aber er war nun mal ein Kind seiner Zeit und damals schien diese Annahme schlüssig. Daher mögen den Bildhauer schon Anfang der 1820-er Jahre entsprechende Ideen umgetrieben haben. Es entstanden Entwürfe zu einer „Arminiussäule“ oder einem Hermannsdenkmal. Dies war eine entscheidende Zeit für sein Leben: Von dem Vorhaben, dem Arminius ein Denkmal zu errichten, war er nicht mehr abzubringen. Ein Mann mit vielen Talenten Bis er damit anfangen konnte, dauerte es allerdings noch etwas. In der Zwischenzeit schloss er seine Lehre ab (unter anderem ging er für einige Jahre nach Italien) und fing an, sich einen Namen zu machen. Da war zum einen seine Vielseitigkeit: Bandel war ein echtes Multitalent, beherrschte Malerei sowie Bildhauerei und war Baumeister, Ingenieur und Zimmermeister. 150 Werke umfasst sein bekanntes Vermächtnis. Wie viel mehr er noch als das Hermannsdenkmal erschaffen hat, zeigt sich in seinem Aufenthalt in Hannover, wohin er 1834 übergesiedelt war. Im Kloster Loccum gestaltete er Altar und Kanzel neu, in Göttingen fertigte er eine Statue des hannoverschen Königs Wilhelm IV. an, und in Hannover selbst stehen seine Skulpturen der Dichter Shakespeare und Goldoni auf der Oper. Auch in Lippe hat sich der Bildhauer abseits vom Hermannsdenkmal verewigt. Im Landesmuseum ist eine aus Marmor gehauene Thusnelda zu sehen, und in Blomberg besserte er das Grabmal von Graf Bernhard VII. zur Lippe aus. Doch wie gesagt, ließ ihn der Hermann nicht mehr los. Im September 1837 reiste er nach Detmold. Da damals der Teutoburger Wald als Ort der Varusschlacht galt, war dies nur folgerichtig, und nachdem er sich einige Standorte in der Region angesehen hatte, entschied er sich für die Grotenburg. Nun konnte er aber immer noch nicht loslegen, denn da hatte noch jemand ein Wörtchen mitzureden: der lippische Fürst Leopold II. Darum wäre das Denkmal fast nicht gebaut worden Zum Glück konnte ein alter Detmolder Freund aus Münchener Studientagen, den von Bandel in Detmold wiedertraf, einen Kontakt zum Fürsten vermitteln. Der ließ sich überzeugen, und Anfang 1838 pflanzte von Bandel eine Fahne auf die Grotenburg als Zeichen seines Vorhabens. Nun machte das Projekt auch in der lippischen Öffentlichkeit die Runde, und es gründete sich der Hermannverein, der Spenden einwerben wollte. Dann war es soweit: Am Morgen des 9. Juli 1838 konnte der Grundstein gelegt werden. Doch ab hier begann ein beschwerlicher Weg für ihn. Trotz Spenden, darunter aus Hannover, Bayern und sogar vom englischen Königshaus, und obwohl von Bandel sein eigenes Vermögen investierte, ging es nur langsam voran. Zwischenzeitlich kehrte er 1846 verbittert und verarmt nach Hannover zurück. Da war immerhin der Sockel fertig. Das finanzielle und politische Interesse war erloschen, was sich auch nach der gescheiterten Revolution 1848 nicht änderte. Die Baustelle verfiel, die Kupferplatten für die Statue wurden eingelagert. Aufgeben war keine Option Aber von Bandel gab nicht auf. Er nutzte die Zeit und erlernte mit 63 Jahren das Kupferschmieden, um es beim Denkmalbau anzuwenden. Mit seinem Sohn Roderich entwickelte er außerdem das innere Eisengerüst der kolossalen Statue. Dann wendete sich das Blatt. Nachdem das Deutsche Kaiserreich 1871 gegründet worden war, erhielt der Bau durch die nationale Begeisterung im Land wieder große Aufmerksamkeit. Nun floss auch wieder Geld – unter anderem vom Reichstag, der 10.000 Thaler spendete, sowie vom preußischen König und Kaiser Wilhelm I., der die gleiche Summe beisteuerte. Die Errichtung kostete den „Alten vom Berge“, wie von Bandel nun teilweise genannt wurde, seine letzten Kräfte. Dazu mag auch das spartanische Leben auf der Baustelle beigetragen haben. Denn die letzten Jahre des Baus und auch seines Lebens wohnte der Künstler in der Bandelhütte direkt neben dem Hermann. Diese wurde später zu einem Museum und war bis auf das 1932 getauschte Dach und die nachträglich eingebaute Elektrik originalgetreu. Allerdings brannte sie im Dezember 2021 ab. 1875 konnte das Denkmal am 16. August feierlich eingeweiht werden, wozu auch Kaiser Wilhelm I. gekommen war. Ernst von Bandel nahm bereits geschwächt und gezeichnet von einer Nierenkrankheit daran teil. Nur ein Jahr später, im Jahr 1876, starb er. Hermann für die Ohren Lust auf mehr spannende Fakten rund ums Hermannsdenkmal? 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