Lemgo/Bad Salzuflen. Von dem einen auf den anderen Moment kann sich durch einen Unfall das Leben komplett ändern. Das ist etwa der Fall, wenn in Folge des Unfalls ein Bein, ein Arm oder eine andere Extremität amputiert werden muss. Um diese Menschen aufzufangen und auf ihrem weiteren Weg zu begleiten - der sich von ihrem bisherigen signifikant unterscheiden wird - , gibt es den Verein „Landesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation in NRW“ (LVamp). Seit dem 11. Oktober hat der landesweite Verein wieder zwei Lipper als Vereinsvorsitzende: Rolf Brakemeier aus Lemgo und Rainer Lütkemeyer aus Bad Salzuflen. Dass für die Vorstandsarbeit in dem Verein LVamp eine ganz großes Herz und viel Leidenschaft für die gute Sache Voraussetzung ist, das wissen Rolf Brakemeier und Rainer Lütkemeyer nur zu gut. Waren sie bis zum Jahr 2022 doch schon einmal das Spitzenteam für den Verein, Rolf Brakemeier als erster und Rainer Lütkemeyer als zweiter Vorsitzender. „Im Jahr 2022 waren wir beide privat und beruflich so eingespannt, dass wir aus zeitlichen Gründen unsere Ämter im Verein an Nachfolger weitergegeben haben“, erklären die beiden. Sie selbst führen seit mehreren Jahrzehnten ein Leben mit Beinamputation. Den Vorsitz übernahm Uwe Wiermann aus der Nähe von Bonn. Die neue zweite Vorsitzende legte ihr Amt bereits nach kurzer Zeit nieder, sodass Rolf Brakemeier diesen dann übernahm. „Mein Herz hängt natürlich an diesem Verein, ich bin Gründungsmitglied und habe den Vereinssitz im Jahr 2018 von Rheine nach Lemgo verlegt“, erklärt Brakemeier. Gruppen sind wichtiger Anlaufpunkt Da im Vorfeld der Jahreshauptversammlung im Oktober nun auch Uwe Wiermann seinen Rücktritt angekündigt hatte, sei für Brakemeier und Lütkemeyer im Grunde schnell klar gewesen, dass sie sich erneut dem Abenteuer Vorstandsvorsitz stellen werden. „Aber nur zusammen!“, ergänzen sie, denn schließlich wüssten sie nach all den Jahren, was sie aneinander haben. Mit ihrer ruhigen und besonnenen Art und den Jahrzehnten an Erfahrungen halten sie jetzt wieder die Fäden in der Hand und wollen sich als erstes der Stärkung der rund 30 landesweit verteilten Selbsthilfegruppen widmen. „Diese Gruppen sind ein wichtiger Anlaufpunkt für die Menschen. Gerade für diejenigen, die jüngst eine Amputation hinter sich gebracht haben und noch keine Idee davon haben, wie es genau weitergehen kann.“ In den Selbsthilfegruppen würden Erfahrungen ausgetauscht und Hilfestellungen für alle anfallenden Fragen gegeben. In Detmold trifft sich die Selbsthilfegruppe jeden ersten Freitag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Vitalzentrum Kühlmuss & Grabbe in der Sylbeckestraße 20. „Hier sind alle Menschen, die Unterstützung benötigen, jederzeit herzlich willkommen“, betont Brakemeier. „Amputation bedeutet immer große Veränderung“ Sowohl Brakemeier als auch Lütkemeyer sind ausgebildete „Peers“, die im Rahmen der Ausbildung bei dem Projekt „PiK – Peers im Krankenhaus“, als selbst Betroffene frisch amputierten Menschen alle Fragen zur neuen Lebenssituation beantworten. Unermüdlich seien sie dabei, die Mitarbeiter der Krankenhäuser dazu zu bewegen, den Patienten den Verein direkt im Krankenhaus schon zu empfehlen. „Das funktioniert leider nicht so gut, wie wir uns das wünschen würden, und dabei ist unser Einsatz ehrenamtlicher Art“, sagt Lütkemeyer. Zwar würden sich regelmäßig Betroffene bei ihnen melden, die den Verein im Internet gefunden haben, sagt Brakemeier. Aber diejenigen, die nicht selbstständig im Internet suchen, würden so natürlich nicht erreicht, werden. „Und dabei wäre es so wichtig, diesen Menschen direkt zur Seite stehen zu können, denn eine Amputation bedeutet immer auch eine große Veränderung im Leben.“ Die beiden Vorsitzenden wollen aber keinesfalls aufgeben, sondern weiterhin mit großem Einsatz die gute Sache verfolgen und so viele Menschen wie möglich erreichen und unterstützen – und das alles von Lippe aus.