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Schieder-Schwalenberg

Lipper schreibt Programm für die Hühner-Mast

Landwirt Cord Kohlbrei tauscht die "Stallkarte" gegen den Computer

Hightech im Hühnerstall - © Schieder-Schwalenberg
Hightech im Hühnerstall (© Schieder-Schwalenberg)

Schieder-Schwalenberg. "Stallkarte" ade. Landwirt Cord Kohlbrei hat ein Computerprogramm geschrieben, das den Papierkrieg beenden soll. Es laufen Verhandlungen mit Firmen, die die Software vermarkten möchten.

PAP - die drei Buchstaben stehen für "Poultry Assistance Programme", ein womöglich schon bald weltweit eingesetztes Computer-Programm für Hähnchenmäster: "Poultry", englisch für Geflügel eben. Die Software ist aber nicht im kalifornischen "Silicon Valley", der Heimat vieler Computerfirmen, entstanden, sondern im lippischen Bergland. Genauer: in Ruensiek nahe Schwalenberg.

Echte Hilfe für die Landwirtschaft: Cord Kohlbrei hat die bisher eingesetzte "Stallkarte" ersetzt - nun übernimmt ein Computerprogramm die Aufgaben.
Echte Hilfe für die Landwirtschaft: Cord Kohlbrei hat die bisher eingesetzte "Stallkarte" ersetzt - nun übernimmt ein Computerprogramm die Aufgaben. (© Foto: Schürstedt)

So untypisch wie der Entstehungsort ist auch die Entwicklung. Hier haben sich nicht unzählige Stubenhocker mit Kaffee und Zigarette an die Computer-Tastatur gesetzt. Das Programm schrieb Cord Kohlbrei. Der Landwirt genießt den fliegenden Wechsel zwischen Traktor und Tastatur, Erntewagen und Tabellen, die das Computerprogramm ausspuckt.

Ideenlieferant für sein Programm zur Rentabilitätsberechnung war der eigene landwirtschaftliche Betrieb, in dem alle sechs Wochen 40.000 Masthähnchen heranwachsen.

In dem 2009 neu erbauten Stall in Ruensiek lief vieles bereits computergesteuert: die Fütterung, Speisung der Tränken, Heizung, Lüftung und Beleuchtung. Was Cord Kohlbrei, der sich selbst als "Technik-Freak" bezeichnet, jedoch ärgerte war das Führen der sogenannten "Stallkarte" per Hand. "Eine Stallkarte ist Pflicht seitens des Veterinäramtes", erklärt der 27-jährige Agrar-Betriebswirt.

So, wie die etwa 1.500 Hähnchenmast-Betriebe in Deutschland, die der Deutsche Bauernverband zählt, hat auch Cord Kohlbrei seine Eintragungen auf dieser überdimensionalen Karteikarte von Hand vorgenommen. "Wenn man sich verschrieben hatte, musste man verbessern, überschreiben. Die Zahlen waren zum Schluss kaum noch lesbar", erinnert sich Kohlbrei. Das sollte anders werden. Außerdem wollte der Landwirt mit einem Knopfdruck wissen, wo er betriebswirtschaftlich steht. "Ich kannte mich gut mit der Tabellenkalkulation Excel aus, also habe ich mich nach der Stallarbeit an den Computer gesetzt", erklärt der Ruensieker.

Seine 2009 geschriebene Abschlussarbeit an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Herford zum Thema "Betriebskalkulation und Zukunftsplan" mit dem Schwerpunkt Hähnchenmast half ihm. Eineinhalb Jahre dauerte die Programmierarbeit, die Kohlbrei so manches Mal "bis 4 Uhr früh" beschäftigte. Nach einer Stunde Schlaf ging es dann zur "Frühschicht im Kuhstall", dem vom Vater Wolfgang geleiteten Betriebszweig.

Die Mühe hat sich gelohnt. Zu guter Letzt gelang dem Lipper nach eigener Aussage noch ein "Sahnehäubchen": das automatische Einlesen der Daten des Stallcomputers zu Futter-, Wasser- und Energieverbrauch. "Das einzige, was man jetzt noch per Hand eingeben muss, sind die Lieferscheine - also alles, was extern zugeliefert wird. Ansonsten kommunizieren die Systeme miteinander", so der Schwalenberger.

"PAP ist marktfähig", befand Kohlbrei und machte sich mit dem USB-Stick in der Hand Mitte November auf zur Messe "Eurotier" in Hannover. Vier Firmen kamen für die Vermarktung in Frage. Alle haben Interesse. Nun wird am Vertrag gefeilt.

Kohlbrei: "Ich möchte sowohl Vermarktung als auch Käuferbetreuung abgeben. PAP kann auch ohne mich laufen." …das soll es auch, denn der technikbegeisterte Landwirt hat bereits ein neues Aufgabenfeld. "Wir bauen im Frühjahr eine Biogasanlage. Da gibt es als Betreiber viele Tätigkeiten am Computer", sagt Kohlbrei.

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