Der älteste Grenzstein in Lippe ist 475 Jahre alt

Stumme Wächter dokumentieren, wie Lippe ein klar umrissenes Territorium wurde

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Der Älteste: Volker Buchholz und Reinhold Meiertöns am Bentorfer Grenzstein, der die Jahreszahl 1536 trägt.
Der Älteste: Volker Buchholz und Reinhold Meiertöns am Bentorfer Grenzstein, der die Jahreszahl 1536 trägt. (© Foto: Engelhardt)

Kalletal-Bentorf. Noch heute markieren Grenzsteine die lippische Grenze fast vollständig. Die ältesten sind vor 475 Jahren gesetzt worden.

Es wird ein Wintertag gewesen sein, an dem sich die Abgesandten der Herrschaften auf dem Bonstapel trafen. Von dort oben konnte man das weite nordlippische Bergland überblicken, denn die Bäume trugen kein Laub. Und dann legten die Edlen Herren und die Bauern der Umgebung den Grenzverlauf zwischen Lippe und der zum Herzogtum Jülich-Kleve-Berg gehörenden Grafschaft Ravensberg fest. 475 Jahre ist das nun her.

Ein Grenzstein bei Bentorf nahe dem Karenberg ist der Zeuge dafür. 1536 ist als Jahreszahl unter der lippischen Rose in den Sandstein gemeißelt worden. "Das ist der älteste nachweisbare Grenzstein in Lippe", sagt Volker Buchholz.

Es ist ein Wintertag, als Volker Buchholz und Reinhold Meiertöns Richtung Karenberg marschieren, um den Grenzstein in Augenschein zu nehmen. Der Detmolder Buchholz und der Lemgoer Meiertöns gehören dem Arbeitskreis Historische Grenzsteine des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe (NHV) an. Dieser Arbeitskreis hat alle noch erhaltenen Steine kartografiert, fotografiert und beschrieben.

1992 hat Reinhold Meiertöns den Stein, auf den er jetzt zusteuert, das erste Mal kartiert. "Wir haben die Steine damals nach Pfadfinderart gesucht. Einfach mit einer Karte quer durchs Gelände", berichtet er und ruft sogleich: "Da ist er". Gut lesbar ist die Jahreszahl. Darüber prangt die lippische Rose im Sandstein, eingefasst von einem besonderen Wappenschild, einer "Tartsche". Dieser Schild weist eine Einbuchtung auf, in die beim realen Vorbild die Turnierlanze eingelegt werden konnte. Nur die ältesten Grenzsteine zeigen die Tartsche.

Die Grenzverhandlungen jener Zeit sind dokumentiert. Daher weiß man auch, dass sich die Kommissionen auf dem Bonstapel trafen. Bei der Festlegung des Grenzverlaufs orientierten sie sich an markanten Geländepunkten. So schneidet die lippisch-ravensbergische Grenze mittig die Kuppe des Lichtensberges, folgt dann dem Weg zu den Erdfällen und  entlang eines Weges weiter über den Karenberg bis hinunter zur Kallemündung an der Weser.

"Insbesondere an alten Hochwaldlagen wurden viele Steine gesetzt. Hier wollte man hohe Rechtssicherheit haben, denn das Holz war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", sagt Buchholz. Und dann scheuten die Landesherren auch die Kosten nicht. "Heute kostet es rund 1.200 Euro, einen solchen Stein zu setzen. Viel günstiger war das vor 475 Jahren auch nicht."

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