Dieses Aquarium verströmt Südsee-Feeling: Lagenserin züchtet Korallen

Liebhaber dieser Exoten reisen sogar aus Kiel oder München an, um besondere Exemplare zu erwerben

Sandra Castrup

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Liebt die Vielfalt aus dem Meer: Anna Martin züchtet zusammen mit ihrem Ehemann Andreas Korallen. Die Tiere verkauft sie an Interessenten im ganzen Land. - © Sandra Castrup
Liebt die Vielfalt aus dem Meer: Anna Martin züchtet zusammen mit ihrem Ehemann Andreas Korallen. Die Tiere verkauft sie an Interessenten im ganzen Land. (© Sandra Castrup)

Lage-Waddenhausen. Ob am Great Barrier Reef in Australien oder in den Gewässern rund um die Malediven: In den Tropen sterben immer mehr Korallen ab. Ein Grund dafür ist die Klima-Erwärmung, die mit steigenden Wassertemperaturen im Meer einhergeht. Dabei haben die Blumentiere, wie die Korallen auch genannt werden, eine wichtige ökologische Aufgabe: Sie sind die Kinderstube für viele Wassertiere.

Anna und Andreas Martin wollen diese sensiblen Tiere, die in den leuchtendsten Farben schillern, nachfolgenden Generationen erhalten und haben bei sich zu Hause in Aquarien ganze Meerwasserwelten aufgebaut, in denen sie verschiedene Korallenarten züchten, die sie an Liebhaber von überall her verkaufen. „Mit einem Süßwasseraquarium sind wir mal angefangen, doch das war uns schnell zu langweilig", erzählt das Paar schmunzelnd.

Besonders die farbenprächtigen Korallen haben es den beiden angetan. Schöne Fische gibt es zwar auch, sie dienen aber eher dem biologischen Kreislauf. „Die Fische sind wichtig für die Wasserwerte, denn deren Ausscheidungen sind Dünger für die Korallen", erklärt Anna Martin. „Ansonsten brauchen sie in erster Linie Helligkeit, Licht ist ihre Nahrung."

Sind von Unterwasserwelten fasziniert: Anna, Emilia und Andreas Martin vor einem ihrer Aquarien. - © Sandra Castrup
Sind von Unterwasserwelten fasziniert: Anna, Emilia und Andreas Martin vor einem ihrer Aquarien. (© Sandra Castrup)

Auch wenn sie aussehen wie Pflanzen, die sich im Wassersog wiegen und winken, gehören Korallen zu den Blumentieren. Und sie lassen sich größtenteils vermehren. „Wir fragmentieren die Korallen, brechen ein Stück ab und kleben es auf", verrät die gelernte Köchin, die schnell zur Hobbyzüchterin wurde.

„Anfangs haben wir auf einer Internetplattform unsere Ableger verkauft, doch die Nachfrage war so enorm, dass ich vor fünfeinhalb Jahren ein Gewerbe angemeldet habe", so die 27-Jährige, die unter „Annas-Meerwasserwelt" firmiert. Die Wohnung wurde für die erforderlichen Aquarien schnell zu klein, eine weitere wurde dazu gekauft und entsprechend als Laden umgebaut.

„Inzwischen importieren wir Korallen aus Indonesien, Bali, Florida oder Australien. Auch Muscheln gehören zum Sortiment", erläutert Andreas Martin, der für den technischen Part zuständig ist. Per Computer steuert der Werkzeugmechaniker die zum großen Teil automatisierte Technik der Aquarienanlage. „Das ist schon ein kostspieliges, aber schönes Hobby", gibt Anna Martin zu. Ein komplett bestücktes Meerwasserbecken habe oft einen Wert von mehreren tausend Euro. „Die Korallen gibt es ab zehn Euro das Stück. Nach oben sind fast keine Grenzen gesetzt", weiß die junge Mutter.

Die Kunden kommen zum Teil aus Kiel oder München bis nach Waddenhausen. Ein Großteil der Blumentiere wird verschickt – per Kurier. Dazu werden die Korallen in mit Meerwasser gefüllte Tüten gesteckt, Wärmepacks halten die Temperatur konstant auf 24 Grad. Dann fühlen sich Korallen am wohlsten.

Zu den Blumentieren zählen 6.000 verschiedene Arten

Korallen gibt es seit mehr als 400 Millionen Jahren. Sie kommen ausschließlich im Meer vor, insbesondere im Tropengürtel. Anders als ihr farbenprächtiges Aussehen vermuten lässt, handelt es sich bei Korallen nicht um Meerespflanzen, sondern um Tiere. Genau genommen gehören die etwa 6000 Arten zur Klasse der Blumentiere, einer Untergruppe der Nesseltiere.

Korallen sind nur wenige Zentimeter groß und von polypenartiger Gestalt mit einem sackartigen Rumpf und einer Mundöffnung, die von Tentakeln gesäumt wird. Riffkorallen sondern ein napfförmiges Kalkskelett ab, das ihren Körper umschließt und in das sie sich bei Gefahr zurückziehen können.

Auf den Resten der abgestorbenen Kolonien siedeln sich immer wieder neue Generationen von Korallenpolypen an. Zusammen mit den Absonderungen krustenbildender Kalkalgen bilden sie in einem lange währenden Prozess von Aufbau und Zerstörung das Gerüst von Korallenriffen, den größten und imposantesten Bauwerken der Natur.

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