Lage. Etliche frühere Gewerbeflächen liegen brach, einst als Büros genutzte Gebäude sind zu Wohnungen umfunktioniert worden. Viel hat sich in den vergangenen Jahren östlich des Bahnhofs getan. Eine strikte Trennung von Wohnen und Gewerbe gibt es auf der rund 600.000 Quadratmeter großen Fläche nicht mehr.
Diesen Veränderungen will die Stadt nun Rechnung tragen und sie bei ihren zukünftigen Planungen berücksichtigen. Den Anstoß dazu hat der Eigentümer der alten Molkerei gegeben, der auf einem Teil seines Grundstücks 20 Wohnungen und eine Kindertagsstätte errichten möchte.
Der Bau- und Planungsausschuss hat jetzt mehrheitlich die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur Änderung des Bebauungsplans B 20 und darüber hinaus für die Bebauungspläne G 8, G 19 und G 21 zwischen Feldstraße und Elisabethstraße zu erarbeiten. Dafür muss der Investor einen Vertrag mit der Stadt zur Kostenübernahme der Planungsleistungen abschließen.
Ob an dieser Stelle je eine Kindertagesstätte gebaut werden kann, wird an anderer Stelle entschieden: im Jugendhilfeausschuss. Die Mitglieder dieses Gremiums prüfen zusammen mit dem Jugendamt die Zulässigkeit dieser Einrichtung. Damit an der alten Molkerei betreutes Wohnen geschaffen werden kann, muss der Bebauungsplan geändert werden.
„Wir haben hier eine Gemengelage, die nicht einfach zu trennen ist", unterstrich Detlef Köhler, Fachteamleiter Planen. Entscheidend sei festzustellen, wo nur Gewerbe, wo nur Wohnen und wo beides nebeneinander in einem Mischgebiet wie an der Feldstraße zuzulassen sei.
„Wir haben in Lage viel zu wenig Gewerbeflächen. Hier soll Gewerbefläche für Wohnbebauung und eine Kindertagesstätte aufgegeben werden. Und hinsichtlich der Kita kann ich mir nicht vorstellen, dass hinter der alten Molkerei, wo alles sehr trist ist, dafür der geeignete Ort ist", gab Hans-Martin Kaup (SPD) zu bedenken.
Das sagen Gewerbetreibende
Rolf Hummerjohann, der an der Elisabethstraße einen Meisterbetrieb für Kraftfahrzeuge betreibt, liegt viel daran, dass sein Gewerbebetrieb als solcher erhalten werden kann. Wenn er später einmal seine Firma abgeben oder verpachten sollte, habe er große Einbußen, wenn die Fläche Mischgebiet werde. Der Molkereiweg müsste Fläche fürs Gewerbe bleiben, alles südlich in Richtung Bahnhof sowieso.
Andreas Schmuck, Eigentümer der Firma Krügermeyer, berichtete, dass seine Firma an der Elisabethstraße immer noch einen Getreidehandel unterhalte. Obwohl sich der Hauptsitz in Lemgo befinde, sei in den nächsten vier Jahren die Verlegung des Unternehmens nach Lage geplant. Vielleicht werde diese Chance vertan, wenn dieses Gewerbegebiet aufgegeben werde.
Ins selbe Horn stieß Bernd Roetzel. „Bei Meise sollen neue Gewerbeflächen entstehen und an dieser Stelle schaffen wir sie ab. Das passt nicht", sagte er. Weil ein Stadtentwicklungskonzept noch nicht vorliege, sei es zu früh, über dieses kleinteilige Gebiet zu reden.
Ob denn die Grundstückseigentümer überhaupt wüssten, dass dieses Gremium sich mit dem Thema befasse, wollte Louis-Dieter Hempelmann (CDU) von der Verwaltung erfahren. „Bevor wir nicht wissen, über was wir die Leute überhaupt informieren sollen, können wir auch noch nicht mit ihnen sprechen", entgegnete Technischer Beigeordneter Thorsten Paulussen.