Lemgo. Das neue Buch von Jan Weiler mit dem Titel „Das Beste! Mein Leben zwischen Pubertieren“ ist im September erschienen. Der Sammelband besteht aus Geschichten, die er als Vater erlebt hat, als seine beiden Kinder in die Pubertät gekommen sind. Mit diesem Buch geht er deutschlandweit auf Lesetour und macht am Freitag, 21. November, auch Station in Lage. Im LZ-Gespräch verrät der Bestseller-Autor unter anderem seine Lieblingsgeschichte. Die erste telefonische Kontaktaufnahme schlägt jedoch fehl: Weiler nimmt ab und fragt: „Dürfte ich Sie bitten, in fünf Minuten noch mal anzurufen? Dann würde ich eben aufessen.“ Natürlich darf er. Beim zweiten Anlauf klappt’s. Herr Weiler, wie kam es dazu, dass Sie das Thema Pubertät noch einmal in einem Sammelband aufgreifen wollten? Jan Weiler: Wir haben überlegt, noch mal ein Bühnenprogramm zu machen, in dem man das zusammenfasst. Denn die alten Texte, die ich schon ewig nicht mehr gelesen habe, sind hübsch und immer gut angekommen. Deshalb fanden wir, dass es schön sei, einfach mal so einen Abend zu machen, an dem man das Thema zusammenfasst. Erst danach haben wir entschieden, dazu auch noch ein kleines Büchlein zumachen - für die Leute, die nur einen von den fünf Bänden haben. Was ist für Sie persönlich das Beste an dieser Lebensphase gewesen, als Ihre Kinder „Pubertiere“ waren? Jan Weiler: Die grenzenlos gute Unterhaltung. Das ist abgesehen von allen Schwierigkeiten, die sich da auftun, auch eine wahnsinnig inspirierende Zeit. Es sind einfach viel zu viele gute Geschichten dabei, als dass man sie auslassen könnte - jedenfalls in meinem Beruf. Das war das Beste, immer wieder diese Wahnsinnssprüche und irren Kapriolen. Gibt es eine Anekdote von Ihnen selbst, eine Lieblingsgeschichte? Jan Weiler: Es gibt welche, die ich unglaublich gerne vortrage, weil sie so einen Spaß machen. Dazu gehört die Kommunikation mit dem Sohn, während der in irgendeiner Not ist und über Whatsapp die ganze Zeit Nachrichten schickt. Man schickt sich diese Emojis hin und her und es schaukelt sich so auf. Die lese ich wahnsinnig gerne vor. Man sagt nur „Achselzuck-Emoji“, und die Leute lachen schon. Waren Sie denn auch für Ihre Eltern ein „Pubertier“? Jan Weiler: Das war ja jeder auf seine Art. Bei manchen war es dann eben anstrengender oder gar nicht anstrengend. Bei den Leuten, bei denen es gar nicht anstrengend war und die Eltern sagen „ach, wir sind da eigentlich superdurchgerutscht“, bei denen wird es bloß später schwierig, wenn die Kinder so Ende zwanzig sind. Ich kenne keine Familie, wo es das nicht gibt. Ich war vergleichsweise easy im Umgang, weil ich der Mittlere war. Ich wollte nicht, dass meine Eltern Kummer wegen mir haben müssen, und habe nicht andauernd Grundsatzdiskussionen mit ihnen geführt. Viele Jugendliche sind heute viel politischer und sensibler für Themen wie Wokeness oder Nachhaltigkeit. Erleben Sie das im Alltag eher als Bereicherung oder als neue Herausforderung für Eltern? Jan Weiler: Erst einmal ist es natürlich eine totale Bereicherung. Man lernt von den Kindern eine ganze Menge. Gerade dieses Wokeness- und Gender-Thema ist eine Bereicherung. Es ist natürlich wahnsinnig nervend, was die Diskussionen angeht. Aber es ist auf der anderen Seite ja Zeitgeist - und dem muss man sich stellen. Es gibt nichts Besseres, als Kinder zu haben, die einen dazu zwingen, sich damit auseinanderzusetzen. Ich glaube, dass man gut daran tun, da sehr genau zuzuhören. Der Sammelband stellt eine Art Schlussstrich für die „Pubertier-Ära“ dar. Nur für diese? Jan Weiler: Die Kolumnen gehen weiter. Die mache ich im nächsten Jahr 20 Jahre. Jede Woche kommt so eine Geschichte raus. Die handeln nicht immer nur von den Kindern. Die Kolumne heißt ja „Mein Leben als Mensch“ und nicht „Mein Leben als Vater“. Nur dieses Familienthema ist abgeschlossen - ohne Wehmut. Es ist einfach ein Kapitel, das jetzt vorbei ist. Dazu wird es keinen weiteren Band geben. Warum auch? Das ist in meinem Leben nicht mehr so präsent. Aber ich weiß nicht, ob mir noch einmal so ein Schlagwort einfällt, das so viele Leute mitnehmen kann. Jan Weiler tritt am Freitag, 21. November, um 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums Werreanger, Lange Straße 30, auf. Karten für 18 Euro sind noch erhältlich und gibt es in der Buchhandlung Brückmann, Lange Straße 79, in der Stadtbücherei, Bergstraße 6, oder an der Abendkasse. Persönlich Jan Weiler hat zwei erwachsene Kinder. Er arbeitete zunächst als Journalist und war Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung, bevor er sich dem Schreiben widmete. Bekannt wurde er 2003 mit seinem Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“, in dem er mit viel Humor auf deutsch-italienische Familienkulturen blickt. Es folgten unter anderem „Antonio im Wunderland“ und die beliebte Reihe um „Das Pubertier“. Heute lebt der 58-Jährige in München, schreibt Kolumnen und ist regelmäßig mit seinen Lesungen auf Tour.