Lemgo. Die Liebigstraße wird nicht zur Sackgasse für Autofahrer. Auch beim Krügerkamp bleibt alles beim Alten. Das hat der Verkehrsausschuss der Stadt jetzt mehrheitlich entschieden. Zuvor hatten die Politiker lebhaft über die Verkehrssituation rund um die Bildungsmeile am Lüttfeld diskutiert. Anlass waren verschiedene Bürgeranträge.
Die Politiker hielten es insgesamt für schwierig, die stark befahrene Liebigstraße vor dem Waldorfkindergarten „abzubinden". Besser sei es, den Durchgangsverkehr auf andere Weise zu reduzieren, zum Beispiel durch die Einführung einer Tempo-30-Zone, eine Fahrbahnverengung oder spezielles Pflaster, hieß es im Ausschuss. Die Verwaltung erhielt den Auftrag, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.
Gegen eine Sperrung der Liebigstraße wandte sich zum Beispiel Robert Adrian (FDP): „Es kann nicht sein, dass wir für ein Vermögen Straßen bauen, die dann in eine Sackgasse führen." Auch die Wählergemeinschaft „Bürger für Lemgo" (BfL) warnte: „Es ist gar nicht möglich, die Liebigstraße abzusperren", sagte Bernd von Nordheim. Das würde zu sehr zu Lasten der anderen Straßen gehen.
Was den nördlichen Teil des Krügerkamps angeht, waren sich die Fraktionen ebenfalls weitgehend darüber einig, die aktuelle Regelung beizubehalten. Diese sieht vor, den direkten Anwohnern die Zufahrt über den Platz vor dem Lüttfeld-Berufskolleg zu ermöglichen. Es gehe nur um eine Handvoll Autofahrer, die zudem meist außerhalb der Schulzeit auf dem Platz unterwegs seien, machte SPD-Fraktionschef Udo Golabeck deutlich.
Wie berichtet, hatten die Stadt und das Berufskolleg für eine Bannmeile für Autofahrer plädiert. Heiko Fischer, Leiter Straßenbau bei der Stadt, unterstrich dies in der Sitzung. Die jetzige Zuwegung über das Gelände sei für die Schüler dauerhaft nicht tragbar. Außerdem sei es schwierig zu kontrollieren, wer dort tatsächlich langfahren dürfe und wer nicht. Kritik kam von den Anwohnern im Sitzungssaal. Es seien eher die Schüler und Lehrer, die dort mit dem Auto unterwegs seien, sagte eine Bürgerin.
Über eine mögliche Öffnung der Südseite, also dort, wo der Krügerkamp auf die Liebigstraße und Wasserfurche mündet, fiel noch keine Entscheidung. Hier verhindert bisher ein niedriger Poller die Durchfahrt. Die Verwaltung will dazu weitere Untersuchungen machen und in der ersten Jahreshälfte 2017 ein Konzept vorstellen, wie Heiko Fischer ankündigte.
Zur Not muss eine provisorische Ampel her
Über welche Route soll der Verkehr künftig den Krügerkamp erreichen? Eine Frage, die umso mehr ins Blickfeld rückt, als Eben-Ezer dort mit seinem Bauvorhaben in den Startlöchern steht. Aber wie kommen die Lastwagen ans Ziel?
Es werden viele Lkw sein, die Erde herankarren müssen, bevor das Wohnheim für 24 Menschen überhaupt gebaut werden kann. Das stellt Stadtplanerin Berit Weber angesichts von teilweise bis zu 1,50 Metern Erdaufschüttung klar. „Das wird auch auf Sperrungen hinauslaufen, die dann die Anwohner betreffen, für die zeitweise weniger Parkplätze vorhanden sein werden."
Gleichwohl: Schon am kommenden Montag, 12. Dezember, soll der Stadtrat den Bebauungsplan beschließen, damit Eben-Ezer loslegen kann. War es doch erklärtes Ziel der diakonischen Stiftung, noch in diesem Jahr am Krügerkamp den ersten Spaten in die Erde zu rammen. Die künftigen Bewohner sind bei der Stiftung Diakonis untergebracht, weil ihr Ex-Heim in Neu Eben-Ezer, das Herbert-Müller-Haus, zum Verwaltungsgebäude wird.
Bedenken gegenüber dem Eben-Ezer-Projekt sind während der Auslegung nicht gekommen, zumindest „keine relevanten", wie es Stadtplanerin Berit Weber ausdrückt. Lediglich die Lkw lassen zumindest SPD-Fraktionschef Udo Golabeck die Stirn in Falten legen. Er spricht von „regem Verkehr, schmalem Nesselfeld, Häusern direkt an der Straße und dem im Süden per Poller gesperrten Krügerkamp".
Doch Letzteren schnell entfernen, damit die Baumaschinen freie Fahrt von Süden haben? Ginge gar nicht ohne Weiteres, mahnt Markus Baier, Geschäftsbereichsleiter Bauen bei der Stadt Lemgo. Bevor es so weit ist, muss die Kreuzung mit Wasserfurche und Liebigstraße umgebaut werden. Ansonsten sei die Ausfahrt dort viel zu gefährlich.
Neben der engen Anfahrt über das Nesselfeld bleiben somit nur zwei Alternativen, die abgewogen werden sollen: das Grundstück, das zwischen dem Eben-Ezer-Areal und der Braker Ortsdurchfahrt liegt und ebenfalls neu bebaut werden soll. Womöglich könnte hierüber die Baustraße geführt werden. Oder aber – „allerletzte Möglichkeit" (Baier) – eine Baustellenampel am Südende des Krügerkamps.