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Lemgo

Ausstellung: Klaus Zeitz ist dem Funken der Poesie auf der Spur

Lemgo-Brake. Es ist das einzige Selbstporträt von Klaus Zeitz, ein Linolschnitt von 2009, in diesem Fall auf ein Foto gedruckt, eine Berliner Straßenszene. Passanten, Fassaden, architektonische Details fluten und durchziehen die Gesichtszüge des Künstlers. Sein Blick wiederum scheint das urbane Treiben zu durchdringen, intensiv, von innen heraus. Der Mensch in der Welt: Ein zentrales Themen im Schaffen von Klaus Zeitz – ein hoch komplexes dazu.

Klaus Zeitz wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Anlass für seine Kollegen aus dem Lippischen Künstlerbund, dem er seit langem angehört, auf die Themenausstellung im Eichenmüllerhaus zu verzichten, die sie sonst dort in jedem Spätsommer gemeinsam zeigen, und ihm das Feld zu überlassen. Auf zwei Etagen präsentiert Zeitz unter dem Titel „Zusammenfall der Gegensätze“ Arbeiten aus vier Jahrzehnten. „Ein wirklich herausragendes Gesamtkunstwerk“, sagt Künstlerbund-Vorsitzender Günter Schulz.

„Bei mir geht’s immer um Gegensätze“, bestätigt Klaus Zeitz, „um kategoriale, inhaltliche, formale.“ Figuren, die aus Farbflächen hervortreten, lineare Konstruktionen, die sich zu illusionistischen Darstellungen fügen: Er liebt das Spiel mit den Gegensätzen – und beherrscht die Kunst, Werke zu gestalten, in denen diese Gegensätze sinnhaft zusammenwirken.

Ein wichtiges Mittel dazu ist sein Mut, seine Bilder der Mehrdeutigkeit auszusetzen. Der Mensch, die Welt, das Leben – das sind keine Faktoren, die sich zu einer einfachen Gleichung zusammenfügen ließen. Je vielschichtiger eine Arbeit ist, je mehr Deutungsmöglichkeiten sie bietet, um so genauer kann die künstlerische Annäherung ausfallen. Realität existiert auf mehr als einer Ebene. Klaus Zeitz weiß das. Und er malt es.

Geboren 1937 in Düsseldorf, wächst Klaus Zeitz in einem kleinen Dorf in Tirol auf. Er erinnert sich an die Herrgottswinkel, die ihn so beeindrucken, dass er zu schnitzen beginnt. Er malt und zeichnet und besucht – zurück in Düsseldorf – zahlreiche Museen und Ausstellungen. „Nach dem Abi wollte ich Malerei studieren, aber ich habe mich nicht getraut“, erzählt er.

Er studiert also Gebrauchsgrafik an der Werkkunstschule Düsseldorf – rückblickend betrachtet eine gute Entscheidung, berichtet Klaus Zeitz: „Dort habe ich meine Frau kennen gelernt.“ Drei Semester später wechselt er aber doch an die Hochschule für Bildende Künste. „Ich wollte ja gar kein Webegrafiker werden, ich wollte ja Kunst machen.“

Dennoch ist er später gemeinsam mit seiner Frau fünf Jahre lang als Werbegrafiker tätig, übernimmt zudem Aufträge für Kunst am Bau. „Wir mussten ja Geld verdienen, wir haben drei Kinder“, sagt Klaus Zeitz. Er fängt auch an, als Kunsterzieher zu unterrichten – und absolviert noch ein Studium in Kunst und Kunstwissenschaften fürs Lehramt am Gymnasium. 1978 kommt er als Lehrer ans Detmolder Leopoldinum. Parallel zum Unterrichten ist er als Maler tätig.

Zeichnungen, inspiriert von musikalischen Höreindrücken – die Musik ist von jeher eine wichtige Inspirationsquelle für Zeitz. Aquarelle, die er auch als Methode der Bildfindung nutzt. Aus Papier geformte Skulpturen, die die Köpfe klassischer griechischer Philosophen und Dichter zeigen. Und Gemälde. Bilder die sich zwischen abstrakten und konkreten Auffassungen bewegen, die auch an die Konkrete Kunst heran reichen, diese zitieren, die auf Paradoxe setzen und von feinem, hintersinnigen Humor durchzogen sind: 80 Werke bieten im Eichenmüllerhaus die Möglichkeit, sich einen umfassenden Eindruck vom Werk Klaus Zeitz’ zu verschaffen. Vielschichtig? Ja. Mehrdeutig? Unbedingt.

Mit Blick auf das titelgebende Werk der Ausstellung, das großformatige Bild „Zusammenfall der Gegensätze“, in dem es eine Vielzahl unterschiedlichster Motive zu entdecken gibt und in dem bei näherem Hinsehen vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, zitiert Klaus Zeitz – sinngemäß – Max Ernst: „Wenn Dinge, die nicht zusammengehören, an einem Ort zusammentreffen, wo sie nicht hingehören, dann entsteht der Funke der Poesie.“ Noch so eine Maxime für sein Schaffen.

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