Lemgo-Brake. „Kontext“ heißt die neue Jahresausstellung des Lippischen Künstlerbundes, die am Sonntag, 31. August, im Eichenmüllerhaus in Brake eröffnet wird. Ausgewählte Werke von 20 Künstlern sind darin zu sehen. Diese verstehen den Ausstellungsraum nicht als neutrale Kulisse für eine isolierte Betrachtung, sondern begreifen ihn als Bestandteil ihres Schaffens - wobei interessante Wechselwirkungen entstehen. „Der Kontext ist essenziell“, sagt Vorsitzender Nils Grube, während er zusammen mit Ernst Thevis und Axel Plöger schon einmal einen exklusiven Vorab-Einblick in die neue Schau gibt. Er gehe in seiner künstlerischen Arbeit zunächst sehr intuitiv vor und mit Material und Formen um. Erst danach werde die Arbeit in den Kontext gestellt, als Teil des künstlerischen Schaffensprozesses. Durch den Ausstellungsraum, in dem ein Werk gezeigt werde, und die dortige Platzierung werde der Kontext noch einmal erweitert. Ein Wechselspiel mit dem Raum und auch mit dem Betrachter entsteht. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Installation „Verstrickungen. Kontext in Faden und Holz“ von AnnieLuu Fischer, die aus Holzregalen und Wollfäden besteht, welche den Raum durchziehen, hängen, spannen, vernetzen und in die Raumstruktur eingreifen. „So entsteht ein Spannungsfeld aus Ordnung und Subjektivität, Struktur und Emotion, Kontrolle und Assoziation“, erklärt die Künstlerin. Der Kontext sei nicht festgelegt, sondern werde immer wieder neu gesponnen. Die Wandinstallation aus Keramikobjekten und Filz von Anja Kracht spielt ebenfalls mit dem Raum, den sie einnimmt und der sie umgibt. Es geht um Verbindungen, die eingegangen werden, aber auch um Abstand, der genommen wird. „Durchbruch“ durch zwei Räume Eine Verbindung zwischen zwei nebeneinander liegenden Räumen entsteht bei den Plastiken von Ewald Horstmann, die auf einem Holzpodest angeordnet sind, welches sich hinter einer Wand fortsetzt. Tierschädel aus Keramik und ein Kopf mit afrikanischer Kopfbedeckung sind darauf zu sehen. „Durchbruch“ von Dagmar Hagemann geht noch einen Schritt weiter: Während Bild 1 wie eine in die Wand gedrückte Pyramide wirkt, wirkt Bild 2 auf der Rückseite wie eine Pyramide, die aus der Wand herauskommt. Die geometrischen Formen und der perfekte Farbauftrag machen dies möglich. „Die Farbe wirkt im Kontext mit den Nachbarfarben“, erläutert Ernst Thevis. Einige Arbeiten greifen bewusst auch die Kulisse des Eichenmüllerhauses auf, zum Beispiel die Fotografien, die Andreas Fuchs mit einer Lochkamera und extrem langer Belichtungszeit in den Räumen aufgenommen hat, oder die digital bearbeiteten Fotografien, die Karin Oestreich von einer Ausstellung im Jahr 2020 in den Räumen angefertigt hat. Gudrun Harff stellt in „Leben“ eine Szene aus dem Leben von Gertrud Eichenmüller-Sonntag nach: In der Küche soll immer eine Staffelei gestanden haben, an der die Mutter malte und die auch von den Kindern genutzt werden konnte. Eröffnung am Sonntag Dazu kommen viele weitere und extrem vielfältige Werke, die sich mit dem Thema „Kontext“ befassen - von Malerei über Collagen hin zu Skulpturen. Alle wurden von einer siebenköpfigen Jury aus den Reihen des Lippischen Künstlerbundes ausgewählt, die die Jahresausstellung organisiert hat. Außerdem ist eine Performance dabei. Nils Grube wird seine Skulptur „Kalaha“, die aus einem Schädelspiel besteht und somit eine spielerische Interaktion zwischen zwei Personen ermöglicht und den spielerischen Ansatz künstlerischer Arbeit in Kontext setzt, quasi um sich selbst ergänzen. Denn: Seine Haut ist voll mit Tattoos, die er selbst entworfen hat. „Es sind Elemente wie verbrannte Streichhölzer und Pfeile, die auch immer wieder in meinen Arbeiten auftauchen. Die Grenze zwischen meinem Skizzenbuch und meiner Haut verschwimmen“, sagt der Künstler. Die Ausstellung ist vom 31. August bis zum 21. September immer donnerstags bis sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr zu sehen. Nils Grube wird in der Regel an den Nachmittagen für seine Performance zugegen sein. Für die Ausstellungseröffnung am Sonntag ab 11.30 Uhr ist Kunsthistorikerin Jara Pauline Lahme verpflichtet worden. Der Eintritt ist frei.