Lemgo/Hamburg. Warum „Ahoi“? Der Ausdruck stammt aus dem Englischen, wo „ahoy“ als maritime Anrede für die Kommunikation auf hoher See gedacht war. Segelboote werden bisweilen ebenfalls „Ahoi“ getauft. Und Campingplätze. Einer, der sich nach Jahrzehnten im Journalismus quasi neu erfunden hat, ist der Ex-Lemgoer Markus Wolff. Nach einer Ausbildung in der Redaktion der Lippischen Landes-Zeitung schaffte es Wolff bis an die Spitze des Magazins „Geo“. Vor zwei Jahren entschied sich der 54-Jährige für einen Richtungswechsel - Wolff verließ den Journalismus und suchte das Weite in der Natur, er stieg in die Camping-Szene ein. „Wir rücken auf unseren Plätzen die Natur in den Mittelpunkt, die wir nicht nur schützen, sondern für die wir begeistern wollen. Auf zu Abenteuern vor der Haustür. Oder besser gesagt: vor der Schiebetür“, so ein Credo von Wolff und seinen Mitstreitern Jens Köhler und Johannes Vieten. Das Trio hat die Marke „Ahoi Bullis & Camps“ gegründet, zu der neben einer Campervermietung inzwischen drei Campingplätze und ein Ferienhausdorf gehören. RTL-Übernahme sorgt für Umdenken Alles begann schon 2015, da saß Wolff noch in einem Büro bei Gruner + Jahr und erdachte neue Reportagen rund um den Globus. Geo, das Magazin versteht sich als „Organ“ für Reisen, Natur, Tierdokumentation, aber auch Wissenschaft, war seine Story. Dann kam RTL und „zerlegte“ nach der Übernahme (Frühjahr 2023) auch die Strukturen bei „Gruner+Jahr“. Beim Hamburger Traditionsverlag fielen damals viele Stellen weg. Die Muttergesellschaft RTL Deutschland, die wiederum zum Bertelsmann-Konzern gehört, erklärte seinerzeit, sie wolle sich künftig mehr auf die „Kernmarken“ ihres Verlagsgeschäfts fokussieren. Von den rund 20 GEO-Titeln, die Wolff verantwortete, sollten nur noch zwei übrig bleiben. Er und sein Co-Chefgeschäftsführer beschlossen daraufhin, das Unternehmen zu verlassen. Und statt sich woanders einen Job in der Branche zu suchen, hielt Wolff gleich Ausschau nach einer Alternative. Campingaufschwung durch Corona Der Einstieg ins Campinggeschäft lag nahe, hatte man doch bei GEO damals auch das Magazin „Walden“ heraus gebracht. „Walden“, quasi ein Baby von Wolff, galt als Magazin für alle, die gerne draußen unterwegs sind; man postulierte im Magazinformat den Reiz für das Abenteuer vor der Haustür. Und von „Walden“ zum Campingplatz war es nur der sprichwörtliche Katzensprung. Seit Johannes Vieten und seine Frau Claudia im Jahr 2015 zu zweit mit der Campervermietung „Ahoi Bullis“ gestartet waren, ging es wachstumsmäßig bergauf. Corona und das geänderte Freizeitverhalten half der Branche bekanntlich ebenfalls. Inzwischen besteht „Ahoi Bullis & Camps“ aus rund 75 Kolleginnen und Kollegen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten: am Empfang, in der Gastronomie, im Kundenservice, im Bulli-Fuhrpark, in der Buchhaltung, der Personalabteilung, im Marketing oder im Infrastruktur- und Reinigungsteam. Und einer der Leute in der Chefetage ist eben mittlerweile Markus Wolff. Immer noch Natur und Abenteuer Sein Alltag hat mit dem eines Chefredakteurs nur noch wenig zu tun. Statt in endlosen Konferenzen über Layouts und Überschriften zu diskutieren, geht es heute um Wohnmobile, Stellplätze, Nähe zum Wasser oder Umbauten bei den Sanitärgebäuden. Wolff sieht aber den Abstand von seinem alten Job zu seiner neuen Realität nicht mal sonderlich groß: „Im Grunde bin ich thematisch auch bei GEO nicht so weit weg gewesen; um Natur, Abenteuer und nachhaltiges Erleben hat sich ja auch dort vieles gedreht.“ Was er schätzt? Selbstwirksamkeit. Der Ex-Lemgoer fährt in der Regel raus zu einem der Ahoi-Plätze und schaut, was „geht“. Erst vor einer Woche fand in Canow (Mecklenburg-Vormpommern) ein Festival mit Musik und Workshops statt. Sein Vorteil: Wolff muss mit seiner Familie, Frau und drei Kinder, nicht selbst ein Zelt aufbauen, die Firma vermietet ja auch Wohnmobile; die Arbeit paart sich also mit der Freizeit. „Camping wird als Wachstumsbranche gesehen. Und diese Einschätzung teilen wir natürlich; denn trotz des ganzen Enthusiasmus muss jede Entscheidung auch betriebswirtschaftlich Hand und Fuß haben“, sagt der 54-Jährige. Lippe könnte ein Ziel sein Und spielt die Heimat, spielt Lemgo noch eine Rolle? „Mein Bruder und mein Vater leben in Lemgo, meine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben. Ich bin natürlich unregelmäßig in Lippe. Es ist auch nicht so weit weg. Außerdem sucht unser Unternehmen immer mal wieder nach interessanten Campingplätzen, die mitten in der Natur liegen und die womöglich einen neuen Eigentümer suchen. Der Teutoburger Wald oder die Weser sind jetzt als Standort nicht völlig undenkbar. Hauptsache, man kann ein Lagerfeuer machen “