Lemgo. Andreas Siewert hat genug. Der Lärm, der durch Laubbläser, Rasenmäher und Co. in seiner Nachbarschaft verursacht wird, nehme überhand und sei „unerträglich geworden“, wie er im Haupt- und Finanzausschuss am Montagabend erläuterte. Darum hat er einen Bürgerantrag gestellt und fordert darin die Wiedereinführung der Mittagsruhe in Lemgoer Wohngebieten von 13 bis 15 Uhr, die Ausweitung der Ruhezeit ab samstags 13 Uhr und die Begrenzung der abendlichen Nutzungszeit von benzin- und elektrisch betriebenen Gartengeräten und Werkzeugen auf 18 Uhr. Siewert wohnt in der Geschwister-Scholl-Straße. Er sagt: „Der Lärm endet nicht am Gartenzaun, stattdessen verstärkt er sich gefühlt zwischen den Häusern.“ Der Lemgoer spricht von einem „Trichtereffekt“, der sicherlich auch andere Wohngebiete betreffe. Dadurch leide die Lebensqualität aus seiner Sicht deutlich. Denn: „Lärm macht krank“, sagt Siewert. Darauf macht unter anderem auch das Umweltbundesamt am „Tag gegen Lärm“ aufmerksam. Erholen statt Lärm Er würde seinen eigenen Garten gerne „als Ruheraum zur Erholung“ nutzen oder dort gemütlich abends mit Freunden sitzen können. Doch das sei derzeit nicht möglich. „Gerade zum Feierabend hin nimmt der Einsatz dieser Geräte zu“, meint Siewert. In Lemgo dürfen in Wohngebieten derzeit motorisierte Rasenmäher, Rasentrimmer, Kantenschneider, Heckenscheren, Motorkettensägen, Motorhacken, Vertikutierer und Schredder nicht an Sonn- und Feiertagen sowie werktags von 20 bis 7 Uhr genutzt werden. Die Nutzung von bestimmten Geräten wie Grastrimmer und Graskantenschneider, Laubbläsern und Laubsammlern ist sogar nur an Werktagen in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr erlaubt. „Erhebliche Einschränkungen Siewert hält das für schwierig überprüfbar, weil das Ordnungsamt außerhalb dieser Zeiten nicht erreichbar sei und die Polizei nicht zuständig sei. Seine Vorschläge würden aus seiner Sicht zu einem ausgewogenen Verhältnis von Nutzung, Rücksichtnahme und Gesundheitsschutz führen. Der Lemgoer verweist auf Detmold und Bielefeld. In diesen Städten gibt es eine Mittagsruhe. Die Stadt hält die Einführung solcher Ruhezeiten jedoch für „nicht erforderlich“. Denn es habe keine Zunahme der Beschwerden wegen Lärmbelästigung durch Gartengeräte gegeben. Solche Ruhezeiten würden hingegen „erhebliche Einschränkungen für Gewerbe und Landwirtschaft bedeuten“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Auch berufstätige Einwohner wären betroffen. Frage nach Mischgebieten Bürgermeister Markus Baier sagte, dass er vor allem ein Problem mit dem Samstagnachmittag habe, weil die Menschen gerade dann Zeit für die Gartenarbeit hätten. Außerdem fragte er, was denn mit Mischgebieten wie in der Laubke sei? Also Gebiete, in denen nicht nur gewohnt wird, sondern auch Gewerbe ansässig ist. Udo Golabeck, Vorsitzender der eSL-Fraktion, sagte im Ausschuss: „Ich wohne auch im Wohngebiet und beobachte immer mehr Rasenmähroboter, die leise sind. Durch die Photovoltaikanlagen gibt es auch immer mehr leise Elektromäher. Ich kann das Ausmaß der Belastung daher nicht nachvollziehen. Der Rasen wird ja nicht stündlich gemäht.“ Letztlich stimmten die Ausschussmitglieder gegen den Bürgerantrag, die Grünen-Fraktion enthielt sich. Sie hätte sich eine Diskussion im Fachausschuss für Gesundheit und Soziales gewünscht.