Lemgo. Karolin Saak kann anpacken. Das hat sie in Lemgo schon längst unter Beweis gestellt. Mit dem Hänger hat sie Holzschnitze zur Eisbahn gekarrt – „Ich habe den passenden Führerschein. Das passte gerade gut“ –, und sie räumt vor dem Gespräch mit der Redakteurin morgens die Küche auf. Eben schnell klar Schiff machen, bevor es an die wichtigen Dinge geht. Die 41-Jährige lacht: ein vielschichtiger Job. Karolin Saak ist die neue Geschäftsführerin von Lemgo Marketing. Ende Oktober trat sie die Nachfolge von Rabea Kruel an, die den Marketingverein über zehn Monate kommissarisch führte, nachdem Christoph Vieregge nach einem knappen halben Jahr im Amt überraschend gekündigt hatte. Jetzt soll wieder Ruhe einkehren, und die gebürtige Kalletalerin ist angetreten, um den Marketingverein mit neuen Ideen weiter voranzubringen. Dabei helfe der Blick von außen, ist die Mutter eines achtjährigen Sohnes überzeugt, diese neutrale Sichtweise, noch frei von den Befindlichkeiten der Akteure und Netzwerke vor Ort. New York, Südfrankreich, Hamburg, Berlin Und für den frischen Wind bringt Karolin Saak an Erfahrung in der Tat einiges mit, wie ihr Lebenslauf zeigt: Sie studierte nach dem Abitur am Marianne-Weber-Gymnasium Kommunikationsmanagement in Amsterdam, um im Anschluss ein neunmonatiges Praktikum in New York zu absolvieren. Es folgte der erste Job in Düsseldorf, bevor es sie zum damaligen Freund und heutigen Ehemann nach Südfrankreich zog. Dort studierte sie Französisch. Zurück in Deutschland, arbeitete sie dann in einer Werbeagentur in Hamburg, um drei Jahre später nach Berlin zu gehen. Dort war sie in einer weiteren Werbeagentur tätig und unter anderem für die Hornbach-Werbung verantwortlich. Weitere Jahre übernahm sie Kampagnen für die FDP und etablierte die Liberalen neu als Marke, wie sie erzählt. Es folgte der Wechsel zu einer Bio-Bäckerei, deren Expansion sie als Teil der Geschäftsleitung vorantrieb. Viel los in ihrem Leben, doch irgendwann schien es Zeit für einen Wechsel, wollte sie die unruhige Großstadt Berlin gegen das ruhige Lippe tauschen. Mit Ehemann und Sohn zog sie im Sommer zurück zu ihren Wurzeln ins Kalletal, wo noch die Familie lebt. Damals noch ohne konkrete Job-Perspektive – doch wenig später sollte es mit Lemgo Marketing passen. „Freiräume schaffen“ Es ist die „komplexe Aufgabe“, die sie im neuen Job reizt. Dabei sei es Ziel und Herausforderung, weitere Tätigkeitsfelder auszubauen. Ob Abteigartenfest, Bruch- oder Ostermarkt, Moonlight-Shopping, Veranstaltungen auf dem Markplatz oder Eiswelt – Lemgo Marketing ist in Lemgo mit vielen Veranstaltungen präsent. „Das Team ist ausgelastet. Doch jetzt geht es auch darum, Freiräume für weitere Bereiche zu schaffen“, setzt Karolin Saak die Marschrichtung fest und nennt unter anderem den Ausbau des Tourismus oder der Markenbildung der Stadt als Ziele. Auch die Strukturen des Vereins möchte sie überarbeiten und dabei vor allem die Digitalisierung angehen. Veranstaltungen müssen sich tragen, ist die Marketing-Chefin überzeugt. „Was wir uns nicht erlauben können, ist ein Minus“, weist sie auf den vorgegebenen Etat hin. Vieles lasse sich nur mit Hilfe von Sponsoren stemmen, so wie aktuell die Eiswelt, „alleine könnten wir das Risiko nicht tragen“. Gespräche mit den Geldgebern, seien es mit Verwaltung und Politik oder Sponsoren, sind ihr aus ihrer bisherigen Arbeitswelt bekannt. „Ich hatte nie einen finanziell gemütlichen Job. Der Etat war immer Verhandlungssache“, ist sie überzeugt, gut gerüstet zu sein. Fleischer für die Innenstadt Ziel sei es jetzt, alle Akteure verstärkt zusammenzubringen und dabei auch immer wieder Einzelhändler und Gastronomen mit ins Boot zu holen. „Die Frage ist doch: Wer kann wie mitverdienen?“ So wie bei der Eiswelt im Lippegarten. Ziel sei es, täglich 2000 Gäste aufs Eis zu locken und das zu familienfreundlichen Preisen. Wer die Eiswelt besucht, der schlendere auch durch die Innenstadt, besuche Geschäfte und Gastronomie – so zahle sich die Investition letztlich für alle aus. Überhaupt ist Karolin Saak von Lemgo überzeugt. Von der Schönheit der Stadt, der guten Infrastruktur, den kurzen Wegen. Den Leerstand in der City will sie gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt angehen. „Und aktuell haben wir ja erfreuliche Zahlen“, so die Lemgo Marketing-Chefin. Der Leerstand halte sich in Grenzen, das habe sich auch beim Moonlight-Shopping gezeigt, als es Events in leeren Ladenlokalen gab. „Da spielte ja nun wirklich nicht in jedem dritten Laden Musik.“ Jetzt gehe es darum, die bestehenden Lücken zu füllen. Ein Fleischer oder auch ein Lebensmittelgeschäft passt nach ihrer Ansicht gut in die Stadt. „Das ist der Wunsch vieler Lemgoer und ein reeller Bedarf.“ Auch mehr Serviceleister könne sie sich für die gelungene Durchmischung vorstellen, „aber große Ketten werden wohl nicht die Lösung sein“, muss sie den Wunsch vieler Bürger enttäuschen und schiebt noch eine Mahnung nach: „Letztlich liegt es in der Hand der Lemgoer, wie lebendig die Innenstadt bleibt.“