Neuapostolische Gemeinde sucht neue Nutzer für ihr Gotteshaus an der Zeppelinstraße in Oerlinghausen

Kirche zu verkaufen

Von Sigurd Gringel

Gemeindevorsteher Thorsten Dodt im ehemaligen neuapostolischen Versammlungsraum in Oerlinghausen an der Zeppelinstraße. - © Foto: Gringel
Gemeindevorsteher Thorsten Dodt im ehemaligen neuapostolischen Versammlungsraum in Oerlinghausen an der Zeppelinstraße. (© Foto: Gringel)

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Nach der Fusion mit der Gemeinde in Leopoldshöhe wird die Neuapostolische Kirche in Oerlinghausen nicht mehr gebraucht. Jetzt soll sie verkauft werden.

Eine Kirche zu verkaufen ist mitunter schwierig. "Es gibt Warteschlangen für Wohnhäuser, aber nicht für Kirchen", bestätigt Horst Krause. Er versucht momentan, das Grundstück mitsamt Gebäude der Neuapostolischen Gemeinde an der Zeppelinstraße in Oerlinghausen zu veräußern. Zwei Interessenten gebe es bereits.

Die Neuapostolische Kirche reagiert auf den demografischen Wandel. Überall fusionieren seit Jahren kleine Gemeinden zu größeren. Die jüngste Fusion im Bezirk Detmold ist die der Gemeinden Oerlinghausen und Leopoldshöhe zur Gemeinde Lippe-West. Im März vergangenen Jahres zelebrierte die Gemeinde den Einweihungsgottesdienst im neuen Hauptgebäude in Asemissen. Die Kirche in Oerlinghausen ist seitdem funktionslos. Sie ist bereits offiziell entweiht - profaniert.

Die Zusammenlegung geschehe nicht vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen, sagt Gemeindevorsteher Thorsten Dodt. Die Zahl halte sich nahezu konstant bei etwa 330, zuletzt gab es sogar einen leichten Zuwachs. Dodt: "Wir haben 210 aktive Geschwister." In West-Lippe haben wirtschaftliche Überlegungen den Ausschlag zur Fusion gegeben. "Die Kirchen liegen gerade mal 2,5 Kilometer auseinander", schätzt Dodt.

Zwei Gebäude zu unterhalten, sei bei dieser Distanz unwirtschaftlich. Deshalb habe sich die Kirchenleitung für das Gebäude in Asemissen entschieden. 2011/2012 wurde es für etwa 300.000 Euro renoviert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. "Wir sind über mehrere Jahre langsam zusammengewachsen", sagt Dodt.

Die Neuapostolische Kirche an der Zeppelinstraße stammt aus den 70er Jahren. Mit Nebenräumen hat sie eine Nutzfläche von 218 Quadratmeter, das Grundstück ist etwa 1.200 Quadratmeter groß. Seit Oktober hängt ein "Zu verkaufen"-Plakat am Zaun. "Es wurde ein Wert von 256.000 Euro ermittelt", sagt Horst Krause von der NRW-Zentrale der neuapostolischen Kirche in Dortmund. Der tatsächliche Verkaufswert liege aber wahrscheinlich niedriger. In Kürze will er das Gebäude offensiv vermarkten. Zwei Interessenten gebe es bereits, einen Bestatter und eine andere Glaubensgemeinschaft.

Bedenken habe die Gemeinde keine, die Kirche sei ja entweiht und damit nur ein normales Gebäude. "Ein Bestatter müsste nicht viel umbauen. Er könnte den Versammlungsraum als Verabschiedungsraum nutzen", meint Dodt.

Gegründet 1863

Die Neuapostolische Kirche geht auf konfessionsübergreifende Erweckungsbewegungen in Großbritannien in den 1830er Jahren zurück. Als Gründungsjahr der christlichen Religionsgemeinschaft gilt das Jahr 1863. Das 150-jährige Bestehen wird Ende Mai in Dortmund gefeiert. In Nordrhein-Westfalen hat die Kirche 85.000 Mitglieder, in Lippe sind es etwa 2.000. Die Gemeinde Lippe-West hat 326 Mitglieder, zwei Evangelisten, sieben Priester und sieben Diakone.

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