Detmold/ Köln. Die Sorge vor einem rechtsextremen Ansturm in Lippe ist groß. Zum Tag der Deutschen Einheit hat der mit völkischer Symbolik und transfeindlichen Positionen gefütterte Instagram-Account „Gegen das Gendern“ zu einem Community-Event in Detmold aufgerufen. Rund 110.000 Menschen folgen dem Kanal. Angepriesen ist eine „patriotische Wanderung“ mit Nationalflaggen und Kundgebung am Hermannsdenkmal. Dieser ursprüngliche Plan scheint geplatzt, abgesagt ist das Event nicht. Die lippische Polizei bleibt ganz nah dran. Auch der Staatsschutz in Bielefeld hat die geplante Wanderung im Blick und arbeitet eng mit der hiesigen Polizei zusammen. Zwar distanziert sich der Initiator des angekündigten Events in einem aktuellen Video von Extremisten - sowohl von links als auch von rechts-, gleichwohl wird die Veranstaltung laut Staatsschutz von der rechtsextremen Gruppierung „Freischar Westfalen“ sowie der „AfD Jugend Lippe“ beworben. Beobachter der extremen Rechten in OWL ordnen die Inhalte des Accounts ebenfalls der völkischen Ideologie zu. Protest gegen rechten Aufmarsch Schon seit Wochen regt sich daher im Kreis Protest gegen das im Netz angekündigte Community-Event am lippischen Wahrzeichen. Da der Landesverband Lippe kurzfristig ein Familienfest unter dem Motto „Der Hermann ist bunt“ organisiert hat, dürfen allerdings eh keine weiteren Gruppen einfach hoch zum Denkmal laufen. Laut Kreispolizeibehörde Lippe musste der Initiator der Wanderung daher seinen ursprünglichen Plan verwerfen. Landesverbandsvorsteher Jörg Düning-Gast kommentiert das nur kurz und knapp: „Wir wollen nicht gegen etwas sein. Wir stehen gemeinsam für Vielfalt.“ Die Gruppe „Gegen das Gendern“ hat daher umgeplant. Treffpunkt ist weiterhin um 13 Uhr der Bahnhof in Detmold, dann aber sollen die Teilnehmer im Waldgebiet unterhalb des Hermanns entlang bis nach Heiligenkirchen wandern. Begleitet wird die Gruppe dabei von der Polizei, erklärt Sprecherin Dr. Laura Merks. „Direkt ans Hermannsdenkmal kommt keiner ran.“ Da es sich bei der geplanten Wanderung aus Sicht der Kreispolizeibehörde eher um eine Versammlung handelt, muss der Veranstalter aus Köln die Gruppe allerdings offiziell anmelden. Ob das inzwischen - wie angekündigt - passiert ist, konnte die Polizei bis Redaktionsschluss nicht sagen. Deshalb sind offizielle Teilnehmerzahlen nicht bekannt. In ersten Gesprächen sei trotz der hohen Followerzahl (>100.000) nur von 20 bis 30 Menschen die Rede gewesen, teilt die Polizei mit. Gegendemo am Bahnhof geplant Egal, wie viele es am Ende sind, die polizeilichen Einsatzkräfte werden am 3. Oktober auch dafür sorgen, dass es am Bahnhof nicht zur Konfrontation mit der angemeldeten Gegendemonstration kommt. Der Stadtverband „Die Linke“ hat unter dem Motto „Kein brauner Aufmarsch unter dem Hermann!“ ab 12.30 Uhr zum Gegenprotest auf dem Vorplatz aufgerufen. Etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden laut Polizei erwartet. Auch die „Omas gegen Rechts“ haben sich angekündigt. Der Initiator von „Gegen das Gendern“ reagierte auf eine Anfrage der Redaktion nicht. Bekannt ist, dass es sich bei dem Betreiber des Accounts um den Vorsitzenden eines Stadtverbandes der Jungen Union Köln handelt. In seinem Online-Shop ist unter anderem ein Shirt mit der Silhouette des Hermanns vor einer Deutschlandfahne erhältlich. Darunter steht „Heimatliebe - ist kein Verbrechen.“ Mit seinen Inhalten wolle er ein „positives Gefühl für deutschen Patriotismus fördern“, heißt es auf der Homepage. Schon im August hatte der Initiator den Grillplatz im Schling als Privatperson für eine Gruppe von 40 Personen gemietet. Der dafür zuständige Heimatverein Heiligenkirchen hat aber erst jetzt erfahren, welche Gruppierung hinter der Anfrage steckt und juristisch prüfen lassen, was er noch gegen die Vermietung tun kann. Glücklich ist der Vorstand über das Ergebnis nicht. „Wir haben wenige Argumente, den Vertrag außerordentlich zu kündigen“, sagt Dr. Bernd Gröger, Vorsitzender des Heimatvereins. Künftig will der Verein daher seine Regularien anpassen und direkt abfragen, welche Institutionen den Platz nutzen. „Wir müssen verhindern, dass Gruppierungen auf den Grillplatz kommen, die wir da nicht haben wollen.“ Die lippische Polizei habe immerhin zugesagt, dass sich der Verein vor der angemeldeten Gruppe nicht fürchten müsse. Ein ungutes Gefühl bleibe trotzdem.