Lügde. Die Ermittler haben den Abschlussbericht im Missbrauchsfall Lügde an die Staatsanwaltschaft übergeben und sie auch anderen Prozessbeteiligten zugestellt. Das bestätigte Rechtsanwalt Peter Wüller, der vier der Missbrauchsopfer in dem Fall vertritt, gegenüber dieser Zeitung. Wüller ist gerade dabei, die 1.000 Seiten starke Akte durchzuarbeiten, und sagt: "Es ist unfassbar, was sich in Lügde in den letzten 30 Jahren zugetragen hat". Denn so weit reichen die Taten zurück, die dem Hauptbeschuldigten Andreas V. zur Last gelegt werden.
V., heute 56 Jahre alt, soll laut Ermittlungen insgesamt 28 Kinder und Jugendliche missbraucht haben, Mittäter Mario S. (34) wird der Missbrauch von 18 Opfern vorgeworfen. Die Zahl ist so hoch, dass Wüller noch immer fassungslos ist: "Es ist für mich unvorstellbar, dass niemand auf dem Campingplatz, auf einem so begrenzten Areal, etwas mitbekommen hat von diesen Straftaten." Andreas V., arbeitslos, hatte seit Jahren ein Pflegekind bei sich auf dem Campingplatz. Seine kriminelle Geschichte reicht aber, falls sich die Vorwürfe der Ermittler bestätigen, sehr viel weiter in die Vergangenheit zurück.
Ermittlerzahl steigt
Die nordrhein-westfälische Landesregierung will die Zahl der Ermittler gegen Kinderpornografie im Landeskriminalamt (LKA) mehr als verdoppeln. Bislang sind zwölf Beamte vorwiegend mit der Sichtung und Bewertung von Fotos und Filmen mit kinderpornografischem Inhalt zuständig. In Kürze sollen es 22 sein. Die Stellenausweitung habe Innenminister Herbert Reul (CDU) bereits im Herbst 2018 angeordnet, also vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals von Lügde. Reul: „Kinderpornografie ist inzwischen ein Massenphänomen, das wir noch viel stärker bekämpfen müssen als bisher. Das ist mir ein persönliches Anliegen."
Die Details sind grausam
Anwalt Wüller hat trotz seiner langen Erfahrung als Verteidiger und Opferanwalt in Strafsachen Mühe, die Details emotional auszuhalten: "Es wird einem schlecht, wenn man das liest." Die Taten, die geschildert werden, sind zum Teil so grausam, dass man sie hier nicht wiedergeben kann. Wüller: "Auf dem Platz fanden Missbrauchstaten jeglicher vorstellbarer Art statt. Das beinhaltete auch, dass Kinder untereinander den Geschlechtsverkehr vollziehen mussten und dabei gefilmt wurden." V. soll dabei zum Teil sehr gewaltsam vorgegangen sein.
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